Töchter in den Griff bekommen

Stadtwerke mit Plus von 4,4 Millionen Euro 

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Die Ladenzeile unter der Haupttribüne ist komplett vermietet. Das Stadion gehört zu den erfolgreichen Projekten der SOH.

Offenbach - Nachdem Ende 2010 noch ein sattes Minus von 6,4 Millionen Euro in der Bilanz stand, hat die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH), die als zentraler kommunaler Diensleister 14 städtische Gesellschaften unter ihrem Dach vereint, das Jahr 2011 mit einem Überschuss von 4,4 Millionen Euro abgeschlossen. Von Matthias Dahmer

SOH-Chef Peter Walther sieht sich in seinem Konsolidierungskurs bestätigt.

Es ist ein Ergebnis, das Walther zwar zufrieden macht, ihn aber nicht gänzlich unbeschwert in die Zukunft blicken lässt. Die Haushaltslage der Stadt, mit der man eng verwoben ist, die langfristige Ertragslage der Energieversorgung Offenbach (EVO) sowie die Finanzierung des städtischen Nahverkehrs zählen zu den Sorgenkindern. Restrukturierungsbedarf sieht Walther zudem bei den Tochterunternehmen, es sind neun an der Zahl, die sich mit Immobilienmanagement und Standortentwicklung beschäftigen. Er schließt nicht aus, dass einige dieser Gesellschaften aufgelöst werden.

Vor allem ESO zu Gewinn beigetragen

„Die 4,4 Millionen plus sind gut für uns“, formuliert Walther gestern bei Vorstellung der Jahresbilanz 2011. Sie seien aber auch die Spitze dessen, was man in den nächsten Jahren erwirtschaften könne. Wesentlich zum Überschuss beigetragen haben der ESO mit einem Gewinn von 1,5 Millionen, die Gemeinnützige Baugesellschaft (GBO) mit 2,7 Millionen sowie Grundstücksverkäufe im Baugebiet An den Eichen (2,35 Millionen für knapp 6 000 Quadratmeter) und im Hafen, wo die Frankfurter ABG Holding GmbH für 7000 Quadratmeter 4,9 Millionen Euro überwiesen hat. Im Jahr zuvor hatte die Sanierung im entstehenden Stadtteil wesentlich dazu beigetragen die SOH-Bilanz zu trüben.

Jetzt sei man im Hafen auf Kurs, sagt Walther. Für den zweiten Bauabschnitt laufe das Bieter-Verfahren. In die Entwicklung der Infrastruktur im Hafen und die Sanierung der Altlasten steckt die SOH-Tochter Mainviertel GmbH bis 2020 insgesamt 80 Millionen Euro. Dem stehen erwartete Einnahmen von 78 Millionen gegenüber, wobei in diesem Betrag auch der Erlös aus dem Verkauf des Grundstücks für die neue Hafenschule enthalten ist.

Freude bereitet Walther die Vermietung der Ladenzeile unter der Haupttribüne des neuen Kickersstadions. Alle Läden seien zu einem überdurchschnittlichen Preis vermietet worden. „Beim Stadion läuft es wie am Schnürchen“, so der Geschäftsführer. Dazu gehört ein neuer Internetauftritt, der nun nicht mehr die Bauarbeiten, sondern Veranstaltungen und ähnliches in den Mittelpunkt rücke. Es dürfe durchaus die Frage gestellt werden, wann das erste große Konzert im neuen Stadion stattfinde, so Walther.

Fast sechs Millionen Euro Minus bei OVB

Kopfzerbrechen bereiten ihm dagegen die Offenbacher Verkehrsbetriebe, die 2011 ein Minus von fast sechs Millionen Euro erwirtschaftet haben. Befürchtet wird, dass der Rhein-Main-Verkehrsverbund mit dem für Ende des Jahres erwarteten neuen Nahverkehrsplan die Einnahmen zu Lasten der OVB und zu Gunsten des Regionalverkehrs neu aufteilt. „Es stellt sich die große Frage, wie der Nahverkehr in Offenbach dann zu finanzieren sein wird“, sagt Walther. Zumal für das Hafenviertel eine Bus-Anbindung geschaffen werden müsse, die mit einer halben Million Euro die OVB-Bilanz belaste. Es sei letztlich eine politische Frage, wie damit umgegangen werde.

Oberbürgermeister Horst Schneider, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der SOH GmbH ist und Peter Walther ausdrücklich bescheinigte, einen „sehr guten Job“ zu machen, hält Leistungseinschränkungen an anderer Stelle beim ÖPNV in Offenbach für unumgänglich. Von der Streichung kompletter Buslinien, der Ausdünnung des Angebots in den Randzeiten bis hin zu einer anderen Taktung sei vieles denkbar, ergänzt Walther.

Durchforsten will der SOH-Chef die Unternehmen des Konzerns, die sich mit Immobilienmanagement und Standortentwicklung befassen. So müsse beispielsweise überprüft werden, ob ein Unternehmen wie die Sport- und Freizeit GmbH, die sich in erster Linie mit dem Bau des nun fertiggestellten Sportzentrums Wiener Ring befasst habe, noch in dieser Form weiterbetrieben werden könne. Hinzu komme, dass die Stadt Offenbach aufgrund der schlechten Haushaltslage weniger Projekte an die SOH vergeben könne. „Wir können nicht Personal vorhalten, das wir nicht brauchen“, sagt Horst Schneider, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass zum Beispiel eine Fachkraft der Stadttochter EEG mittlerweile bei der unterbesetzten Bauaufsicht im Rathaus aushilft.

Weniger Investitionen als 2010

Die Ertragslage der SOH wird stark von den Gewinnen der EVO beeinflusst. 2011 hat sich das Jahresergebnis des Energieversorgers auf 17,4 Millionen gegenüber 22,4 Millionen im Vorjahr verringert. Erst eine Entnahme aus den Gewinnrücklagen von 2,9 Millionen Euro ließ die Jahresbilanz wieder wachsen. Die EVO-Spitze, so Walther, habe prognostiziert, dass der Gewinn die nächsten fünf Jahre stabil bleibe.

Die von der SOH getätigten Investitionen liegen mit 13 Millionen Euro um fünf Millionen unter denen des Vorjahrs. Es sei schwieriger geworden, günstige Kredite aufzunehmen, weil die dafür erforderlichen Kommunalbürgschaften für Offenbach im Jahr 2011 ein „knappes Gut“ geworden seien, so Walther. Dadurch, dass die flüssigen Mittel aller Konzerntöchter mittlerweile alle in einem Topf landeten, könne man aber auf den einen oder anderen Kredit verzichten.

Die Zahl der Mitarbeiter bei der Stadtwerke-Holding stieg 2011 im Vergleich zum Vorjahr von 848 auf 869, die der Azubis von 41 auf 47.

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