Tierheim in Offenbach

Kein Langohr nur für das Osternest

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Tamara Hirning und Jennifer Hankel mit den viermonatigen Kaninchen Potato und Pflaume.

Offenbach - Schnell mal einen Hasen ausleihen? Zur Osterzeit verzeichnet das Tierheim teils seltsame Anfragen. Daher vermittelt es über die Feiertage keine Kaninchen. Das Kleintierhaus indes ist voll belegt. Von Veronika Schade 

Ostern ohne Hasen? Undenkbar. Als Symboltier des Osterfestes sind sie zurzeit allgegenwärtig. Doch manch einer begnügt sich mit ihnen nicht nur in Schokoladenform, sondern will einen lebendigen Mümmelmann fürs Osternest. Was danach mit dem Tier passieren soll, ist erstmal nebensächlich. Eine Erfahrung, aus der das Offenbacher Tierheim Konsequenzen gezogen hat. „Über Ostern vermitteln wir keine Kaninchen“, sagt Tierpflegerin Tamara Hirning.

Dabei ist gerade jetzt das Kleintierhaus komplett belegt. Bis auf drei leere Boxen, die stets für Fundtiere freigehalten werden müssen, wackelt hinter jedem Gitter ein zartes Näschen. In den zwei Laufgehegen hoppeln neun junge Kaninchen in Gruppen umher, viele davon Wurfgeschwister. „Wir haben im Kleintierhaus zurzeit 19 Kaninchen, vier Hamster, vier Wellensittiche, zwei Nymphensittiche und eine Schildkröte“, zählt Auszubildende Jennifer Hankel auf.

Dass ausgerechnet zur Osterzeit das Tierheim alljährlich eine Welle an Kaninchen verzeichnet, erklären die Mitarbeiterinnen mit den „Frühlingsgefühlen“ der Langohren: „Viele Menschen halten Männchen und Weibchen zusammen, ohne das zu wissen. Wenn das Weibchen trächtig wird, wissen sie nicht, wohin mit den Jungen, und bringen sie zu uns.“ Tierhandlungen würden oft gerade mal acht Wochen alte Jungtiere verkaufen, bei denen der Laie das Geschlecht kaum erkennen könne. „Es gibt aber auch Leute, die sich bewusst ein Pärchen zulegen, damit ihre Kinder mal einen Wurf erleben“, ärgert sich Hirning. „Danach geben sie die Verantwortung an uns ab.“ Auch Tiere, die als Weihnachtsgeschenke nach einigen Monaten ihren Reiz verloren haben oder als vermeintliche „Zwergkaninchen“ zu groß geworden sind, landen in den Osterferien im Tierheim.

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Auf die Einrichtung am Wetterpark kommen damit neben der Verantwortung nicht zu unterschätzende Kosten zu. Jedes Kaninchen wird tierärztlich untersucht, geimpft und kastriert. Die Vermittlungsgebühren betragen für Böckchen 45 Euro, für Weibchen 25. Die Tierschützer legen viel Wert darauf, die Mümmelnasen nur in artgerechte Haltung zu vermitteln. „Reine Käfighaltung geht gar nicht“, betont Hankel. „Wenn es doch ein Käfig sein muss, dann einer, in dem sich das Kaninchen aufstellen kann.“ Auslauf ist ein Muss – ebenso wie mindestens ein Gefährte, sind Kaninchen doch sehr soziale Tiere. Obwohl ihr putziges Aussehen und das weiche Fell Kinderherzen höher schlagen lassen, gibt die 23-Jährige zu bedenken: „Kaninchen sind nicht so die Kindertiere, sondern eher was zum Beobachten.“ Um sicher zu gehen, dass die Schützlinge ein gutes Zuhause gefunden haben, gibt es nach einigen Wochen Nachbesuche.

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„Die meisten Interessenten nehmen unsere Tipps dankbar an“, freuen sich die Tierheim-Mitarbeiterinnen, die mit der Osterzeit einige skurrile Anfragen verbinden. Einmal habe sich herausgestellt, dass die gewünschten Kaninchen zum Schlachten bestimmt seien. Immer wieder gab es Fälle, dass auf den letzten Drücker ein Ostergeschenk für Kinder gesucht wurde. „Es gab sogar Leute, die sich Kaninchen nur für Ostern ausleihen wollten“, erzählt Hirning kopfschüttelnd. Für die Tiere bedeute das nur unnötig Stress. Sie suchen ein gutes, neues Zuhause. Für das ganze Jahr.

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