Tragende Säulen der Blitzer-Bilanz

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2.700 Temposünder, so war in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung zu hören, erwischte die im August aufgestellte Blitzer-Stele am Spessartring allein in den ersten vier Wochen.

Offenbach ‐ Die Säule hatte gleich zu Beginn gut zu tun: 2.700 Temposünder, so war in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung zu hören, erwischte die im August aufgestellte Blitzer-Stele am Spessartring allein in den ersten vier Wochen nach ihrer Scharfschaltung. Von Marcus Reinsch Von Matthias Dahmer

„Könnte realistisch sein“, meint Ordnungsamtschef Peter Weigand. Ein detaillierter Blick auf die Fallzahlen, sagt er, sei derzeit nicht möglich, würden doch gerade erst die 2009er-Ergebnisse für die Jahresstatistik zusammengestellt. Sicher ist: Die 80.000 Euro teure und mit einem Designpreis ausgezeichnete 360-Grad-Radarfalle auf Höhe des Rotkreuz-Domizils dürfte gemeinsam mit dem zeitgleich aufgestellten herkömmlichen Starkasten am Taunusring einen beträchtlichen Teil der Offenbacher Blitzer-Bilanz ausmachen.

Natürlich, ein Ordnungsamtleiter muss das so formulieren, geht's doch in erster Linie um die Sicherheit. Für die haben die beiden Neuanschaffungen ohne Zweifel was gebracht. Die Zahl der Zu-schnell-Fahrer sei dort merklich zurückgegangen.

Alle Tempoüberwachungsgeräte überprüft worden

Ob die von ihrem Hersteller „Poliscan“ getaufte Metallsäule am Spessartring und die konservative Version am Taunusring tatsächlich ihr Geld wert sind, ist indes nicht so ohne weiteres mit Ja zu beantworten. Denn nur die Verwarnungsgelder bis 35 Euro darf die Stadt selbst einstreichen. Was darüber hinausgeht, ist Bußgeld-Dimension und dem Land zugedacht. Offenbach erhält dann pro Fall lediglich eine Pauschale von knapp zwölf Euro, sagt Peter Weigand.

Bei der Frage, wo in der Stadt weitere stationäre Knipskästen nötig wären, hält sich der Ordnungsamtsleiter zurück: „Es gibt immer mal Beschwerden an der Mainstraße. Doch die bisherigen Kontrollen rechtfertigen dort keine stationäre Anlage.“

Rechtfertigungszwänge anderer, juristischer Art fürchtet das Amt unterdessen nicht. Meldungen über erfolgreiche Einsprüche gegen Bußgeldbescheide, die auf dem in den meisten Offenbacher Knipskästen praktizierten Poliscan-Speed-Messverfahren basierten, kommentiert Weigand demonstrativ gelassen.

Grundlage besagter Amtsgerichtsurteile sei ja gewesen, dass an Poliscan-Geräten eine nachträgliche Überprüfung des Messergebnisses kaum möglich sei. Mittlerweile aber gebe es Urteile von höherer Instanz, die „die Messungen bestätigen“, sagt Weigand. Seine Behörde sei dabei, Offenbacher Richter mit den einschlägigen Schriftstücken des Oberlandesgerichts Frankfurt zu versorgen.

Im Übrigen seien alle Tempoüberwachungsgeräte, ob mit digitaler Lasertechnik oder herkömmlichen Filmen ausgestattet, vor ihrer Montage von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt überprüft und für legal befunden worden. Und die Stadt Mannheim beispielsweise, die ihre Poliscan-Messungen zwischenzeitlich eingestellt hatte, überwache nun sogar mit gutachterlicher Rückendeckung weiter.

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