Tierische Mission für die 112

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Drahtschlinge und ein Transportkäfig sind wichtige Utensilien für die Tierretter Dr. Michael Eiblmaier (l.) und Michael Knauer. Das Kätzchen, das sich dieser Tage nicht freiwillig von einem Baum auf dem Friedhof rennte, wollte freilich nicht eingesperrt sein - kaum heruntergeholt, flitzte es davon.

Offenbach - Der Notruf geht ein, kurz darauf braust das Feuerwehrfahrzeug vom Gelände an der Rhönstraße. Es ist aber kein Brand, weswegen die Blauröcke mit ihrer Drehleiter ausrücken. Von Bettina Link

Die lässt sich bis in die luftige Höhe von 25 Metern ausfahren - mehr als genug, um die aktuelle Aufgabe auf dem Alten Friedhof zu erfüllen: In zwölf Metern Höhe sitzt, wie besorgte Offenbacher gemeldet haben, seit zwei Tagen ein Kätzchen, das sich nicht mehr herunter traut. Ein Fall für die Tierrettung der Offenbacher Berufsfeuerwehr.

Die war bis vor kurzem oft Familienangelegenheit: Gemeinsam haben Michael Knauer und sein Onkel Volker Knauer entfleuchte Papageien eingefangen, ausgebüxte Schlangen hinter dem Schrank hervor und gefährliche Hunde aus Wohnungen geholt.

„Jeder muss mal ran“

Seit Jahresende, mit 60, ist Feuerwehrmann Volker Knauer im Ruhestand. An die vielen tierischen Geschichten, die er in den vergangen 37 Jahren erlebt hat, wird er sich immer gern zurückerinnern. Neffe Michael, 48, wird auch weiterhin dabei sein, wenn technische Hilfeleistung bei Tieren notwendig wird. Aber nicht nur er, denn jeder, der bei der Feuerwehr ist, gehört auch gleichzeitig zur Tierrettung. „Jeder muss mal ran“, sagt Michael Knauer, „eine eigene Ausbildung gibt es nicht für diesen Aufgabenbereich, das lernen wir durch die Einsätze.“ Und das sind nicht wenige: 200 bis 300 Mal im Jahr ist die Feuerwehr in tierischer Mission unterwegs.

Nicht allen Kameraden fällt der Umgang mit gefährlichen Tieren so leicht wie Michael und Volker Knauer. „Einen aggressiven Hund einzufangen ist nicht jedermanns Sache, deswegen entscheiden wir immer erst vor dem Einsatz, wer ausrückt“, erzählt Volker Knauer, der sich an eine brenzlige Situation erinnert: „Als wir vor ein paar Jahren zu einem Hausbrand gefahren sind, wussten wir, dass uns dort ein gefährlicher Hund erwartet. Während die anderen auf dem Dach standen und mir von oben gute Ratschläge gegeben haben, stand ich dem zähnefletschenden Schäferhund gegenüber. Wäre es mir nicht auf Anhieb gelungen ihn mit der Drahtschlinge zu erwischen, hätte ich ganz schön alt ausgesehen.“

Auch für einen erfahrenen Reptilienfänger gibt es noch Überraschungen

Unentbehrlich ist Michael Knauer, wenn es um Reptilien geht. „Da lasse ich auch mal Freizeit Freizeit sein und springe trotzdem in die Uniform“, erzählt er. Auch bei ihm daheim wohnen einige Schlangen. Auch für den erfahrenen Reptilienfänger gibt es noch Überraschungen. So, als eine Offenbacherin anrief, die die Schlange ihres Mannes loswerden wollte - der Gatte hatte sich hinter schwedische Gardinen verabschieden müssen. Knauer erwartete das Übliche, eine anderthalb Meter große Schlange in einem Terrarium.

Doch er täuschte sich: „Der Tigerpython hatte ein ganzes Zimmer zur Verfügung und war dreieinhalb Meter lang und sehr dick. Auf der Autofahrt kam er dann auch noch aus der Kiste, die auf der Rückbank stand und kroch zu mir nach vorne.“ Knauer, der sich privat um Reptilien, Greifvögel und Fledermäuse kümmert, behält sicher gestellte Schlangen 14 Tage in seiner Obhut. Taucht der Besitzer nicht auf, vermittelt er sie weiter an geeignete Halter. Entlaufene oder ausgesetzte Haustiere hingegen kommen nach einer Übernachtung auf der Wache ins Tierheim an der Rheinstraße.

Nicht nur mit den Kriechtieren kennt sich Knauer aus. „Ich habe auch mal drei Tage einen Falken gesucht, der aus einer Falknerei entflogen war. Ich habe ihn schließlich auf dem Offenbacher Rathausdach erwischt, als er sich über eine Taube hermachte“, erinnert er sich.

Autounfälle mit Wildtieren

Oft werden Knauer und seine Kollegen auch zu Autounfällen mit Wildtieren gerufen. Sie bergen dann die verletzten oder toten Rehe und Wildschweine. Aber auch einer Entenfamilie, die sich verirrt hat, zeigen sie mal den Weg aus der Stadt. Vor allem aber hilft die Feuerwehr Hunden und Katzen aus heiklen Situationen.

„Wir haben auch schon eine Wand aufgestemmt, um eine Katze zu bergen, die in den Schornsteinschacht gefallen war und dann hinter der Badezimmerwand saß“, erinnert sich der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr, Dr. Michael Eiblmaier.

Tierrettung ist nicht kostenlos. Die meisten Besitzer zahlen die 58 Euro Gebühr gern. „Ein Haustier ist schließlich wie ein Familienmitglied“, weiß Eiblmaier.

Manchmal muss auch die Wehr unverrichteter Dinge abziehen. Aber nicht etwa bei gefährlichen Tieren - bei Katzen. „Wenn eine in einem Baum sitzt, an dem wir keine Leiter anstellen können, muss sie leider drauf bleiben. Aber irgendwann kommen sie immer von selbst runter“, weiß Michael Knauer. „Wir rücken aber immer aus und versuchen zu helfen“, versichert Eiblmaier. Das sei ein wichtiges Zeichen auch für die besorgten Besitzer, die die Feuerwehr riefen.

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