Nach tödlichem Roller-Unfall

Trauer, Wut und Verzweiflung

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Auch gestern hielten viele Trauernde Mahnwache an der Unglücksstelle auf der Offenbacher Straße, legten Blumen und Kränze nieder, während der Straßenverkehr wie eh und je am Geschehen vorbeiraste.

Offenbach - Angehörige, Freunde, Schüler, Anwohner, Arbeitskollegen der Eltern – ganz Bürgel trauert und mit ihnen die Stadt. Der tödliche Unfall eines 17-jährigen Rollerfahrers aus Bürgel am späten Sonntagabend hat alle, die den jungen Mann kannten, in Schock versetzt. Von Fabian El Cheikh

„Wir sind total erschüttert“, sagte gestern eine Freundin des Schülers, den vermutlich ein flüchtiger Pizzafahrer bei einem missglückten Überholmanöver von der Fahrbahn gedrängt hatte. Der Jugendliche war daraufhin von seinem Leichtkraftrad gestürzt und wenig später seinen tödlichen Verletzungen erlegen.

Bereits am Montag nahmen unzählige Menschen an der Unglücksstelle auf der Offenbacher Straße in Höhe des früheren Chemiewerks Allessa Abschied von dem 17-Jährigen, legten Blumenkränze und Kerzen nieder. Auch gestern kamen immer wieder Menschen vorbei, die nachdenklich innehielten, weinten, aber auch ihrer Wut auf den Unglücksfahrer Ausdruck verliehen. Dabei kam es auch zu einem kleinen Verkehrsunfall mit Blechschaden. Die trauernden Jugendlichen regelten kurzerhand selbst den Verkehr und leiteten andere Autofahrer an der Unfallstelle vorbei.

Bilder von der Unfallstelle

Rollerfahrer (17) stirbt bei Überholmanöver

Die Polizei konnte den Verursacher des tödlichen Unfalls auch nach intensiven Ermittlungen bislang nicht ausfindig machen, weshalb sie noch einmal die Bevölkerung um Unterstützung bittet. Wer hat gegen 21.25 Uhr etwas auf der Offenbacher Straße in Richtung Bürgel beobachtet? Und welcher Bürgeler oder Rumpenheimer Mitbürger hat in diesem Zeitraum Pizza oder Pasta mit Lieferung bestellt? Die beauftragte Pizzeria muss sich nicht unbedingt im Offenbacher Stadtgebiet befinden, sondern kann auch in Frankfurt oder Mühlheim angesiedelt sein. Hinweise umgehend der Offenbacher Polizei, Tel.: 069/8098-1234, oder der Unfallfluchtermittlung, Tel.: 06183/911-550, melden.

Während die Suche nach dem Unfallbeteiligten weitergeht, stellen sich Anwohner die Frage, warum die Stadt bisher nichts gegen die Geschwindigkeitsübertretungen in diesem Abschnitt unternommen hat. Einer der Anwohner, Stephan Rossius, beklagte gestern gegenüber unserer Zeitung, dass zwischen Mainstraße und Bürgel tagtäglich Auto- wie Radfahrer durchrasten. „Ich habe mehrfach die Stadt erfolglos angeschrieben und gefragt: ,Muss erst wieder jemand sterben bis etwas geschieht?’“

Die gefährliche „Schikane“

Die gefährliche „Schikane“, die Rechts-Links-Kurve in Höhe des Chemiewerks, müsse entschärft werden – Rossius fordert bauliche Verengungen oder aber eine stationäre Geschwindigkeitskontrolle: „Damit wäre die Sache geregelt. So gibt hier jeder Gas, der sich zuvor in Bürgel durch die Tempo-30-Zone gequält hat und vielleicht noch einen Bus vor sich hatte oder wer umgekehrt den Staus auf der Mainstraße entkommen ist und nun meint, endlich schneller vorankommen zu können. Besonders nachts.“

Als Unfallschwerpunkt ist die Offenbacher Straße der Verkehrspolizei bislang nicht bekannt. „Massive Beschwerden von Anwohnern gibt es nicht“, sagt Ordnungsamtsleiter Peter Weigand. Deshalb gebe es dort keinen Kontrollschwerpunkt. „Nachts ist es in erster Linie Aufgabe der Landespolizei, Geschwindigkeiten zu überwachen.“

Verkehrsunglück an derselben Stelle

Gleichwohl ist es bereits vor einigen Jahren zu einem tragischen Verkehrsunglück an derselben Stelle gekommen, als drei Jugendliche mit ihrem Auto in die Deichmauer krachten und ums Leben kamen. Noch heute erinnern Grablichter daran.

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Nach zwei tödlichen Unfällen will das Stadtplanungsamt reagieren: „Der neuerliche Unfall wird sicherlich im Arbeitskreis Verkehrslenkung angesprochen werden, an dem Polizei, Feuerwehr, Straßenverkehrsbehörde und Verkehrsplanung beteiligt sind“, kündigt Susanne Schöllkopf, Leiterin des Stadtplanungsamts, an. Sie weist darauf hin, dass an der Stelle Überholen verboten ist, sichtbar an der durchgezogenen Mittellinie. „Verbotsschilder dürfen wir innerorts nicht aufstellen, auch wenn die Straße durchaus außerörtlichen Charakter hat und deshalb zum Schnellfahren animiert.“

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