Ausnahmemusiker mit neuen Songs

Toto in Stadthalle: Dudeleien in Vollendung

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Gitarrist Steve Lukather und Sänger Joseph Williams setzen in Offenbach nicht nur auf Greatest Hits. Foto: Georg

Offenbach - Na also, geht doch. Es ist möglich, in der Offenbacher Stadthalle ein Rockkonzert mit einigermaßen gutem Sound hinzubekommen. Von Markus Schaible

Sicher, ein Konzertsaal für Audiophile wird diese Halle nie, aber wer vor drei Wochen das Gerumpel von Def Leppard miterlebt hat, muss sich beim Konzert von Toto vorkommen wie im musikalischen Feinkostladen. Bis sie in diesen hinein dürfen, heißt es für die 3000 Zuschauer aber erst einmal: WARTEN!!! Und zwar vor der Halle. Die Band stand auf dem Weg von Köln nach Offenbach stundenlang im Stau, muss noch den Soundcheck absolvieren, und so ist 20 Uhr nicht Konzertbeginn, sondern Hallenöffnung.

Doch was 45 Minuten später beginnt (und zwei Stunden andauert), entschädigt um ein Vielfaches: Denn Toto im Jahr 2015 ist keine Band, die vom Ruhm längst vergangener Tage lebt, sondern der Beweis, dass der Rock niemals sterben wird. Gerade erst haben die Musiker mit XIV ihr stärkstes Album seit dem legendären IV (1982, mit den Hits „Africa“ und „Rosanna“) veröffentlicht - und das, obwohl sie in Interviews verlauten ließen, von der Plattenfirma zu den Aufnahmen gezwungen worden zu sein. Und Toto präsentieren es mit breiter Brust: Während andere Gruppen ihrer Ära mit Best-of-Programmen unterwegs sind, bieten die US-Amerikaner immerhin fünf neue Stücke dar. Das allerdings offenbart ein Problem der heutigen Zeit: Kaum noch jemand kauft die aktuellen Scheiben der einstigen Idole. So ist etwa „Burn“ mit seinem treibenden Rhythmus selbst in den langsamen Passagen ein Stück, bei dem eigentlich alle Hände zum Mitklatschen in die Höhe schnellen müssten. Doch das passiert nur bei den Gassenhauern von einst. Die haben Toto natürlich ebenfalls reichlich im Gepäck und so steht einem Abend voller musikalischer Genüsse nichts im Weg.

Balladen wie „Pamela“ oder „I won’t hold you back“ (von Gitarrist Steve Lukather „all the wonderful German girls“ gewidmet), Kracher wie „Hold the line“ oder „White Sister“ - Toto waren immer vielseitig und präsentieren sich auch 2015 vielseitig. Musikalisch ist die Darbietung über jeden Zweifel erhaben. Lukather & Co. sind Ausnahmemusiker, was ihre Mitwirkung als Studiomusiker an tausenden Plattenaufnahmen verdeutlicht. Das kehren sie natürlich gerne nach außen, ein kleines bisschen der Instrumental-Dudelei hätte vielleicht zugunsten eines der bei dieser Tour ungespielten Stücke eingespart werden können - andererseits: Was allen voran Lukather da an Soli ins Publikum schmettert, ist schier unfassbar. Und wenn es noch einen kleinen Kritikpunkt gibt, dann vielleicht, dass weder Lukather noch die Keyboarder David Paich und Steve Porcaro (im Gegensatz zu Joseph Williams) große Sänger sind und sich eventuell mehr auf ihre Instrumente konzentrieren sollten.

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Doch das ist Jammern auf höchstem Niveau. Denn eigentlich stimmt alles an diesem Abend: eine großartige Band, die großartige Musik darbietet, die keine Videofilmchen oder Leinwand-Animationen braucht, sondern sich lediglich einer untermalenden Beleuchtung bedient und die Fans in der ausverkauften Stadthalle einfach nur glücklich macht. Mit - dem Tontechniker sei Dank - sehr passablem Sound.

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