Tobias Dondelinger von den Grünen im Porträt

Gleiche Chancen verschaffen

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Tobias Dondelinger

Offenbach - Junge Leute interessieren sich nicht für Kommunalpolitik? Wir treffen uns mit Nachwuchspolitikern, die auf den Listen für die Kommunalwahl zu finden sind. Wir fragen sie, was ihnen wichtig ist und wie sie ihre Generation erreichen möchten. Von Julia Radgen 

Im zweiten Teil unserer Serie: Tobias Dondelinger von Bündnis 90/Die Grünen. „Spätestens mit 30 wollte ich Mitglied in einer Partei sein“, sagt Tobias Dondelinger. Als sein Geburtstag nahte, ging der heute 33-Jährige ganz strategisch vor und verglich die fünf Optionen, die für ihn in Frage kamen. Überzeugt haben ihn schließlich die Offenbacher Grünen. „Ich habe eine Partei gesucht, bei der ich etwas bewirken kann“, sagt der Sohn eines langjährigen CDU-Kommunalpolitikers aus der Eifel. Die Grünen in Offenbach, findet Dondelinger, sind offen für neue Ideen. Das ist ihm wichtig: „Sonst wäre ich nicht dabei.“ Er ist nun mit dem vierten Platz auf der Kandidatenliste sogar ziemlich gut dabei. Doch was die Altersstruktur anbelangt, sind auch bei den Grünen die Jüngeren in der Unterzahl.

Liegt das daran, weil es vielleicht doch nicht so einfach ist, als Neuling etwas in der Kommunalpolitik zu bewirken? „Die alte Riege will die Früchte ihrer Arbeit ernten“, meint Dondelinger. Doch die alteingesessenen Parteimitglieder seien froh, wenn sich Jüngere bei ihnen engagierten. „Die wissen auch, wenn sie nicht aufpassen, dann rückt irgendwann keiner mehr nach.“ Bei den Offenbacher Grünen ist Dondelinger mittlerweile als Beisitzer im Vorstand aktiv. Bemerkbar macht sich die Position aber kaum. „Wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam.“

„Man muss in der Lokalpolitik etwas aufbauen, das erfordert viel Kraft und Energie“, meint Dondelinger. Das könne junge Leute schon vom Ehrenamt abschrecken. Auch scheint das Bild von dem in seinem Wahlbezirk verwurzelten Kommunalpolitiker weit entfernt von der Realität heutiger junger Erwachsener zu sein: Unterschiedliche Studienabschlüsse und berufliche Veränderungen führen zu Wohnortwechseln. Das geht vielleicht erst, wenn man „angekommen“ ist, mutmaßt er. Bei Dondelinger selbst laufen Ehrenamt und Arbeit in dieselbe Richtung: Im Hauptberuf ist er als Wahlkreismitarbeiter für den grünen Bundestagsabgeordneten Wolfgang Strengmann-Kuhn beschäftigt. „Natürlich gibt es eine klare Trennung, aber ich profitiere auch von dem Wissen“, sagt Dondelinger.

Alles zur Kommunalpolitik in Offenbach

Die Stadt und ihre Menschen sind es, für die sich Dondelinger einsetzt. „Ich will, dass Offenbach eine Stadt für alle ist.“ Sozialpolitik ist so sein Steckenpferd. Seit fünf Jahren lebt er in Offenbach, kam aus seinem Studienort Trier. „Ich bin gut angekommen und fühle mich wohl“, sagt er. Offenbach sei nicht „geschniegelt“ wie das benachbarte Frankfurt, sondern echt. Das gefalle ihm. Als „Stadt für alle“ müsse Offenbach diejenigen Bürger fördern, denen es materiell nicht so gut gehe, Hemmnisse aus dem Weg räumen, fordert er. Das scheitere oft an der Finanzierung. „Noch so gute soziale Ideen nützen nichts, wenn für sie kein Geld im Haushalt verankert ist“, sagt der Grüne.

Chancengleichheit ist Dondelinger wichtig. In der Stadt werde in dieser Hinsicht schon viel getan, findet der 33-Jährige. Aber es sei noch mehr möglich. „Wir müssen Möglichkeiten für junge Menschen schaffen, die auf dem klassischen Bildungsweg auf der Strecke geblieben sind“, benennt er seine Priorität. Speziell für junge Offenbacher fehlt ihm eine bessere Infrastruktur, auch ein offenes Kulturprojekt in der Stadt befürwortet er.

Die jüngeren Stimmberechtigten fühlten sich momentan oft nicht ausreichend von den Parteien repräsentiert, glaubt Dondelinger. „Wir haben nicht im Blick, was den jungen Leuten wichtig ist“, kritisiert er. Es sei schwierig, als Partei an diese Zielgruppe heranzutreten. „Uns fehlen da auch die Integrationsfiguren“, bedauert Dondelinger. Mit einer allgemeinen Politikverdrossenheit der Jüngeren will er sich nicht abfinden. „Wir arbeiten daran, beispielsweise durch Projekte für Erstwähler.“ Dabei glaubt der Grüne: „Viele unserer Themen wie Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit sind interessant für die Jungen.“ Nur an der Vermittlung hapere es.

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