Illustrator lebt in Offenbach

Erstes Comicbuch von Joachim Brandenberg

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Joachim Brandenberg

Offenbach - Als Entdeckung in der Comic-Szene stellt der Berliner Jaja Verlag seinen Autor Joachim Brandenberg vor. Mit „Tobisch“ hat der in Offenbach lebende Schwabe gerade sein erstes Buch als aufwendig gestaltetes Hardcover veröffentlicht. Von Detlef Kinsler 

Mit Comic assoziieren die meisten ganz automatisch „Micky Maus“, „Asterix“ und „Lucky Luke“. Brandenberg sieht sich aber nicht als Zeichner. Er hat Kommunikationsdesign an der FH in Wiesbaden studiert, mit „Der Jäger und der Bär“ 2007 sein Trickfilmdebüt realisiert und arbeitet seit über zehn Jahren als freier Designer und Illustrator.

„Die Definition eines Comics ist eigentlich einfach: Es sind im Grunde Bildergeschichten mit der gestalterischen Konstante der Panels. So heißen die Kästchen, wo das einzelne Bild drin ist und dann vielleicht noch die Sprechblase“, versucht sich Brandenberg an einer Annäherung. „Aber selbst da ist es erlaubt auszubrechen. Es gibt Comics ohne Text und welche mit ganzseitigen Bildern. Es darf sich alles Comic nennen, weil es eine weit gefasste Definition ist.“

Sein „Tobisch“ erinnert vom Cover her an ein klassisches Bilderbuch. Zwischen den Buchdeckeln finden sich auch fotorealistische Motive und Collagetechniken. Man merkt an den unterschiedlichen Darstellungsformen, dass sich hier einer erklärtermaßen „austoben“ wollte. „Ich habe viel experimentiert und nach Darstellungsformen gesucht, die mir gefallen und von denen ich denke, dass sie mir liegen“, erzählt Brandenberg.

Lustige Geschichten und schrullige Charaktere

Graphic Novel ist der Begriff, der bei seinem „Tobisch“ noch besser passt. Denn er ist eine (wenn auch freie) Literaturadaption, bezieht sich auf „Tobin’s Palm“ von US-Schriftsteller William Sydney Porter, der unter seinem Pseudonym O. Henry äußerst erfolgreiche Kurzgeschichten schrieb. „Ich war 2009 in den USA, und auf der Hälfte der Strecke ist mir der Lesestoff ausgegangen“, erinnert sich Brandenberg. „In einer Bahnhofsbuchhandlung habe ich eine Sammlung von O. Henry gefunden. Mit lustigen Geschichten und schrulligen Charakteren mit interessanten Biografien.“

Der Ire aus dem Original wird in Brandenbergs Lesart zum Bayern, der als Auswanderer in New York zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine nachgereiste Verlobte Kati sucht, ohne des Englischen mächtig zu sein. Skurrile Situationen ergeben sich fast zwangsläufig. „Tobisch versteht nicht, dass er eine andere Sprache sprechen müsste. Mehr noch: Er kapiert gar nicht das Konzept hinter einer Fremdsprache. Er wundert sich einfach nur, warum alle so komisch reden.“

In das Milieu eintauchen

Um noch besser in die fremde Zeit und das Milieu eintauchen zu können, hat Brandenberg als Musik-affiner Mensch acht Lieder ins Netz gestellt (den Link dahin findet man im Buch), Originalaufnahmen aus den 1900er Jahren. „Ursprünglich hatte ich mal einen Kurzfilm geplant und dazu passende Musik zusammengestellt“, erklärt das Multitalent. „Über hundert Jahre alte Musik auszugraben war wie eine Schatzsuche.“

Ein Song illustriert etwa eine Kneipenszene, „wo ein Barpianist einen Gassenhauer runtersingt“. Und „Lollypops“ ist wie geschaffen für eine Szene im Vergnügungspark von Coney Island. Diese Musik im Kopf, entdeckt man in Brandenbergs kunstvollen Bildern prompt vermeintliche Zitate von Plattencover-Klassikern à la „Sgt. Peppers“ von den Beatles oder Led Zeppelins „Physical Graffiti“ mit seiner auffälligen Fassaden-Symmetrie. „Das Cover hat mir immer schon gut gefallen. Die Hausansicht ist wie ein Wimmelbild, hinter jedem Fenster passiert etwas“, schwärmt Brandenberg. Klar, dass so was inspiriert.

Joachim Brandenberg: „Tobisch“, 108 Seiten, Jaja Verlag, 23 Euro

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