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Tortilla fürs Jesuskind

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Egon und Inge Förster haben etwa 350 Krippen aus aller Welt zusammengetragen. In jedem Jahr präsentieren sie, wie hier zum Krippenwandertag mit Pfarrer Georg Metzger (links) in der Friedenskirche, Exponate aus einem anderen Land oder Kulturkreis.

Offenbach ‐ Das Jesuskind liegt friedlich in der Krippe - eine gestrickte Wollmütze im Inkamuster auf dem Kopf – und im Hintergrund liegen die majestätischen Anden. Die Gesichtszüge von Maria und Josef muten indianisch an und die Heiligen drei Könige bringen nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe, sondern Fische, Tortillas und Zuckergebäck. Von Denis Düttmann

Bei der Krippe aus Peru handelt es sich um ein so genanntes Retablo – ein bunt bemaltes Relief, bei dem sich die Figuren zum obereren Rand hin immer weiter aus der Wand lösen.

Rund 40 Krippen aus dem Andenstaat zeigen die Mühl-heimer Sammler Egon und Inge Förster am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Offenbacher Friedenskirche. Zu sehen sind große und kleine Ensembles, realistisch gearbeitete und abstrakte Figuren, spanisch geprägte und traditionell indianische Arrangements. „Peru ist das Land für Krippen in Südamerika“, erklärt Egon Förster. „Die meisten Exemplare haben wir bei den Benediktinern aus Münsterschwarzach gekauft. Die betreiben in Peru eine Mission und exportieren das Kunsthandwerk nach Deutschland.“

Insgesamt besitzen die Försters rund 350 Krippen aus der ganzen Welt. Bereits zum vierten Mal zeigen sie nun einen Teil ihrer Sammlung. „In jedem Jahr stellen wir ein anderes Land vor“, erklärt Egon Förster. „Ich finde es faszinierend, wie unterschiedlich die Krippen weltweit sind, obwohl das Motiv grundsätzlich ja immer das gleiche ist.“

Krippenfiguren tragen bunte Ponchos

Die peruanischen Krippen sind besonders farbenfroh. Häufig tragen die Figuren bunte Ponchos, die Geschenkkörbe sind reich gefüllt mit tropischen Früchte, und über der Krippe strahlt ein stahlblauer Himmel. Es gibt Figuren aus Ton und aus Kalebassen, elegante Holzschnitzereien und aufwändiges Strickwerk. Der Künstler Mendivil stellt zunächst ein einfaches Holzgerüst auf einen Sockel und verkleidet die stilisierte Silhouette dann mit in Stärke getauchtem Stoff. Nachdem er den Faltenwurf der Kleider modelliert hat, wird das Material steif. Dann bemalt er die Figuren. „Seine Figuren haben immer auffällig lange Hälse“, erklärt Egon Förster. „Ob das etwas mit den Lamas zu tun hat, die in der Region weit verbreitet sind, oder mit den hoch erhobenen Häuptern der stolzen Spanier, kann man nicht eindeutig sagen.“

Frei von jeglichem europäischen Einfluss sind auf jeden Fall die Figuren der Shipibo-Indianer aus dem Amazonasgebiet. Die Körper der Keramiken sind mit labyrinthartigen Mustern überzogen, die die bösen Geister verwirren sollen. Der christliche Glaube hat sich hier mit der traditionellen Religion der Indianer quasi kunstvoll verbunden.

Krippensingen und Spielkrippe für Kinder

Ausdrucksstarke Gesichtszüge sind die Spezialität des Künstlers Mamani. Zudem zeugen überdimensionierte Hände und Füße von der harten körperlichen Arbeit peruanischer Bauern. Stolz blicken Maria und Josef dem Betrachter in die Augen, der Esel zerrt wild am Zügel.

Am Samstag waren jedoch nicht nur in der Friedenskirche zahlreiche Krippen zu bestaunen: Die Besucher der Krippenwanderung konnten in 15 Kirchen sowie im Haus der Stadtgeschichte und im Haus der Stadtmission die künstlerische Darstellung der Geburt Christi bewundern. Zudem gab es in den Gemeinden Programmpunkte: Krippensingen, eine Spielkrippe für die Kinder oder Bach-Kantaten aus dem Weihnachtsoratorium.

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