Transparenz der kleineren Einheiten

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Die Stadt Offenbach ist an 63 Unternehmen beteiligt. Das kaum noch überschaubare Geflecht wird in dieser grafischen Darstellung der Aufbauorganisation erfasst. Die dunkel unterlegten Kästchen markieren Gesellschaften, deren Errichtung noch nicht abgeschlossen ist. Im gestern vorgelegten Beteiligungsberichts werden alle 38 Unternehmen beleuchtet, an denen die Stadt im Jahr 2008 mindestens 20 Prozent der Anteile hielt.

Offenbach - Die Zeiten, als es allein die Stadtwerke gab, die von der Müllabfuhr übers Busfahren bis hin zum Gaszähler-Ablesen des Bürgers Ansprechpartner waren, sind vorbei. Von Matthias Dahmer

An insgesamt 63 Unternehmen ist die Stadt Offenbach direkt oder indirekt beteiligt. Die Gewinn bringende Energieversorgung Offenbach (EVO) gehört ebenso dazu wie das notorische Zuschussgeschäft Verkehrsbetriebe, die Veranstaltungslokalitäten Capitol und Stadthalle oder ein Exot wie die United Billing GmbH, die sich mit immerhin 128 Mitarbeiterin um die Abrechnung bei der EVO und deren Mannheimer Mehrheitseigner MVV kümmert.

Die Stadt Offenbach ist an 63 Unternehmen beteiligt. Das kaum noch überschaubare Geflecht ist in einer Daarstellung der Aufbauorganisation erfasst. Das Organigramm steht zum Download bereit.

Dieses Geflecht aus Eigenbetrieben, Genossen-, Aktien- und sonstigen Gesellschaften zu entwirren oder zumindest ansatzweise zu erklären, darum bemüht sich der jährliche Beteiligungsbericht der Stadt Offenbach, den Kämmerer Michael Beseler gestern vorstellte. In der vierten Auflage des Berichts sind alle 38 Unternehmen erfasst, an denen die Stadt im Jahre 2008 mit mindestens 20 Prozent beteiligt war.

Fast wie bei einem multi-nationalen Konzern. Sieht aber nur so aus“, kommentierte Beseler das Schaubild zu den Beteiligungen. Nun gehört es zum Job eines Kämmerers, sich nicht von rechtlichen Verflechtungen, finanziellen Verpflichtungen und schon gar nicht von Zahlen schrecken zu lassen.

Im Gegenteil: Folgt man Michael Beseler, dann gab's die Tätigkeitsfelder, die mittlerweile in Dutzende Ausgliederungen und Neugründungen gepackt wurden, schon immer. Nur werde die Komplexität des bestehenden Ganzen dadurch sichtbarer. „Die kleineren Einheiten lassen die Wirtschaftlichkeit besser erkennen“, formulierte Beseler.

Steuern würden dadurch in den seltensten Fällen gespart. Personalkosten, räumt er, indes schon; wenn etwa die in den neuen Gesellschaften Beschäftigten nicht nach den geltenden Tariflöhnen bezahlt werden.

Um Strukturen in die gesammelten Objekte zu bringen, nennt der Kämmerer zunächst die drei Beteiligungen, denen am meisten Bedeutung zuzumessen ist: Die Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH), die Klinikum Offenbach GmbH und die Gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB).

Von Goldeseln und Verlustbringern

Der Goldesel unter den Firmen ist die EVO, die im vergangenen Jahr einen Überschuss von 23,2 Millionen Euro erzielte. „SOH, Stadt und die Lasten des Verkehrs werden von der EVO getragen“, bilanzierte Beseler.

Die Offenbacher Beteiligung an den Verkehrgesellschaften ist maßgeblich geprägt vom Ergebnis der OVB, die 5,8 Millionen Miese eingefahren haben; angesichts einer Verschlechterung von 100 000 Euro gegenüber dem Vorjahr ein Ergebnis, das Beseler als stabil bezeichnete.

Ein weiterer Verlustbringer ist mit 4,7 Millionen Euro Defizit die Klinikum GmbH, die die Beteiligungen im Bereich Gesundheit und Soziales dominiert. Steigende Tarife und die Gesundheitsreform belasten laut Beseler die Bilanz. Hoffnung setzt er in den Neubau, der ab 2012 ein positives Ergebnis bescheren soll. „Nur der Neubau gewährleistet wirtschaftliche Nachhaltigkeit“, so der Kämmerer.

Sinkende Erlöse für Schrott sind verantwortlich dafür, dass auch die GOAB in die roten Zahlen rutschte und 70  000 Euro Defizit zu verbuchen hat. Doch müsse man bedenken, so Beseler, dass die Gesellschaft auch Ausbildungs- und Betreuungszwecke erfülle.

Die Gemeinnützige Baugesellschaft schloss das Jahr 2008 mit einem Plus von 2,4 Millionen Euro ab. Wesentlich dazu beigetragen haben die gestiegenen Mieterträge unter anderem aus dem Mehrgenerationenhaus.

Weil wegen der Finanzkrise wohl vielen die Lust am Feiern vergangen ist, müssen die Stadthalle und die ECO Event-Center Offenbach GmbH, die sich um das Capitol kümmert, Verluste von 200 000 beziehungsweise 100 000 Euro verkraften. „Das Event-Geschäft ist weggebrochen, und im nächsten Jahr wird das Minus noch größer werden“, sagte Beseler voraus.

Ähnliches musste Matthias Müller, Pressesprecher der Stadt und Geschäftsführer der Stadtinformation-Gesellschaft verkünden, die sich unter anderem um die Vermarktung städtischer Werbeflächen kümmert. Erstmals seit Übernahme der Geschäfte von der Stadt im Jahre 2000 werde man im nächsten Jahr wohl Verluste schreiben.

Potenzial für weitere Optimierungen innerhalb der Beteiligungen ist laut Beseler immer vorhanden. Konkretes dazu wollte er nicht nennen, aber „wir arbeiten stetig daran“ sagte er.

Wert legte der Kämmerer zudem auf die Feststellung, die Stadt Offenbach habe mit ihrem zur Verfügung stehenden Geld, wie seinerzeit etwa nach dem Verkauf der EVO-Anteile, nie Zockergeschäfte betrieben. Beseler: „Die damals intelligenten Geldanlagen werden mittlerweile toxisch genannt. Wir haben unser Geld immer konservativ angelegt.“

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