Arten- und Klimaschutz an der Rhönstraße im Einklang

Tierische Standortpflege

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Handwerker Norbert Brands bringt Nisthilfen für Mauersegler an der Immobilie an der Rhönstraße an. Die Vögel verbringen zwar nur die Sommermonate in diesen Breiten, weil sie aber wieder zu ihrem Standort zurückkehren, sind die Nester ganzjährig geschützt.

Offenbach - Wie Bauherren mögliche Konflikte zwischen Klimaschutz und Artenschutz lösen können, zeigt beispielhaft die Sanierung des Mehrfamilienhauses Rhönstraße 15. Von Matthias Dahmer

Als Anfang Juni dort das Gerüst stand, schrillten beim Umweltamt, zu dessen vornehmsten Aufgaben eigentlich der Appell zu energetischer Sanierung gehört, die Alarmglocken: War die Immobilie gegenüber dem Feuerwehrhaus doch als Nistplatz für den besonders geschützten und standorttreuen Mauersegler bekannt, werden bei Renovierungarbeiten doch meist unabsichtlich die Zugänge zu den Nestern verschlossen.

Gnadenlos lief das naturschutzrechtliche Procedere an: Stopp der Sanierung, Gutachten eines eigens engagierten Biologen, das zumindest erfreulich schnell nach zehn Tagen vorlag, Ausnahmegenehmigung für die Beseitigung der Nester nach Abzug der Vögel und Erlaubnis für den Ersatz der unterm Dach befindlichen Nisthilfen.

Unterbrechung der Bauarbeiten

Was die achtwöchige Unterbrechung der Bauarbeiten einschließlich Gutachten und acht neuen, pro Stück zirka 100 Euro teuren Nistkästen gekostet hat, mag Architekt Michael Poeschel gestern beim Ortstermin für die Presse nicht verraten. Das seien unter einem Prozent der Sanierungskosten gewesen, sagt er und will den finanziellen Aspekt nicht zu hoch hängen. Viel wichtiger sei doch, dass die geschützten Vögel bei ihre Rückkehr aus dem Süden im nächsten Sommer wieder ihre Nistgelegenheiten vorfänden.

Ob die gefiederten temporären Hausbewohner tatsächlich ihr runderneuertes Heim an der Rhönstraße 15 wieder annehmen, ist offen, räumt das Umweltamt ein. Aber wenn der Behörde, wie im vorliegenden Fall, Bauarbeiten an von Mauerseglern bewohnten Objekten durch Zufall bekannt würden, müsse sie handeln. Kooperationsunwilligkeit eines Bauherren, sagen Daniel Engelhard und Ingrid Sponsel vom Umweltamt, werde als Ordnungswidrigkeit eingestuft, es drohe eine Strafe von bis zu 10.000 Euro.

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Wie viele Mauersegler in welchen Gebäuden in Offenbach nisten, ist nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass dieser Abschnitt der Rhönstraße wohl gute Bedingungen für die Vögel bietet. So waren vor nicht allzu langer zeit am Turm der benachbarten Wehr zehn Nistkästen für die Felsenbrüter angebracht worden. Betroffene Bauherren können sich vom Umweltamt beraten lassen: 069/8065-3601 (Daniel Engelhard) oder umweltamt@offenbach.de.

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