Was der Grüne Tarek Al-Wazir beim „Tradewinds Style Award“ zu sehen bekam

Tragbar, manchmal essbar

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Grünen Glamour gibt‘s auch in rot. Mutter Natur hat aus ihrem Repertoire reichlich gespendet für diesen Auftrieb des Außergewöhnlichen.

Offenbach/Frankfurt - Das ist jetzt nicht ganz einfach für den Offenbacher Tarek Al-Wazir. Eben noch hat er im Wiesbadener Landtag das Thema Altersteilzeit beleuchtet, und jetzt soll er hier im grellen Scheinwerferlicht des Frankfurter King Kamehameha-Clubs den Schirmherrn für den „Tradewinds Style Award“ machen. +++ Video +++ Von Marcus Reinsch

Von Ruhestandsmodellen zu Modemodellen - eine Herausforderung, sogar für einen brillanten und spontanen Redner wie den Fraktionschef der Hessischen Grünen. Aber passt schon, irgendwie.

Irgendwie ist der Tarek Al-Wazir ja selbst groß in Mode. Nicht lange her, dass es seine Grünen fast in die Regierung geschafft hätten. Wenn nur die SPD nicht so rumgeeiert wäre. Nunja. Die Ypsilanti, die lädt keiner mehr ein. Nicht mal eine Eistee-Firma, die sich von Polit-Prominenz ein bisschen Glanz und Glaubwürdigkeit für ihr Produkt erhofft.

Einfach so hergegeben als Schirmherr hat er sich nicht, der Spitzen-Grüne aus Offenbach. „Ich habe mir die Ausschreibung schicken lassen, und die könnte teilweise echt aus dem Grünen-Programm sein“, gibt er zu Protokoll. Alle nötigen Schlüsselworte standen drin. Die Welt von morgen, die Umweltfreundlichkeit und natürlich die Nachhaltigkeit, vereint unter dem Titel „Clubwear: Green Glamour passt immer“.

Also sitzt der Tarek Al-Wazir, von der Plenarsitzung verspätet im Club eingetroffen, nun zwischen den Glamourösen in der VIP-Ecke und versucht zu dem zu passen, was die PR-Agentur von Tradewinds schon über ihn verlautbart hat, als er noch über Altersteilzeit sprach. Dass der Grünen-Tarek fasziniert war von der phantasievollen grünen Mode, steht in der Pressemitteilung, und dass der Grünen-Tarek deshalb bei der Kürung der strahlenden Sieger vor einem begeisterten Publikum begeistert half.

Man kann tatsächlich ein bisschen fasziniert sein von dem, was der Tarek da sieht, während er an seiner Eistee-Flasche saugt und darauf wartet, dass ihn Patrick Urban auf die Bühne holt. Der Moderator - Mister Germany 1999, Nasenkorrektur samt Kinnfettabsaugung 2000, als Schönling quasi in der Altersteilzeit - unterfüttert geschniegelten Charme mit Fakten zum Talentwettbewerb. Mehr als 160 Einsendungen gab es vom Designernachwuchs aus der ganzen Republik, 60 Modelle von 42 Modeschöpfern schafften es ins Finale, drei wurden als „nicht tragbar“ gleich wieder aussortiert.

Tatsächlich wäre vieles von dem, was jetzt von langhalsigen Models an langhalsigen Eistee-Aufpustflaschen vorbei auf den Laufsteg transportiert wird, sogar draußen auf der Straße tragbar.

Anderes ist essbar, wie Schirmherr Al-Wazir später hinter der Bühne beweisen wird, indem er sich ein Büschel Kresse von einer Schönen rupft, deren Gewand im Urteil des Publikums nicht das schönste, aber dafür das grünste ist. Vor allem in der ersten von drei Bewertungskategorien - „Funky Freestyle“ - haben die Designer ihre Beiträge augenscheinlich eher gepflanzt denn geschneidert. Es gibt Models, die sich lieber nicht auf eine Schafsweide wagen sollten, falls sie keine nudistische Neigung verspüren.

Mutter Natur hat aus ihrem Repertoire reichlich gespendet für diesen Auftrieb des Außergewöhnlichen. Einer, der geile Treter an die Füße und die Haare zu Berge gesteckt wurden, wachsen Flügel aus Zweigen; eine andere kommt augenscheinlich gerade von einem Waldlauf, vor dem sie sich mit Kleister eingeschmiert hat. Eine Dritte trägt einen bodenlosen Weidekorb als Korsett. Piekst bestimmt, besticht aber die ja doch irgendwie fachkundige Gästeschar durchaus.

Sexy und umweltschonend“, liest Moderator Urban von seinem Zettel ab. Das sexy ist gelogen; hier wird das Östrogen vom Öko-Gen untergebuttert. Sieht aber interessant aus und, für Trägerinnen ohne Modelmaße von Vorteil, kaschiert Problemzonen, weil es vermutlich mit dem Körper wächst, wenn man es nur regelmäßig gießt und düngt.

Garderoben-Gärtner? Mode-Müslis? Der Schirmherr bekommt auch Kreationen zu sehen, die gleichsam kleidsam und wunderschöne Plädoyers gegen die Wegwerfmentalität sind. Deponie-Design sozusagen, aber kein Müll. Ein Mini aus Opas ollen Krawatten, edle Stücke aus abgelegten Jeans, Details aus Cord, eine Haarspange aus Weingummi-Verpackungen.

Al-Wazir ist zufrieden und tut das auch kund, als er später die Prophezeihung der Pressemitteilung erfüllt und einigermaßen begeistert die Preise vergibt. Die Energie der Jungdesigner, die gefalle ihm, sagt er. Und auch, dass die Zeit vorbei sei, „in der man mit den Grünen nur einen Jutesack verbunden hat“.

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