„Top 100“-Abend der Wirtschaftsförderung

Lokales Image, globale Krise

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Wein für den Vorgänger: OB Horst Schneider bedankt sich bei Sparkassenpräsident Gerhard Grandke für den Gastvortrag beim „Top 100“-Abend von Wirtschaftsförderung, EVO und Kanzlei Conscienta. Im Hintergrund: die Offenbacher Moderatorin Evren Gezer.

Offenbach - Für ihren 18. „Top 100“-Abend holt sich die Wirtschaftsförderung ihren früheren Dezernenten als Gastredner: Bei der EVO beleuchtet Sparkassenpräsident Grandke finanzwirtschaftliche Zusammenhänge. Von Thomas Kirstein

Der Ausklang heißt „Netzwerken“. Das adelt den gemütlichen Teil des Abends zu einem Stück unternehmerischer Arbeit. Die Kontaktpflege – in Offenbach gibt es kein Klüngeln – ist denn auch der vorgegebene wichtigste Zweck der schon traditionellen Veranstaltung der städtischen Wirtschaftsförderung und ihrer wechselnden Partner: „Top 100“ heißt es zum 18. Mal, zugesagt haben von den angeschriebenen Auserwählten diesmal 140 aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik und diversen Institutionen.

Dem Amt im Dezernat von Oberbürgermeister Horst Schneider stehen in diesem Jahr die Energieversorgung Offenbach (EVO) und die Anwalts- und Steuerberatungs-Kanzlei Conscienta zur Seite. So lassen sich Verpflegung und Unterhaltung finanzieren: Kulinarisches von Carpe Diem, Weine von Berdux, Chopin von Spitzenpianistin Cora Irsen und artistisches Cocktailmixen des Jongleur-Duos Take Two.

Für die Örtlichkeit ist es eine Premiere: Die EVO hat eine alte Halle auf ihrem Gelände an der Andréstraße zu einem geräumigen und stilvollen Veranstaltungssaal umgebaut, in dem künftig Filme, Konzerte und Lesungen zu erleben sein werden. Auch gemietet werden kann der Ort im Nordend, etwa für Firmenereignisse – eine Bereicherung für Offenbach, die nur den fürs Capitol zuständigen GBO-Chef Winfried Männche nicht übermäßig begeistert.

Augenmerk auf positiven Wandel

Heike Heim dagegen ist nicht nur wegen dieser Neuerung in ihrem Haus euphorisch. Die EVO-Vorstandsvorsitzende lenkt in ihrer Begrüßung das Augenmerk auf den positiven Wandel, für den Bauzäune, Kräne ebenso wie das Kreativen- und Werber-Zentrum Heyne-Fabrik, der Treffpunkt Hafen 2 und natürlich in erster Linie das neue Hafen-Viertel stehen. „Das wird hoffentlich Offenbach in ein paar Jahren ein neues Image gegeben haben“, hofft die EVO-Chefin.

Ihr Unternehmen gehört den Mitgliedern des Vereins Offenbach aktiv an, der mit Stadt und Industrie- und Handelskammer einen Masterplan für die Stadt initiiert. Heike Heim wirbt um Beitritte zum Verein, sieht sie in den Gästen vor sich doch auch „zupackenden Gründergeist“ versammelt: „Wer hier ist, wirkt für Offenbach“, sagt sie. Oberbürgermeister Horst Schneider begrüßt im Namen seiner Wirtschaftsförderung, deren Aufgabe, wie er sagt, zu 90 Prozent in Bestandspflege besteht – wozu auch solche Abende gehörten. Gleichwohl sei die Stadt nicht nur bei der Förderung des Wohnungsmarkts, sondern auch für die Ansiedlung von Gewerbe aktiv, betonte der OB, bevor die Vertreter von Mitveranstalter Conscienta, Notar Dr. Thomas Lanio und Karl-Heinz Fröbe in Wechselrede, die Gäste willkommen hießen.

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

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Einer, der seit Anfang der 90er Jahre nicht nur die Sanierung der Offenbacher Finanzen, sondern auch den Umbau der Stadt zum Dienstleistungsstandort einleitete und lange begleitete, steht als Gastredner in anderer Funktion vor dem erlauchten Kreis. Die „Top 100“ wurden erfunden, als Gerhard Grandke Oberbürgermeister und oberster Wirtschaftsförderer war. Nun steht der Sozialdemokrat als Geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und Giroverbands Hessen und Thüringen am Mikrofon mit einem sehr komplexen globalen Thema: „Finanz- und Staatsschuldenkrise – Folgen und Forderungen.“

Grandke analysiert die Ursachen der weltweiten Misere, beleuchtet Perspektiven, stellt das Primat der Sparpolitik in Frage, verteidigt bei allen berechtigten Vorbehalten den Euroraum, dessen Schutzschirm letztlich auch deutsche Banken und Anleger behüte, macht keinen Hehl aus seinen Befürchtungen, dass global längst wieder gezockt und auch hierzulande manches Geldinstitut wieder „verhaltensauffällig“ werde. Gerhard Grandke wäre nicht er selbst, wenn er nicht abschließend vor dem Mittelstand die Werbetrommel für sichere Anlagen rührte: „Sie wissen ja: Wenn’s um Geld geht, Sparkasse...“

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