Richter bestätigen Urteil

Tödlicher Unfall: Gericht spricht Verursacherin frei

Offenbach – Ein mehr als fünf Jahre zurück liegender Motorradunfall ist in zweiter Instanz vor dem Landgericht Darmstadt verhandelt worden. Von Silke Gelhausen

Die Staatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt, weil die 37-jährige Unfallverursacherin vor dem Amtsgericht Offenbach freigesprochen worden war. Der Vorsitzende Richter der siebten Strafkammer, Dr. Karsten Markert, bestätigte jedoch das ursprüngliche Urteil.

Der Vorwurf: Jasmin V. habe am 22. September 2013 beim Linksabbiegen nicht in erforderlichem Maß auf den Gegenverkehr geachtet. Ein 19-jähriger Kraftradfahrer kollidierte mit der Beifahrerseite ihres Ford Fiestas und verstarb noch am Unfallort an inneren Blutungen.

Staatsanwältin Carolin Abahuni fordert eine Geldstrafe von 2000 Euro, ein Jahr Bewährung und 300 Euro Bewährungsauflage an die Verkehrswacht. Nach einer umfangreichen neuen Beweisaufnahme mit acht Zeugen, einem Sachverständigen und den Eltern als Nebenkläger kam Richter Markert allerdings zu einer anderen Bewertung, die das Urteil aus erster Instanz bestätigte.

Die Unfallnacht: Es ist 23.30 Uhr, das Nordend liegt im Halbdunkel. V. fährt mit ihrem 42-jährigen Freund durch Offenbach, will vom Nordring auf die Lilistraße abbiegen und hält an, um Fußgängern den Vortritt zu gewähren. In rund 80 Metern Entfernung sieht sie zwei Scheinwerfer leuchten – bei erlaubtem Tempo 50 gerade noch genug Abstand, um gefahrenfrei abbiegen zu können. Den Motorradfahrer, der mit 85 km/h auf sie zurast und dabei noch ein Auto überholt, nimmt sie dagegen nicht wahr. Der junge Offenbacher bremst eine acht Meter lange Spur auf den Asphalt, stürzt und kracht samt Zweirad in den Fiesta. Beide Autoinsassen bleiben unverletzt, das Fahrzeug hat einen Totalschaden.

„Wäre das Krad mit Tempo 50 an die Kreuzung heran gefahren, wäre der Unfall sehr wahrscheinlich nicht passiert, selbst bei Tempo 70 hätte es noch um Haaresbreite reichen können.“ erläutert der Sachverständige aus Mainz. Es sei auch technisch denkbar, dass der Motorradfahrer den vorherigen Überholvorgang erst nach Beginn ihres Abbiegevorgangs getätigt hat – somit hätte V. den 19-Jährigen vorher gar nicht sehen können. Diese wichtige Zeugin, die Fahrerin des überholten Autos, ist jedoch unbekannt geblieben. Die Frau hatte zwar an der Unfallstelle angehalten und gesagt, der Kradfahrer habe sie mit einem Affenzahn überholt, war dann aber weiter gefahren, bevor die Polizei ihre Personalien aufnehmen konnte.

Was nach einem Autounfall zu tun ist

Aber hätte die Fiesta-Fahrerin das Krad nicht hören müssen? „Anhand der Lautstärke eines Motorrads dessen Entfernung einzuschätzen ist nahezu unmöglich. Was wir wissen, ist, dass er das Licht an hatte. Wäre er also schon im Überholvorgang gewesen, hätte V. sogar drei Scheinwerfer sehen müssen“, so der Verkehrsgutachter.

„Die Angeklagte ist bestraft genug.“ argumentiert Verteidiger Martin Bollert in seinem Plädoyer. Jasmin V. kann auch nach fünf Jahren die Tränen nicht zurück halten: „Ich wünschte, er würde noch leben.“

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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