Traurig, aber nicht tragisch

Ende des Bio-Stands Querbeet auf dem Wochenmarkt

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Der Stand von Querbeet befindet sich dort, wo außerhalb der Marktzeit geparkt werden darf (roter Pfeil). Dies hat immer wieder zu Problemen geführt, weil falsch parkende Fahrzeuge den Aufbau des Biohändlers in den frühen Morgenstunden verzögert haben.

Offenbach - Der große regionale Biohändler Querbeet macht Schluss mit Offenbach. Das ängstigt einige Marktfreunde. Diese Angst ist aber, bei genauer Betrachtung, unbegründet. Von Rebecca Röhrich 

Eine Frau packt energisch ihren Einkaufskorb. Gerade hat sie bei Querbeet eingekauft. Reden will sie nicht. „Ich bin richtig sauer!“, ruft sie, während sie von dannen zieht. Grund ihres Zorns: Der Stand ihres Vertrauens auf dem Wochenmarkt hat heute seinen letzten Tag. „Es hat sich einfach nicht mehr gerechnet“, sagt Querbeet-Chef Thomas Wolff. Nach 22 Jahren in Offenbach aufzugeben, sei ihm nicht leicht gefallen. Der Entschluss habe viele Gründe: Zum einen sei die Lage des Stands nicht optimal. „Vorn im Bereich des Markthauses ist sehr viel mehr los“, sagt Wolff. Im hinteren Teil fehle schlicht die Laufkundschaft. Außerdem habe er häufig nicht pünktlich aufmachen können, weil morgens um 6 Uhr noch Autos auf seinem Standplatz gestanden hätten. „Es war immer wieder so, dass drei Verkäufer erst mal zwei Stunden rumstehen mussten, bis sie mit dem Verkauf anfangen konnten“, erzählt er. Außerdem fehle in der Innenstadt eine zahlungskräftige Käuferschicht. Viele Beschicker, meint er, hätten ähnliche Probleme. Vor allem jene, die Angestellte bezahlen müssten hätten und nicht auf Familienmitglieder zurückgreifen könnten.

Laut Werner Hinkelbein, bei der städtischen Wirtschaftsförderung für den Wochenmarkt verantwortlich, hat auch die Käserei Braun, die neben Querbeet angesiedelt war, aufgegeben. Eine gewisse Dynamik sei aber normal, versichert er. Hinkelbein fürchtet nicht um die Qualität des Offenbacher Wochenmarkts. Dafür sei der Wilhelmsplatz auch durch die Gastronomie zu belebt. Für manchen Offenbacher ist jedoch das Ende des einzigen Stands, der biozertifiziertes Obst und Gemüse verkauft hat, ein eindeutiges Zeichen für den Niedergang des Wochenmarkts. „Es besteht die Gefahr des Bedeutungsverlusts“, befürchtet Leser Peter Ambros. Ein anderer wittert reine Profitgier des Biohändlers: „Nennen Sie doch offen den wahren Grund: Es geht um Geld!“

Dass die Abwanderung durchaus monetäre Gründe hat, bestreitet Wolff nicht. „In den letzten Jahren haben wir mit unseren Marktständen in Frankfurt den Stand in Offenbach subventioniert. Tatsächlich zahlen wir hier gerade drauf“, so der Biohändler. Aber nicht alle Stände im hinteren Eck haben Geldsorgen. Schräg gegenüber von Querbeet hat die Vollkornbäckerei Mulinbeck ihren Wagen, und Inhaberin Christiane Häuser-Kilb ist zufrieden. „Der Stand in Offenbach geht gut“, sagt sie. Allerdings vermutet sie, dass sie auch von der Nähe des großen Biostands profitiert hat.

Auch Mulinbeck vertreibt Bioprodukte, allerdings nur Teigwaren. „Jetzt, wo der Synergieeffekt wegfällt, könnte es natürlich sein, dass es auch bei uns schlechter wird“, so Häuser-Kilb. Sie habe aber auf keinen Fall die Absicht, ihren Stand aufzugeben. Auch Heinrich Maus, der mit seinem Kartoffelverkauf Jäger einige Meter weiter am Rand des Markts daheim ist, gibt sich zufrieden mit dem Umsatz. „Es geht mal hoch, mal runter“, sagt er. Neben dem meisten Beschickern sehen auch langjährige Anwohner die Lage entspannt. Peter Heßler wohnt am Wilhelmsplatz und geht regelmäßig auf den Markt. „Samstags kommen immer mehr Leute auf den Markt“, sagt er. Die kämen sogar aus dem Umland und dem weiteren Rhein-Main-Gebiet.

Erzeugermärktchen im Nordend gestartet: Fotos

Wer auf dem nun freien Stellplatz künftig seine Waren feilbieten wird, ist indes unklar. Vermutlich bleibt die Stelle noch eine Zeit lang leer. Laut Wolff soll der Biohändler Ackerlei eine Nachfolge abgelehnt haben. Erika Jakobi aus Heusenstamm jedenfalls hat immer gern bei Querbeet gekauft. „Ich finde das traurig. Die hatten wirklich gutes Gemüse“, sagt sie. „Ihr Stand“ werde ihr fehlen aber man könne ja auch woanders Gemüse kaufen.

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