Traurige Zitronen verteilt

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Wer das Halteverbot ignorierte, um „schnell mal“ sein Kind rauszulassen, erhielt bei der Verkehrssicherheitswoche an der Waldschule eine Zitrone.

Offenbach  - Mittwochmorgen, 7.40 Uhr. Die Waldschüler gehen gemeinsam zu ihrer Grundschule am Brunnenweg. Für den Beobachter ein ganz normaler Morgen. Erstaunlich: Die Autos halten sich an die vorgeschriebene 30-Stundenkilometer-Beschränkung. Von Philipp Bräuner

Das Halteverbot vor dem Schulgelände wird nur vereinzelt missachtet. Es sind Eltern, die ihre Kinder „nur noch schnell absetzen müssen“.

Wie gesagt: Es ist leider nicht der Normalzustand vor den Offenbacher Grundschulen, besonders kurz vor Schulbeginn. „An anderen Tagen sieht es hier ein bisschen anders aus,“ weiß Frank Weber, stellvertretender Ordnungsamtsleiter. „Viele Eltern setzen ihre Kinder im Halteverbot ab oder fahren viel zu schnell den Brunnenweg entlang, den viele Grundschüler überqueren.“

Um dieser weit verbreiteten Praxis entgegenzuwirken, organisierten die Lehrer und Eltern der Grundschulen mit dem Offenbacher Ordnungsamt die alljährliche Verkehrssicherheitswoche. Diesmal beteiligten sich die Waldschule, die Lauternbornschule und Beethovenschule an der Aktion. Die Lehrer entwickelten gemeinsam mit den Eltern Ideen, wie sie die Verkehrssünder auf kreative Weise auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen oder die sich vorbildlich Verhaltenden belohnen. Zusätzlich war das Ordnungsamt zur Stelle, um Verwarnung und Bußgelder an die Falschparker zu verteilen und die Ernsthaftigkeit des Vergehens zu verdeutlichen. An der Waldschule verteilten Schüler Zitronen, bemalt mit traurigen Gesichtern, an jene Eltern, die trotz der Ankündigung der Aktion im Halteverbot stehen blieben.

Nur drei dieser Zitronen überreicht

An diesem Tag wurden aber nur drei dieser Zitronen überreicht. „Dadurch, dass die Aktion schon im Vorhinein angekündigt war, wussten die meisten Eltern bescheid und haben wohl deshalb ihr Kind zu Fuß in die Schule geschickt,“ erkennt Weber darin den Grund des wenigen Fehlverhaltens an diesem Morgen. Die Geschwindigkeitsmessung, die zur selben Zeit direkt vor dem Eingang der Schule vorgenommen wurde, stellte innerhalb einer Stunde immerhin 14 Geschwindigkeitsübertretungen fest. Dies sei aber immer noch weniger als sonst üblich, erklärt Weber.

An der Lauterbornschule war die Zahl der Eltern, die ihre Kinder im Halteverbot absetzten, schon um einiges größer. 17 mal wurden dort Abmahnungen und Bußgelder verteilt, so Weber. Doch statt Fehlverhalten mit Zitronen zu bestrafen, bekamen alle Kinder die Hausaufgaben an einem beliebigen Tag erlassen, die auf das „Taxi Mama“ verzichteten. Sieben Verstöße verzeichnete dagegen die Beethovenschule, die sie mit dem Verteilen von traurigen Smileys ahndete und vorbildliches Verhalten mit Schokoschneemännchen belohnte.

Diese einzelnen Aktionen würden allerdings nicht ausreichen, um das Bewusstsein aller Eltern zu verändern und den Schulweg für die Kinder sicherer zu machen. „An der Beethovenschule findet gleich im Anschluss der Aktionstag ,Zu Fuß zur Schule‘ statt. Solche und ähnliche Aktionen führen die Grundschulen immer wieder über das Jahr verteilt durch, was die Eltern auch dazu bewegen soll, ihre Kinder zu Fuß in die Schule gehen zu lassen,“ lobt Weber das kontinuierliche Engagement seitens der Lehrer und freiwilliger Eltern. „Nicht zu vergessen sind die ehrenamtlichen Helfer der Schülerlotsendienste, die einen nicht zu ersetzenden Beitrag zur Sicherheit der kleinen Grundschüler leisten.“

Weber ist jedenfalls vom Erfolg der Verkehrssicherheitswoche überzeugt, auch wenn weniger Verstöße festgestellt wurden als an sonstigen Tagen begangen würden. „Diese Aktionen werden den Eltern mit Sicherheit im Gedächtnis bleiben und hoffentlich den ein oder anderen zum Nachdenken anregen.“

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