Die Tradition hochhalten

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Hemd, Zylinder, Weste - so ein Kerbborsch weiß eben, was sich gehört. 

Bieber - Die Interessengemeinschaft Bieberer Ortsvereine (IGBOV) will gemeinsam mit Schaustellerchef Peter Stein die Tradition hochhalten. So war auch in diesem Jahr Kerb angesagt - mit allem, was immer schon dazugehört. Und noch etwas mehr. Von David Heisig

Junge Typen, die mit möglichst viel Geschubse das weibliche Kerbvolk beeindrucken wollen? Unverzichtbar. Und das wiederum ist neben Karussell, Süßigkeitenstand und Losbude fester Bestandteil jedes Rummelplatzes. Auf der Bieberer Kerb ist das nicht anders. Neu ist in diesem Jahr die Tatsache, dass auf dem umgestalteten Ostendplatz gefeiert werden kann.

Der hat laut IGBOV-Chef Heinz-Josef Lorz das Fest der Vereine gut überstanden. Noch fehlten natürlich ein paar Dinge, damit der Platz, von Haus aus ziemlich eckig, „ganz rund“ werde. Das Bistro sei ja nun noch nicht fertig. Zudem müssten an einer Ecke noch dichte Büsche zurückgeschnitten werden, meint Lorz. Aber vor allem der Spielplatz sei schon ein gut angenommener Treffpunkt.

Das Gesamtbild der Kerb scheint zu überzeugen. „Wenn Sie sehen, wie der Platz bestückt ist, finde ich das optimal.“ Auch Autoscooter-Betreiber Peter Stein ist mit dem Ostendplatz zufrieden. Sein Fahrgeschäft steht ganz vorne an der Straße. Ein bisschen Probleme machen ihm die Bäume. „Das ist alter Baumbestand, die Bäume hängen weit herunter.“ Es habe daher beim Aufstellen der Buden und Fahrgeschäfte ein paar Probleme gegeben.

Bilder der Bieberer Kerb

Bieberer Kerb

Ansonsten ist auch Stein zufrieden: „Der Platz sieht gut aus und scheint angenommen zu werden.“ Dass Besucher kommen, ist für die Schausteller das Wichtigste. Letztendlich profitiert aber auch die IGBOV, spült die Kerb doch auch einen kleinen Obolus in deren Kasse. Die Hoffnungen der Veranstalter scheinen aufzugehen. Der Platz ist gut gefüllt, die Menschen tummeln sich an den Buden und bevölkern die Bierbänke in der Mitte des Platzes.

Nur die Traditionalisten müssen die Kerb im ursprünglichen Gewand in Bieber ein wenig suchen. Ist diese doch die Feier der Kirchweih, für viele Gemeinden ein hohes Fest. Auch in Bieber war in früheren Zeiten zur Kerb wirklich alles auf den Beinen. Peter Stein erzählt, dass es damals im ganzen Ort nach Ribbelkuchen gerochen habe.

Den christlichen Teil übernahm am Sonntag die katholische Gemeinde St. Nikolaus mit dem Pfarrfest. In ländlicheren Gebieten zeigt sich ein etwas anderes Bild; dort stehen zur Kerbzeit ganze Ortschaften Kopf. „Kerbborschen“ leben ihr „Amt“ mit stolzgeschwellter Brust, Besuchermassen drängeln sich zwischen Buden hindurch und der Kerbbaum strahlt über alles hinweg. Das Anliegen der Bieberer Vereine ist deshalb, die Kerbfahne ein bisschen hochzuhalten. Oder besser höher: „Wir wollen eigentlich nicht, dass sie totgesagt wird. Es geht alles ein bisschen zurück und man sollte Traditionen eigentlich bewahren“, glaubt Lorz.

„In Bieber ist noch Interesse der Leute da“, bekräftigt Stein. „Man weiß aber nie, wie lange sich so etwas hält“. Daher halten die Bieberer Vereine auch am Kerbumzug fest, der sich vom Kirchhof über die Pfarrgasse zum Festplatz zog. Der Kerbbosch als Figur saß mit Blümchen geschmückt auf dem Bollerwagen und wurde von rund 40 Bieberern durch die Gassen gezogen. Die Kinder am Straßenrand begrüßten den Zug, indem sie zu den Takten der Marschmusik mittanzten. Auf dem Platz hatte sich dann auch Kundschaft für Stein und Co. eingefunden.

Nichtsdestotrotz sind die Besucherzahlen tendenziell rückläufig. Lorz kann die Sorgen mancher Schausteller da verstehen, müssten diese doch alle Einnahmen im Sommer erwirtschaften. Peter Stein indes hat seinen Nachwuchs nach eigenen Angaben in „ordentlichen Berufen“ untergebracht und ist in der letzten Generation „auf der Reise“.

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