Nach 64 Jahren

Traditions-Friseur wird in neue Hände übergeben – mit Unterstützung von DSDS-Sternchen

Symbolische Schlüsselübergabe: Salon-Inhaber Albert Bär und seine Nachfolgerin Maria Grisafi.
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Symbolische Schlüsselübergabe: Friseursalon-Inhaber Albert Bär und seine Nachfolgerin Maria Grisafi in Offenbach.

In Offenbach geht ein Traditions-Friseursalon neue Wege. Dabei soll auch eine DSDS-Teilnehmerin eine Rolle spielen.

Offenbach – In Tempelsee ist er ein echtes Traditions-Unternehmen, der Friseursalon am Brunnenweg 43. Gegründet am 1. April 1957 von Alfons Krause und seiner Frau Charlotte war er das erste Friseurgeschäft im Stadtteil mit einer für damalige Verhältnisse modernen Ausstattung. Mittlerweile lassen sich dort ganze Generationen die Haare schneiden. Nun steht ein Schnitt ganz anderer Art an: Der Familienbetrieb wird nach 64 Jahren in neue Hände übergeben.

Viele ältere Stammkunden haben ihn noch in Erinnerung, den mittlerweile verstorbenen Seniorchef Alfons Krause, auch vielen Fastnachtern dürfte er ein Begriff sein, war der gelernte Maskenbildner doch mit seinen Künsten für lokale Fastnachtsvereine im Einsatz. Außerdem schminkte er Schauspieler, etwa beim Theaterclub Elmar, und löste dabei auch so manches haarige Problem.

Zu seinen Kunden gehörte einst auch Albert Bär, sein künftiger Schwiegersohn. „Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich überhaupt in diese Branche gekommen bin“, erzählt er. Der studierte Bankkaufmann hat im Salon nicht nur seine künftige Ehefrau Anja kennengelernt, sondern auch einen Mitarbeiter der Firma Wella – und arbeitet seitdem für den Haarpflegeprodukt-Hersteller.

Traditions-Friseur in Offenbach tritt kürzer: „Wir haben hier so viel erlebt“

1988 übernahm Anja Krause den Salon ihres Vaters, betrieb ihn als „Anja Krause Hairdesign“. Albert Bär führte das Geschäft auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Beruf und ihrer Trennung fort, von 2008 bis 2018 unter der Marke „Meyer & Marks“, seitdem unter dem Namen „Hair!fair“. Im KOMM-Center leitet er einen weiteren gleichnamigen Salon.

Nun ist für ihn die Zeit reif, beruflich kürzer zu treten – immerhin ist er schon 66 Jahre alt. „Wir haben hier so viel erlebt“, blickt er zurück. Neue Konzepte, neue, vergrößerte Räume, einen Wasserschaden vor zwei Jahren, der zu sieben Monaten Arbeit im Provisorium zwang. „Wir haben die besten Vermieter, die man sich vorstellen kann, mussten nicht einen Tag schließen“, schwärmt er. Erst Corona zwang ihn dazu.

Offenbach: Schwere Zeiten für Friseure – Corona, Schwarzarbeit und neue Gewohnheiten

Die Branche hat sich noch nicht ganz erholt. „Hier im Salon sind 85 bis 90 Prozent der Kunden wieder da, im KOMM nicht mal 70 Prozent“, schätzt er. Die Frequenz, in der Leute zum Friseur gehen, sei zurückgegangen – sei es wegen Arbeit im Homeoffice oder weil sie im Lockdown andere Angewohnheiten angenommen haben. „Es gibt seitdem auch mehr Schwarzarbeit“, bedauert Bär. Auch das Geschäft mit Haarpflegeprodukten sei dramatisch zurückgegangen.

So sind die Umstände gerade nicht die einfachsten, schon gar nicht für einen Neuanfang. Den Mut dazu beweist Maria Grisafi. „Sie hatte sofort Ideen, mit denen ich mich sehr anfreunden konnte“, sagt Albert Bär mit Blick auf seine Nachfolgerin. Er wählte sie aus mehreren Bewerbern aus und weiß den Salon bei ihr in besten Händen. Die „sizilianische Saarländerin“, wie sie sich selbst augenzwinkernd bezeichnet, lebt seit 1993 in Offenbach. Die Meisterin ist Mitglied der Friseurinnung und Inhaberin des „Hairatelier Maria Grisafi“ an der Darmstädter Straße 11. Ein Schwerpunkt des Salons sind Echthaar-Perücken, auch in Tempelsee will sie dazu beraten. „Ein sehr sensibles Thema“, weiß die 50-Jährige, bedeuten die Haarteile für Menschen mit schweren Erkrankungen ein großes Stück Lebensqualität. Sie ist qualifiziert, mit der Krankenkasse abzurechnen.

Offenbach: DSDS-Teilnehmerin soll zum Friseur-Team gehören

„Da schließt sich ein Kreis, denn Alfons Krause hat auch mit Perücken gearbeitet“, freut sich Bär. Er hat 300 treue Kunden angeschrieben und sie auf den Wechsel vorbereitet, danach schickte Grisafi ein Vorstellungsschreiben. „Unsere Kunden sollen wissen, dass es eine sorgfältig geplante Übergabe ist.“ Die neue Chefin legt viel Wert auf Vertrauen: „Ich weiß, wie es ist, wenn man jahrelang an einen Friseur gewöhnt war. Das ist ein vertrauter Mensch, der lässt sich nicht einfach ersetzen.“ Am heutigen Samstag übergibt Bär den Salon bei einer kleinen Feier, zu der auch Anja und Charlotte Krause kommen.

Wenn es soweit ist, muss Grisafi sich um eine Nachfolgerin keine Sorgen machen. Ihre Tochter Viviana, die einigen als Zweitplatzierte der RTL-Talentshow „Deutschland sucht den Superstar“ im Jahr 2015 bekannt sein könnte, hat in diesem Jahr ihre Ausbildung zur Friseurin als Innungsbeste abgeschlossen. „Sie wird, neben einer Meisterin, zum Team gehören“, verspricht Maria Grisafi. So trifft Tradition auf Supersternchen. (Veronika Schade)

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