Traum komplett, Geld noch nicht

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Als Modell schon greifbar nah und als echtes Bauwerk vielleicht schon Ende März am Nordring zu sehen: Das Kulturzentrum „Hafen2“, später quasi der „Hafen2 II“.

Offenbach - Mittlerweile ist es amtlich: Der einstige Lokschuppen der Hafenbahn wird nächsten März der Neubebauung des Hafenareals weichen. Und damit muss auch das dort in den vergangenen Jahren etablierte Kulturzentrum umziehen. Von Claus Wolfschlag

Wohin und mit welchem Finanzierungsmodell, das wurde am Sonntag bei einer Spendengala öffentlich. Eine große Schar „Hafen2“-Freunde versammelte sich am Kulturzentrum, um geschlossen zum neuen Standort zu marschieren. Der Zug folgte einem roten Wagen mit dem Aufdruck „Poptruck“ und der Musikerin Anna Kaluza, die das Saxophon blies, als wäre sie die Rattenfängerin von Offenbach.

Der Neubau wird am Nordring, an der Einmündung zum Goethering, entstehen, in unmittelbarer Nähe der Diskotheken „MTW“ und „Robert-Johnson“. Bislang beherrschen noch matschige Erde und große Pfützen das Gebiet. Doch das ehrgeizige Ziel lautet, den Neubau bereits bis zum 31. März errichtet zu haben. Auch wenn das der anwesende und sichtlich irritierte Oberbürgermeister erst nicht recht glauben wollte.

Kristian Hüsen von Frankfurter Büro „Kontext Architekten“ erläuterte den Besuchern das künftige Konzept aus einer großen Halle, einem Café und einem Foyer mit mehreren Zugängen. Die Halle wird etwa 240 Quadratmeter Saalfläche umfassen, das Café etwa 65 Quadratmeter Nutzfläche. Das multifunktionale und später erweiterbare Haus wird über eine barrierefreie Eingangsrampe und eine Lüftungszentrale mit Wärmerückgewinnung verfügen. Die zurückgesetzte Lage, der Blick aufs Wasser sowie ein umfangreich gestaltetes Grüngelände werden wohl über die klobige Dachkonstruktion des neuen Gebäudes hinwegtrösten.

Oberbürgermeister Horst Schneider erwähnte denn auch in seiner Ansprache die Bedeutung des Kulturzentrums für Offenbach und erklärte den Neubau in Anlehnung an die anwesende Jazzband „baustelle No.5“ zur „Baustelle No.1“. Egal, was das Darmstädter Regierungspräsidium verlautbare, frohlockte er, der Haushalt der Stadt sei genehmigt: „Das Leben geht weiter. Diese Stadt bleibt regierbar.“ Bald werde der Spatenstich für die ersten Wohngebäude im Hafengebiet erfolgen, 2015 dann hoffentlich die Finanzierung für den Neubau der Hochschule für Gestaltung stehen. So entstehe ein heterogenes Hafengebiet, das zu Offenbach passe.

330 000 Euro wird die Vorfinanzierung des „Hafen2“-Neubaus kosten. Mitbetreiberin Andrea Weiß, die soeben ihre Tochter Rike geboren hat, berichtete vom Auf und Ab ihrer Gefühle nach Bekanntwerden der Summe: „Das ist gar nicht so viel, dachte ich erst. Am nächsten Tag dachte ich, dass das furchtbar viel ist.“ Sie werde „Rotz und Wasser heulen“ wenn der „Hafen2“-Lokschuppen abgerissen wird. Zumal kein Neubau dem architektonischen Flair des alten Gebäudes das Wasser reichen könne. Zugleich freue sie sich aber auch auf das neue Grüngelände und darauf, dass nun die nächsten 20 Jahre Sicherheit für die Institution „Hafen2“ herrsche. Aus einem provisorischen würde somit ein dauerhafter Zustand.

Bis Oktober müssen die 330 000 Euro Vorfinanzierung durch Spenden eingenommen sein, wozu auch eine Versteigerung von Kunstwerken am Sonntagnachmittag beigetragen hat. Bislang sind bereits etwa 127 000 Euro von Privatspendern gesammelt worden. Somit ist Andrea Weiß zuversichtlich, die restlichen etwa 203 000 Euro zusammen zu bekommen, da Firmen und größere Sponsoren bislang noch gar nicht angesprochen wurden.

Die Stadt Offenbach stellt das Grundstück. Als Bauherrin fungiert die Mainviertel GmbH als Tochter der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH). Die Restkosten, eine halbe Million Euro, zahlt der das Kulturzentrum betreibende Verein „Süsswasser“ über 20 Jahre als Mietpacht zurück.

Der Verein ist insofern gegen zukünftige Eventualitäten abgesichert, als er bei Mietausfall nicht von der SOH in Haftung genommen werden kann. Gerüchte über Probleme mit der angrenzenden Party-Konkurrenz des „MTW“ weist Andrea Weiß übrigens von sich: „Wir haben bereits miteinander gesprochen. Und wir befinden uns auch in keiner Konkurrenzsituation, denn der ‘Hafen2’ ist trotz gelegentlicher Tanzveranstaltungen keine Diskothek.“ Im Gegenteil: Es enstünden kulturelle Synergie-Effekte, wenn etwa Besucher des Hafenkinos nach einer Filmnacht ins „MTW“ oder „Robert-Johnson“ weiterzögen.

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