Traditionsmetzgerei Grünewald

Zukunft nur mit Partyservice

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Lang ist’s her: Eine historische Aufnahme von der Metzgerei Grünewald an der Bieberer Straße.

Offenbach - Die Offenbacher Traditionsmetzgerei Grünewald hat nach 114 Jahren geschlossen. Auch jenen, die weiterhin im Geschäft sind, ist klar: Das Fleischerhandwerk befindet sich im Umbruch. Von Konstanze Löw 

Auf die Frage, warum Peter Grünewald keinen Nachfolger für seine Metzgerei gesucht hat, gibt es eine traurige, aber klare Antwort: „Bei dem Umsatz kann man niemandem zumuten, das Geschäft zu übernehmen.“Die Worte des 69-Jährigen machen deutlich, wie schwierig der Arbeitsalltag von Metzgern geworden ist. Trotzdem haben Ursula und Peter Grünewald, die jetzt in Ruhestand gehen, die Arbeit gern gemacht. 1901 wurde die Metzgerei an der Bieberer Straße gegründet, als 13-Jähriger hat Peter Grünewald im elterlichen Betrieb seine Ausbildung zum Metzger begonnen und den Laden 1972 übernommen. Am vergangenen Samstag hatte der Offenbacher Traditionsbetrieb letztmals geöffnet.

Ein schwerer Schritt, das ist dem Ehepaar Grünewald anzumerken. Doch die vielen Karten, Blumen und sogar ein Kuchen in Schweineform, gebacken von einer Stammkundin, machen den Abschied ein wenig erträglicher. „Die Anerkennung von unseren treuen Kunden war toll. Da weiß man, dass man nichts falsch gemacht hat“, sagt Ursula Grünewald. Der Metzgerladen sei für viele Stammkunden ein Treffpunkt gewesen, zwischen Schweinshaxe und Salami wurden soziale Kontakte gepflegt. „Es gab Kunden, die seit 56 Jahren jeden Samstag bei uns einkauften“, erinnert sich das Ehepaar.

„Zeit und Aufwand rechneten sich nicht“

Trotz Kundentreue – die Zeiten haben sich geändert: Es sei unmöglich, gegen Öffnungszeiten und Preise der Supermärkte zu bestehen. Hinzu kämen anstrengende Arbeitstage, oft bis 22 Uhr, so die Grünewalds. Für ihren Sohn komme es aufgrund der wirtschaftlichen Lage nicht in Frage, den Laden zu übernehmen.

In dritter Generation standen sie hinter der Fleischtheke, nun gehen sie in den Ruhestand: Ursula und Peter Grünewald.

Von den schwierigen Arbeitsbedingungen kann auch Dieter Gerbig ein Lied singen: Der Metzgermeister betrieb 17 Jahre lang die gleichnamige Metzgerei in Lauterborn. 1997 machte er dicht. „Zeit und Aufwand rechneten sich einfach nicht“, so Gerbig, der zum Personalvermittler umschulte. Er erinnert sich an Zeiten mit 110 Metzgereien in Offenbach - bei den derzeit nur 28 in der Metzger-Innung organisierten Betrieben ein unvorstellbares Angebot. Mit Grünewalds ist sich Gerbig rückblickend einig: Finanziell rechne sich der Betrieb, wenn überhaupt, nur mit Partyservice. Diese Ansicht teilt auch einer, der noch im Geschäft ist: Jürgen Nußbaumer, Besitzer der gleichnamigen Metzgerei am Hessenring. Mit Partyservice und wechselndem Mittagstisch hat er sich, neben dem Verkauf von Fleisch und Wurst, ein weiteres Standbein geschaffen. Meckern will Nußbaumer nicht: „Die Lage ist prinzipiell gut“, sagt er. Der hohe Qualitätsanspruch der Kunden und die teilweise zugleich geringe Zahlungsbereitschaft ständen jedoch in keinem gesunden Verhältnis mehr, schränkt er ein.

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Viele Kunden kauften nur noch zu besonderen Anlässen qualitativ hochwertiges Fleisch vom Metzger. Davon allein könnten Metzgereien nicht existieren. Nußbaumers Schlussfolgerung: „Man muss die Veränderungen wahrnehmen und auf sie reagieren.“ Der Metzgeremeister ist sicher: Das werde nicht zu einem Metzgereisterben führen, sondern zu einem Wandel des Geschäfts.

Das sieht auch der Deutsche Fleischer-Verband so. Partyservice, Dienstleistung, Spezialisierung im Warenangebot und Nutzung erweiterter Absatzwege wie Wochenmärkte, so lauten die Verbands-Tipps zum Überleben. Für Nußbaumer und die Grünewalds kommen noch andere Aspekte hinzu. Auch Verkehrsanbindung und Parkmöglichkeiten beeinflussen das Geschäft. Eine Konstante haben die Metzger immerhin ausgemacht: „Ob Schnitzel-, Frikadellen- oder Fleischkäsbrötchen, was Warmes auf die Hand geht immer“, sagt Nußbaumer schmunzelnd.

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