Arbeiter-Samariter-Bund dient den Menschen

Tradition und Kontinuität

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Große Feier zu Ehren des ASB – mit dabei (von links): Landesverbandsvorsitzender Ludwig Frölich, Laudator Gerhard Grandke, Helmut Trebus (Vorstand Mittelhessen), Marcus Schönbach (1.Vorsitzender) sowie Wilhelm Müller vom Bundesvorstand)

Offenbach - Sie war einst die erste ihrer Art in Mittelhessen, die Kolonne Offenbach des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), wie sie damals noch hieß. Von Harald H. Richter

Der Dachverband, von Berliner Zimmerleuten bereits 1888 gegründet, um Erste Hilfe bei Arbeitsunfällen zu leisten, war und blieb ihre Heimstatt, ungeachtet des 1933 verfügten Verbots durch die Nationalsozialisten. Wie kaum eine andere Organisation hat sie manches Auf und Ab erlebt und durchlitten, aber stets an ihrem Kernauftrag festgehalten, den Menschen zu dienen.

Daran und an weitere markante Stationen in der bewegten Entwicklung erinnern während der Feierstunde am Samstag im Quartiersaal des Ostpol zahlreiche Gäste aus Politik und Verbandswesen. In launigen Worten ruft Offenbachs früherer Oberbürgermeister Gerhard Grandke in seiner humorigen und um Lokalkolorit angereicherten Festansprache den Fortgang ins Bewusstsein. Sein unmittelbarer Amtsvorgänger Wolfgang Reuter, mit 62-jähriger ASB-Zugehörigkeit am längsten in den Reihen der Samariter stehend, reichert die Laudatio um weitere geschichtliche Details an.

Regionalverband der zweitgrößte Deutschlands

Bereits in den frühen 1920er-Jahren wuchs die Zahl der Standorte im Land, an denen sich die Samariter niederließen, auf 59. „Es war die Blütezeit“, erinnert Grandke. Auf Hitlers Machtergreifung folgte schnell das Verbot, worauf sich viele Mitglieder dem Roten Kreuz anschlossen. Jene, die beim ASB und in anderen missliebigen Arbeiterorganisationen tätig blieben, hatten viel Leid zu erdulden, gaben ihre Überzeugung für die Sache aber nicht auf.

Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau – nicht mehr in Kolonnen, sondern in Orts- und Kreisverbänden, so auch 1951 in Offenbach. Heute zählt der Regionalverband Mittelhessen mit Sitz in der Lederstadt über 39 000 Mitglieder und bildet damit den zweitgrößten ASB-Verband Deutschlands. „Frische und Spritzigkeit, Engagement und Zukunftsorientierung kennzeichnen ihn“, konstatiert Vorstand Helmut Trebus, seit 51 Jahren dabei. Er selbst hat 28 Jahre in Vorstandsfunktionen für den Verband gewirkt und weiß ihn nun in verantwortungsbewussten jüngeren Händen.

Kernkompetenz im Rettungsdienst

Erst einige Monate bekleidet Marcus Schönbach das Amt des 1. Vorsitzenden und verkörpert somit die jüngere Generation in der Führungsriege, gleichwohl auch er schon 21 Jahre dem ASB angehört. Schönbach führt mit vielen engagierten haupt- und ehrenamtlichen Kräften den eingeleiteten, durchaus auch schmerzlichen Sanierungs- und Umstrukturierungsprozess fort. Gleichwohl sich der ASB angesichts wachsenden Kostendrucks und der Dumping-Konkurrenz privater Anbieter aus dem Krankentransportwesen zurückgezogen hat, ist das Aufgabengebiet so vielfältig wie kaum zuvor und passt sich immer wieder gesellschaftlichen Veränderungen an.

Das macht Landesvorsitzender Ludwig Frölich deutlich. Die Kernkompetenz liegt nach wie vor im Rettungsdienst, vielfältige Angebote der Ausbildung sind ein anderer Tätigkeitsschwerpunkt. Zwei ambulante Pflegedienste, die Demenzbetreuung, an sieben Standorten über 4.000 Kunden im Hausnotrufservice und der Mahlzeitendienst mit 130. 000 Auslieferungen pro Jahr gelten als Beispiele in der Altenhilfe.

"Stabilitätsfaktor in der Stadt"

Daneben leistet der ASB pädagogische Dienste, etwa die Kinderbetreuung in zwei Kitas und 16 Schulen sowie am Standort Marburg die Sozialpädagogische Familienhilfe. „Ein Sozialdienstleister, der mit seinem qualifizierten Personal jederzeit und überall notwendige Versorgungsangebote unterbreitet“, würdigt Wilhelm Müller vom Präsidium des ASB Bundesverbandes das Tätigkeitsspektrum der Kollegen.

Offenbachs Branddirektor Uwe Sauer unterstreicht zudem die Zusammenarbeit und erinnert an den gemeinsamen Einsatz während der Hochwasserkatastrophe. Und Grandke nennt den ASB „einen Stabilitätsfaktor in der sozialpolitischen Architektur unserer Stadt, des Kreises und der Region“. Ein Prädikat, das besonders ehrt.

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