Tipps für Hauptschüler

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Zwei angehenden Metallbauer lernen Metallaktivgas-Schweißen. Handwerk und Handel werben angesichts der rückläufigen Schulabgängerzahlen verstärkt um Lehrlinge. 350 Ausbildungsberufe können erlernt werden. „Generell haben Hauptschüler eine Chance in den Berufen, in denen die motorischen Fähigkeiten eher im Vordergrund stehen“, sagt Christina Konzelmann von der IHK. Das treffe auf etwa zwei Drittel der Berufe zu.

Offenbach ‐ Seit sieben Jahren betreuen Paten Hauptschüler und unterstützen sie beim Einstieg in das Berufsleben. Gemeinsam mit der IHK lud das Patenschaftsmodell nun zum Hauptschultag. Von Katharina Skalli

Unter dem Motto „Fit für die Bewerbung“ versorgten gestern 15 Berater der Deutschen Bank 40 Schüler mit Tipps und Tricks. Geladen hatten das Patenschaftsmodell in Kooperation mit der Deutschen Bank, dem Goinger Kreis und die IHK.

Klaus-Steffen Bickel hat bereits 15 junge Menschen betreut. Sie alle haben eine Ausbildung begonnen. Die Erfolgsquote liege bei 40 Prozent, berichtet Projektleiterin Anja Harzke von der Evangelischen Kirche. „Das Geheimnis liegt in dem 1-zu-1-Konzept.“ Sie freut sich über jedes vermittelte Patenkind. „Jeder einzelne ist es wert.“

Pate Bickel gibt jedoch zu bedenken, dass nur die Schüler einen Paten bekommen und an dem Aktionstag teilnehmen dürfen, die motiviert sind. Sie werden von ihren Lehrern vorgeschlagen. „Sonst hat es keinen Sinn.“

95 Prozent der Teilnehmer haben Migrationshintergrund

Dass die richtigen Jungen und Mädchen ausgewählt wurden, können die 15 ehrenamtlichen Berater der Deutschen Bank bestätigen: „Die Schüler waren sehr gut vorbereitet“, sagt Guido Rünger.

95 Prozent der Teilnehmer haben einen Migrationshintergrund. Zwei Drittel von ihnen sind Mädchen. Junge Frauen, die schon mit 15 ganz gut wissen, was mal aus ihnen werden soll. Duygu Celik denkt noch nicht an einen Beruf. Sie will weiter zur Schule gehen.

Jetzt weiß sie auch, wie sie sich kleiden sollte, wie man ein Bewerbungsanschreiben formuliert und ein Telefoninterview führt.

Christina Konzelmann von der IHK hat ebenfalls Grund, den Schülern Mut zu machen. Der aktuelle Ausbildungsmarkt sei gut, sagt sie. Die IHK verzeichne einen Zuwachs zum Vorjahr von elf Prozent. „Die Betriebe wollen ausbilden, oft fehlen ihnen jedoch geeignete Bewerber“, sagt die Referentin.

Dass dies nicht nur an fehlerhaften Bewerbungen, sondern vor allem an mangelnder Qualifikation der Hauptschüler liegt, kann sie nicht bestreiten. Deswegen bietet das Patenschaftsmodell auch Nachhilfe an.

Die Lehrer der drei teilnehmenden Schulen sind dankbar. „Diese direkte Beziehung zwischen Pate und Schüler ist nicht zu ersetzen“, sagt Karin Gallasch von der Mathildenschule. Das Wissen der Personalfachleute sei unersetzbar.

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