Treff Waldhof: Kleines Haus, große Wirkung

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Rund 150 Waldhofer feierten das 20-jährige Bestehen des Stadtteiltreffs. Das Autokennzeichen, das Peter Heckt in der Hand hält, ist ein Geschenk von Peter Janat.

Waldhof - Es ist ein kleines, unscheinbares Gebäude mitten in Waldhof. Doch seine Bedeutung ist umso größer. Seit genau 20 Jahren ist der Treff Waldhof Anlaufstelle und Treffpunkt für die Bewohner des Ortsteils. Von Veronika Szeherova

Nun feierte er sein Jubiläum mit einem großen Fest, zu dem etwa 150 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an die Ottersfuhrstraße 10 gekommen waren.

Peter Janat vom Arbeitskreis lobte die Kinder- und Jugendarbeit, besonders aber die Gemeinwesenarbeit des Treffs, und übergab als Geschenk ein Autoschild TRE-FF 20. Angelika Nowak von der Kita 14 sprach ebenso wie Jugendamtsleiter Michael Koch und Wilhelm Uhl vom Verein Sicheres Offenbach sein Lob für die jahrelange gute Zusammenarbeit aus. Im Hof wurde gegrillt, die Hüpfburg war aufgebaut, im Foyer gab es von Bewohnern selbstgemachte Salate.

„Von null bis 85 Jahren geht jeder hierher“, sagt Peter Heckt, der seit 17 Jahren im Treff als Sozialarbeiter tätig, sein informeller Leiter sowie Sprecher des Arbeitskreises Waldhof ist. Der Treff habe sich zur festen Institution entwickelt, die zum großen Teil zur Identifikation mit dem Waldhof beitrage, in dem mehr als 40 Prozent der Familien Sozialhilfe beziehen. „Für manche Jugendliche ist es Heimat“, berichtet Heckt.

„Der Waldhof hat die Zusage bekommen“

Im Treff setzen sich Bürger gemeinsam für die Belange des Waldhofs ein und finden so auch Gehör bei der Stadt, wie jüngst bei der Renovierung einiger Fußwege. Ihr Zustand ließ zu wünschen übrig.

Bevor der Treff eröffnete, hatte sich eine Gruppe engagierter Waldhofer zusammengeschlossen, die ein Bürger-, Kinder und Jugendzentrum forderte. „Der Arbeitskreis hat eine Bürgerversammlung zu dem Thema organisiert“, erzählt der Sprecher. Ungefähr zur selben Zeit habe das Jugendzentrum in Bürgel zugemacht. „Der Waldhof hat die Zusage bekommen.“ Dazu habe beigetragen, dass damals viele Spätaussiedler aus Russland in den Waldhof gezogen seien. „Die Bevölkerungsstruktur war schon immer sehr gemischt, aber es gibt keine Probleme zwischen den Nationen“, beobachtet Heckt.

Das Gebäude wurde eigens für den Treff gebaut. Träger der Einrichtung ist der Internationale Bund. Die Aktivitäten werden aus Mitteln der Jugendförderung finanziert. „Eine freiwillige Leistung“, wie der Sozialarbeiter betont. Ohne ehrenamtliche Helfer, die die drei festen Mitarbeiter des Treffs unterstützen, geht es nicht.

In erster Linie ist der Treff ein Jugendzentrum. „In den letzten Jahren wurde er ziemlich stark in Richtung Stadtteilzentrum ausgebaut“, sagt sein informeller Leiter. Regelmäßig finden dort Treffen des Arbeitskreises statt, diskutieren Bürger über Belange ihrer Gegend und planen Aktivitäten wie die Stadtteilreinigung oder den Kita-Fastnachtszug. Dass der Bolzplatz erneuert wurde und in einigen Straßen neue Pflaster verlegt werden, ist dem Einsatz von Bürgern und Arbeitskreis zu verdanken. „Zusammen kann man bei der Stadt mehr bewirken“, weiß Heckt.

Schwerpunkt der Arbeit: Kindertreff

Schwerpunkt seiner Arbeit ist der Kindertreff. Es gibt Bastel- und Kochangebote, Trommelkurse, Mädchen-Tanzgruppe, Hausaufgabenbetreuung sowie Ferienausflüge. Bis zum Alter von zwölf Jahren sind die Geschlechter gleichmäßig verteilt. „Danach sind es im zum Großteil nur Jungs, die moslemischen Mädchen bleiben weg“, bedauert Heckt.

Im Jugendsektor gibt es unter anderem Fahrradwerkstatt, Breakdance- und Trommelgruppen, Bewerbungstraining und Kochen für Jungen. Die Donnerstage sind Mädchen vorbehalten. Für erwachsene Frauen gibt es Aktivitäten wie das Frauenfrühstück und Bildungsangebote.

„Im Waldhof gibt es noch Straßensozialisation“, sagt Heckt und meint dies keineswegs negativ. „Das ergibt sich aus der geschlossenen Lage. Für Kinder und Jugendliche ist es sicher.“ Es gebe verhältnismäßig wenig Kriminalität. „Wenn Waldhofer Scheiße bauen, dann woanders“, berichtet Heckt aus Gesprächen mit der Polizei. „Für die Jugendlichen ist der Treff ein Ort, an dem sie unter sich sein können“, sagt er. Manchmal suchen ihn Eltern auf, wenn sie Probleme mit ihren Kindern haben. So ist der Treff eine Anlaufstelle für Generationen und Nationen. Ein kleines Haus mit großer Wirkung.

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