Zahlen der Wirtschaftsförderung zeigen kontinuierliches Wachstum

Der Traum von 3500 Kreativen

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Offenbach - Offenbachs Wirtschaftsförderer verleihen ihrer Kommune schon seit längerem das Prädikat „Kreativstadt“. Nun zeigen die Zahlen, dass es sich gelohnt hat, 2007 von der Universität Trier erarbeitete Empfehlungen konsequent umzusetzen. Die Branche wächst. Von Rebecca Röhrich

Seit etlichen Jahren zieht es immer mehr „Kreative“ im weitesten Sinn nach Offenbach: neben Künstlern und Designern, die oft der Hochschule für Gestaltung zu verdanken sind, Werbeagenturen, IT-Firmen und Gesellschaften, die sich schöpferisch dem Thema Geld nähern. 2007 wollte die Stadt die Entwicklung wissenschaftlich begleiten lassen. Die Universität Trier erstellte ein Gutachten über Art und Anzahl der Kreativschaffenden. Daraus ableitend erstellte eine Forschungsgruppe um Ulrike Sailer, Professorin für Raum- und Umweltwissenschaften, eine Handlungsempfehlung, wie der Zuwachs an kreativen Unternehmen von städtischer Seite weiter gefördert werden könnte: durch Vernetzung, Imagepflege und Institutionalisierung. Die städtische Wirtschaftsförderung hat nach eigenen Angaben seitdem diese Empfehlungen fleißig umgesetzt. Acht Jahre später kommt ihr Bericht zur Entwicklung der Kreativwirtschaft bis 2013 zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Oberbürgermeister Horst Schneider und Amtsleiter Jürgen Amberger stellten ihn gestern vor.

So waren 2007 in Offenbach 1345 kreative Unternehmen gemeldet, 2013 standen 2967 im Gewerberegister. Vor allem Grafik-, Design- und Modefirmen haben um 18 Prozent zugelegt. Die Unternehmen der Kreativwirtschaft hätten sich mehr als verdoppelt, freut sich Amberger. Auch die Steuereinnahmen aus diesem jungen Zweig seien nicht zu verachten: 140 Betriebe hätten 2013 eine Million Euro Gewerbesteuer in die klammen Stadtkasse gespült. „Diese Zahlen sind zwar nicht repräsentativ, gehen aber auch nicht an der Lebenswirklichkeit vorbei“, so Amberger.

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

Besonders Dienstleistungsunternehmen wie Werbeagenturen oder Unternehmensberater stünden finanziell gut da. Laut Klassifikation im Gutachten gelten auch Finanzberater und IT-Unternehmen als Kreative. Vor allem die Vernetzung der Firmen gilt den Verantwortlichen als gut gelungen. So steckt die Stadt 58 000 Euro in eine Stiftungsprofessur an der HfG, in Veranstaltungen und bundesweite Mitgliedschaften in Fördermaßnahmen. „Wir haben kein Budget, um große Aktivitäten zu planen, aber wir unterstützen private Projekte“, sagt Amberger. Für eine Veranstaltungsreihe spendierte die Stadt den Beamer. Amberger ist sich sicher: Unter diesen Bedingungen könne Offenbach in den nächsten Jahren auf mehr als 3500 Kreativunternehmen kommen. Allerdings gehe nichts ohne die Bürger. „Die sind die Hefe im Teig unserer Stadtentwicklung“, findet OB Schneider. Auch er ist optimistisch, was den Strukturwandel in seiner Stadt anbelangt: „Ich bin noch nicht zufrieden, aber happy.“

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