Gymnasiale Oberstufen: Stadtelternbeirat warnt vor Lehrermangel und Bücherknappheit

Treffen der G-Generationen

Offenbach - Schülern beizubringen, selbst scheinbar unveränderliche Dinge nicht völlig gedankenlos zu akzeptieren, zählt zu den pädagogischen Leitsätzen jeder Schule. Dass kritisches Hinterfragen nicht nur dem Nachwuchs zusteht, demonstriert Offenbachs Schulelternbeirat gerade in Form eines Offenen Briefes an die Chefin des Hessischen Kultusministeriums, Dorothea Henzler. Von Marcus Reinsch

Die Beiratsvorsitzende Silke Fröhlich klagt der Ministerin eine lange Liste elterlicher Sorgen.

Knackpunkt: Im Sommer nächsten Jahres treffen in den drei Gymnasialen Oberstufen Offenbachs erstmals Schüler aus den momentan 11. Klassen der G9-Generation - neun Jahre Gymnasium ab der fünften Klasse bis zum Abitur - und den heutigen 10. Klassen der auf acht gymnasiale Jahre komprimierten G8-Generation aufeinander. Dieses Mehr an Schülern, die nur noch zwei Jahre bis zum Abitur haben, verlange nach einem Mehr an qualifizierten Lehrern, Fachräumen, Lehrmitteln. So schreibt‘s Fröhlich: „Wir brauchen und fordern für die drei Gymnasien der Stadt Offenbach 180000 Euro für Bücher.“

Das mit den Büchern, bestätigt Christoph Dombrowski , kommissarischer Leiter des Leibnizgymnasiums, werde wohl tatsächlich ein Problem. Bisher seien Engpässe auch per Tausch mit dem Rudolf-Koch- und dem Albert-Schweitzer-Gymnasium ausgeglichen worden. „Aber nun werden ja alle ihre Bücher selbst brauchen.“

Eine räumlich nicht mehr zu bewältigende Jahrgangsstärke indes sei am Leibnizgymnasium kaum zu befürchten, glaubt Dombrowski. Das allerdings sei nur dem Umstand zu verdanken, dass die Schule der G8-Regelung mit der Einführung sogenannter D-Zug-Klassen mit eigener Stundentafel schon vor Jahren quasi vorgegriffen und sich somit der letzte G9-Jahrgang auf etwa 90 Schüler reduziert habe. Unterm Strich rechne die Oberstufe im nächsten Sommer also mit etwa 230 statt den bisher üblichen 180 bis 190 Schülern.

Eine Prognose , die eigentlich auch ohne D-Zug-Bonus hätte stimmen sollen. Doch was das Ministerium sozusagen als Puffer für die Folgen des nahenden Jahrgangstreffens vorhersagte - tendenziell rückläufige Schülerzahlen -, kann Dombrowski zumindest in der hiesigen Region nicht erkennen: „Im Moment werden es immer noch eher mehr als weniger Schüler.“

Und von wem die Oberstufler bis zum Abi geleitet werden sollen, sei fraglich. „Wir stellen fest, dass die ursprünglich von Ihnen für das Schuljahr 2009/10 zugesagte Lehrerversorgung von 105 Prozent bei Weitem nicht ausreicht“, erklärt Fröhlich. Das gelte erst recht, „wenn mangels Lehrkräften nur eine finanzielle Gewährleistung greift. Sollen Euro-’Männchen‘ den Unterricht halten? Soll die Rekrutierung der Lehrer alleine den Schulen überlassen bleiben?

Nicht, dass sie‘s nicht versuchen - mit bescheidenem Erfolg. Dombrowski: „Und wenn wir uns die Finger wund telefonieren, es gibt einfach keine Lehrer auf der Rangliste.“ Besagte Liste zählt verfügbare Pädagogen auf, ist aber, was Lehrer für elementare Fächer wie Mathe und Physik betrifft, notorisch leergefegt. Chancen auf die Besetzung aller Stellen? „Ich prognostiziere“, sagt Dombrowski, „dass uns das fürs nächste Schuljahr unmöglich sein wird.“

Also hat der Stadtschulelternbeirat seine Hausaufgaben gemacht und ruft nach verlässlichen Lösungen. Beispielsweise für das Problem mit naturwissenschaftlichen Fachräumen; an den drei Offenbacher Gymnasien seien diese schon umfassend belegt. Oder für das mit den Turnhallen, die für zusätzliche Sport-Leistungskurse nicht ausreichten. Und natürlich seien auch zusätzliche Verwaltungsfachkräfte nötig, damit die Schulleiter endlich wieder zum Lehren kommen.

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