Konzert der Glocken in St. Marien

17 Tonnen schönster Wohlklang

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St. Mariens Glocken haben alle Kriege überlebt. Das macht das Glockenensemble im Kirchturm zu etwas Besonderem.

Offenbach ‐ Mächtig und erhaben tönt die Annuntiata über den Mathildenplatz. Mit einem tiefen Gis erbittet die über sechs Tonnen schwere Glocke den Segen für Stadt und Land. Während am ersten Weihnachtsfeiertag auf der Berliner Straße beständig der Verkehr fließt, steht vor der Kirche Sankt Marien für eine Stunde die Zeit still. Von Denis Düttmann

Das schwerste und tontiefste Geläut im Bistum Mainz zeigt, was in ihm steckt. Insgesamt bringen die acht Glocken im Kirchturm über 17 Tonnen auf die Waage, die Leichteste wiegt 550 Kilo, die Schwerste über 6.000. „Wir haben einen Weihnachtsspaziergang gemacht und das hier ist der Abschluss“, sagt eine Besucherin. „Das Geläut soll ja das schönste im ganzen Bistum sein.“ Rund 20 Zuhörer haben sich auf dem Platz vor der Marienkirche versammelt, um das besondere musikalische Ereignis mitzuerleben. „Das Läuten der Kirchenglocken bekommt man sonst nur so nebenbei mit. Heute kann man mal ganz bewusst zuhören“, sagt ein anderer Besucher.

Geläut der Marienkirche hat lange Geschichte

Bereits zum 22. Mal erklingt am ersten Weihnachtsfeiertag das Konzert der Glocken, virtuos spielen die Wandlungsglocke und die Josefglocke, Maria Regina und Memoria zusammen. „Felix Kaiser und ich schreiben jedes Jahr eine neue Komposition“, sagt Pfarrer Hans Blamm. Zwar werden die schweren Instrumente mit einem Motor angetrieben, doch die Steuerung erfolgt per Hand.

Das Geläut der Marienkirche blickt bereits auf eine lange Geschichte zurück. Der Frankentaler Glockengießer Karl Hamm goss 1913 das vierstimmige Hauptgeläut sowie eine Wandlungsglocke für die neu erbaute Marienkirche. Bereits im ersten Weltkrieg musste die Wandlungsglocke abgeliefert werden, im zweiten wurden die drei großen Glocken zu Kriegszwecken eingezogen. Nach Kriegsende kamen sie jedoch unversehrt zurück, so dass die Marienkirche bis heute ein historisches Glockenensemble aus einem Guss zu Gehör bringen kann.

Wer das große Geläut am Freitag verpasst hat, kann sich Videos der Glocken im Internet anschauen und anhören.

1998 goss Hans August Mark in der Eifeler Glockengießerei die neuen Bassglocken mit der Tonfolge Gis und H. 2005 wurden schließlich die von Cornelia Mark-Maas gegossene Evangeliumsglocke und eine Wandlungsglocke im Kirchturm eingebaut. Sie stehen im Oktavabstand zu den beiden Bassglocken und verleihen dem Ensemble seinen einzigartigen Charakter.

Am Freitag ertönen simple Tonfolgen aus nur einer Glocke, Duette aus zwei Glocken, aber mit dem gemeinsamen Geläut von Maria Pia, Maria Regina, Maria Speziosa, Maria Inviolata und der Evangeliumsglocke auch ein sonst nie zu hörendes Motiv. „Da hört man mal, dass Kirchenglocken mehr können, als nur zum Gottesdienst zu rufen“, sagt ein Besucher.

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