Tolles Flair im Schlossgarten

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Mischten das Publikum im Rumpenheimer Schlosspark mächtig und prächtig auf: Die Mabo-Band aus Italien.

Offenbach - Rumpenheim Sie necken und sie rangeln sich, sie tragen einander auf Händen und jagen sich gegenseitig über die Bühne: Régis und Ingrid spielen Szenen einer Partnerschaft, einen „Pas de Deux“. Von Dennis Düttmann

 Der chinesische Mast und das Vertikaltuch dienen den belgischen Artisten als Schlachtfeld für einen ambivalenten Schlagabtausch - das Paar pendelt zwischen Harmonie und Konfrontation, zwischen entspanntem Miteinander und gehetztem Kampf. Er stampft rhythmisch auf die Bühne und dirigiert so den Applaus des Publikums, während sie sich an dem wallenden weißen Stofftuch empor hangelt und vor dem schwelenden Konflikt in einen schützenden Kokon flieht.

Die „Compagnie du Mirador“ gehört zu den Größen der europäischen Straßentheaterszene, ihr Programm „Isseó“ begeistert bereits in Spanien, Italien und den Niederlanden. Der Verein Rumpenheim Kultur (RUK) hat das Ensemble nun nach Offenbach geholt - gemeinsam mit weiteren Künstlern aus fünf Ländern feiern sie das zehnjährige Bestehen der Initiative. Für einen Tag wird der Schlosspark zum verwunschenen Märchenwald, in dem Träume wahr werden und Wünsche sich in Rauch auflösen, wo Erwachsene wieder zu Kindern werden und die Kleinen plötzlich groß sind. Schauspieler und Musiker, Gaukler und Fantasten malen poetische Bilder in die romantische Landschaft - flüchtig wie ein Windhauch, Schwindel erregend, entrückt.

Straßentheater hat es in dieser Form bisher in Offenbach noch nicht gegeben“, sagt RUK-Vorsitzender Stefan Adloff. „Wir wollen unseren Gästen Kultur bieten, die keine Grenzen hat, die zugänglich für alle ist.“ Hartmut Nawin-Borgwald betreibt eine Künstleragentur und hat bereits für die Stadt Ludwigshafen ein Straßentheater-Festival organisiert: „Wir bewegen uns hier im Grenzbereich zwischen darstellender und bildender Kunst und werden so den verschiedenen Strömungen innerhalb des Vereins gerecht.“

Der Schweizer Georg Traber errichtet aus Holzstangen und Seilen einen fragilen Turm, er strebt dem Himmel entgegen und bleibt dabei bodenständig. Inka Arlt erzählt frivole Geschichten, sobald ihr eine Münze in den üppigen Kunst-Busen gesteckt wird. Sie überrascht das Publikum mit Pop-up-Bildern des legendären Moulin-Rouge und streckt den konsternierten Zuschauern schwellende Phallus-Symbole entgegen. Völlig kindgerecht hingegen fesselt der lebende Brunnen die jungen Gäste - Stille und poetische Leichtigkeit prägen sein zartes Spiel. Das Plätschern des Wassers verzaubert die Sinne und die Fantasie schwebt frei wie die Seifenblasen, die er behutsam in die Parklandschaft bläst.

Bartel Meyer, der Mann hinter der silbergrauen Fassade des Monuments, ist von dem Festival begeistert. Der Berliner kommt viel herum, verdient sein Geld in Italien und Frankreich, den USA und Australien. „Die Atmosphäre hier ist großartig und das Publikum lässt sich auf das Spiel ein“, sagt er. Für Aha-Erlebnisse sorgt Lieselotte Motte mit einem Konzert für zugehaltene Ohren. Wie bitte? Ja, das geht - mit ein wenig physikalischen Grundkenntnissen. Zwei Fäden von der Wäscheleine in jede Hand, um die Finger gewickelt, angespannt und in die Ohren. Und so erzeugt Lieselotte mit einem Satz Steckschlüssel auf wundersame Weise eine bekannte Melodie - ganz ohne Lärm...

Den machen dafür vier Italiener - im positiven Sinne. Mit Alt-Saxophon, Posaune, Tenor-Saxophon und Bass-Saxophon blasen sie Gästen gehörig den Marsch, mischen das mit einer Art Walking-Act - virtuos, temperamentvoll, spontan; es ist zweifellos ein flotter Vierer vom Apennin.

Als sich Dunkelheit über den Park legt, kommt auf der Bühne Leben auf. „Les Fils de Teuhpu“ aus Marseille komponieren aus arabischen und osteuropäischen Rhythmen, südamerikanischen Einflüssen und einer französischen Grundmelodie eine interkontinentale Liebesbeziehung, die Ska-Truppe „La Ghenga“ aus Pisa bringt den Groove in den Schlosspark. Barfuß tanzen die Gäste in die Nacht. Sie verlieren sich in der Musik und machen das Ganze zum wahren „RUK-Stock“, ganz ohne Schlamm und nahezu ohne Rauschmittel.

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