Tierheimfest

Nicht jeder Interessent ist geeignet

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Neidische Blicke: Heißes vom Grill ist bei Mensch und Tier gleichermaßen beliebt.

Offenbach - Wie im Taubenschlag geht es am Sonntag zum Tag der Offenen Tür im Tierheim am Wetterpark zu. Der Tierschutzverein hat eingeladen. Am Ende erscheinen mehr als 1000 Besucher. Von Stefan Mangold 

Am Nachmittag singt die Offenbacherin Viviana Grisafi, die beim RTL-Format „Das Supertalent“ im vorigen Jahr Dritte wurde. „Die haben mit dem Wetter immer Glück“, vermutet Reinhard Chowanietz einen Pakt des Clubs mit Petrus. Der Vorsitzende des 1. Hessischen Polizei- und Schutzhundevereins Offenbach erscheint mit Ehefrau Renate, Vereinskollegen und den beiden Dobermann-Bordeauxdoggen-Mischlingen. Cäsar und Kleopatra dösen gerade in der Sonne. Die Zusammenarbeit der beiden Vereine ist eng.

Zahlreiche Helfer und Unterstützer haben für das heutige Fest Kuchen und Salate zubereitet. Der dreizehnjährige Steffen verkauft Brezeln, Hannah Müller mixt den derzeit angesagten Cocktail „Hugo“. „Wegen der Kinder aber ohne Umdrehungen“, sagt Jürgen Eichenauer, der Vorsitzende des Tierschutzvereins. Ein paar Meter weiter verbringt ein nicht ungefährlicher Vierbeiner der Rasse Presa Canario die Urlaubszeit seiner Eigentümerin im Hundezwinger. Für die meisten der dort untergebrachten Tiere sucht das Heim jedoch neue Besitzer. Falls der Hund tatsächlich der beste Freund des Menschen ist, gilt das umgekehrt nur bedingt. Wie sich bei manchen Eltern die Frage aufdrängt, warum sie Kinder wollten, erschließt sich mancher Wille, einen Hund zu halten, ebenso wenig von selbst.

So wurde das Ordnungsamt im Februar in einem Fall aufmerksam. Eine schmächtige Frau zog vergeblich an der Leine eines Dogge-Labrador-Mischlings. Die Steuermarke und das Tütchen fürs Häufchen fehlten. Der Wesenstest, der zeigt, ob ein Hund in hektischen Momenten Ruhe bewahrt, wurde nie absolviert. Gegenüber steht ein gutmütig wirkender Rottweiler. „Ein Listenhund“, erklärt Jürgen Eichenauer. Den Eigentümern war die Steuer zu hoch. Einen Test wollten sie auch nicht nachreichen. Stattdessen gaben sie das Tier ab. Wohl auch wegen des schlechten Images der Rasse wartet der Hund seit fast einem Jahr vergeblich auf ein neues Zuhause.

Aktion „Tierischer Sommer“: Bilder unserer Leser (Teil 1)

Aktion „Tierischer Sommer“: Bilder unserer Leser (Teil 1)

Generell geht es ums Vermitteln der Tiere, sagt Pflegerin Brigitte Kaiser, emphatische Katzenmutter des Tierheims. Sie spricht gerade mit dem Ehepaar Britta und Hans-Jörg Sebastian, denen vor Kurzem eine Katze zulief. Besonders die Tochter wäre traurig, wenn sich die Besitzer noch meldeten. Dennoch sucht die Familie mit Aushängen nach ihnen. „Irgendwo weint vielleicht ein Kind“, argumentiert Hans-Jörg, der trotzdem hofft, weiter erfolglos zu bleiben. Katzen des Heims werden kastriert. „Alles andere ist verantwortungslos“, betont Vize-Vorsitzender Andreas Franke.

Nicht jeder, der ein Tier will, bekommt im Heim eins. „Wir sehen uns die Leute genau an“, betont „Katzenmama“ Brigitte Kaiser. Nicht selten kontrolliere sie die häuslichen Verhältnisse. Manchmal komme jemand auch nach Wochen noch unangemeldet vorbei. Den zehnjährigen Kater, der ihr gerade schnurrend mit dem Kopf gegen die Hand stößt, gab Brigitte den Namen Prinz Charming. Obwohl sie zu den Katzen ein emotionales Verhältnis entwickelt, hofft sie auch bei einem wie ihm auf schnelle Vermittlung. Ihr Ratschlag für alle Katzenbesitzer: „Lassen Sie niemals ein Fenster gekippt!“

Aktion „Tierischer Sommer“: Bilder unserer Leser (Teil 2)

Aktion „Tierischer Sommer“: Bilder unserer Leser (Teil 2)

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