Das Gesicht der Stadt verändert

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Zu den zahlreichen Trauergästen, die Stephan Wildhirts Lebensgefährtin Ilona Hakert und den anderen Angehörigen ihr Beileid aussprachen, gehörte Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel.

Offenbach - Groß war der Andrang derer, die Stephan Wildhirt gestern das letzte Geleit gaben. Nicht alle fanden einen Sitzplatz. Von Markus Terharn

In der Trauerhalle des Neuen Friedhofs nahmen Vertreter von Politik und Stadtgesellschaft Abschied von Offenbachs früherem Bürgermeister, der am vorletzten Sonntag im Alter von 58 Jahren überraschend den Folgen einer Operation erlegen war. „Stephan Wildhirt ist tot“, das klinge wie eine bürokratische Mitteilung auf dem Standesamt, befand Trauerredner Alexander Kaestner. „Dieser Satz verrät nichts von den Begleitumständen, von unserer Bestürzung und unserem Erschrecken über diesen allzu frühen Tod“, so der protestantische Theologe. „Wir sind erschüttert und verwirrt, so nahe ist uns dieser Tod gegangen“, sprach er vielen der Gäste aus dem Herzen.

Kaestner, vom Freundeskreis des Verstorbenen darum gebeten, erinnerte an Stationen aus Wildhirts Leben: Geboren am 17. Dezember 1954 als ältester von vier Geschwistern, nach dem Unfalltod seiner Mutter Wirtschaftsabitur, nach dem Zivildienst Studium in Politikwissenschaften, Deutsch und Geschichte, Abschluss als Diplom-Pädagoge. Mit 17 Jahren Eintritt in die SPD, die ihn noch für 40-jährige Treue ehrte. Tätigkeit beim Berufsbildungswerk des DGB, später bei der Stadt. Und: 1992 trifft er mit der kommunalen Frauenbeauftragten Ilona Hakert die Gefährtin fürs Leben, „die wichtigste Person“.

„Er war durch und durch Politiker“, würdigte Kaestner den Mann, der zuletzt als Direktor des Planungsverbands Frankfurt/Rhein-Main wirkte. Nannte ihn einen „Zukunftsgestalter“ und „Macher“, dessen Zuverlässigkeit auch die Kontrahenten geschätzt hätten. Bekannte erinnerten sich gern an Kutschfahrten mit Wildhirt sowie an seine Kochkünste. „Er ist seinen Weg sehenden Auges gegangen, hat ein gutes und reiches Leben gehabt“, resümierte Kaestner.

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Seinem besten Freund erwies der frühere Oberbürgermeister Gerhard Grandke die letzte Ehre. Erzählte von ihren gemeinsamen Zeiten an Bach- und Theodor-Heuss-Schule, früher Politisierung bei den Jusos, Wildhirts Wahl in die Stadtverordnetenversammlung im Jahr 1977 und seiner Arbeit im Jugendwohlfahrtsausschuss. Er habe den Grundstein zum Umbau der Stadt gelegt. Grandke erwähnte die Route der Industriekultur, den Grünring von Main zu Main, Kulturpreis und Kulturempfang, Kunstansichten und Haus der Stadtgeschichte, Gefahrenabwehrverordnung und Rückgewinnung des Büsingparks für die Bürger. „Das war keine Funktionsfreundschaft, sondern eine echte“, schloss Grandke sehr persönlich. SPD-Chef Felix Schwenke gedachte des Vorgängers, der 22 Jahre an der Spitze der örtlichen Genossen gestanden hatte, länger als jeder andere nach dem Zweiten Weltkrieg. „Du hast die Partei dauerhaft regierungsfähig gemacht“, sagte er. In der Stadt, „die dir so am Herzen lag und die du verändert hast“, habe Stephan Wildhirt „mit Beharrlichkeit und großem Einsatz etwas geschaffen, das bleibt“.

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