Städtische Wirtschaftsförderung stellt jährlichen Flächenreport vor

Trend zu kleineren Einheiten

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Vom aktuellen städtischen Flächenreport nicht mehr erfasst: Für das Modehaus Sunset an der Waldstraße ist die Sonne untergegangen. Das Billig-Bekleidungsgeschäft im früheren Schmülling-Gebäude sei wohl nicht mit der Offenbacher Konkurrenz klargekommen, vermutet Bernd Baller aus der Besitzerfamilie Schmülling-Baller. Ein weiterer Leerstand im Stadtkern ist aber nicht zu befürchten: Ein Nachmieter wurde schon gefunden, bestätigt Baller. Mit Gigi-Moden zieht ein fast identischer Ersatz des Vorgängers in die Ladenräume ein. Die Neueröffnung ist schon am kommenden Freitag, 30. Oktober.

Offenbach - „Dezent optimistisch“ stimmt den Oberbürgermeister und das Team der Wirtschaftsförderung der Blick auf die Entwicklung des Gewerbeflächenangebots in der Stadt. Basis dieser Einschätzung ist der gestern vorgestellte Flächenreport 2015. Von Matthias Dahmer 

Insbesondere was den Büroraum angeht, kann JürgenAmberger, Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, Positives vermelden: Der Leerstand ist gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, was vor allem auf die Nachfrage nach hochwertigen, aber auch kleinteiligen Büroflächen in attraktiver Lage zurückzuführen ist. Vorbildlich hinsichtlich des Trends zu kleineren Einheiten agieren für Amberger die neuen Eigentümer des ehemaligen Honeywell-Gebäudes am Kaiserlei. Mit 45 Interessenten aus der Kreativwirtschaft führt der Eigner, die Waterfront Grundbesitz GmbH, konkrete Mietvertragsverhandlungen. Weiteres Beispiel ist für den Wirtschaftsförderer der ehemalige Standort der UBS-Bank in der Kaiserstraße, wo der Käufer mit der Modernisierung des Gebäudes eine ähnliche Strategie verfolgt.

Hoffnung setzt Amberger zudem in die neuen Herren des City-Towers. Die werden mit dem oberen Teil der höchsten Immobilie der Stadt 15.000 Quadratmeter Büroflächen vermarkten und haben zugleich – wie berichtet – das Toys’R’Us-Gebäude erworben, um es zu modernisieren und Parkflächen für die Mieter im City-Tower anbieten zu können. Nach jahrelanger Hängepartie ist Offenbachs Wolkenkratzer für Amberger damit „zukunftssicher“. Der Leerstand bei den Ladenflächen ist im Vergleich zu 2014 konstant geblieben. Die Nachfrage insbesondere nach 1A-Innenstadtlagen ist zwar stabil. Doch haben expansionsfreudige Handelsketten ganz klare Vorstellungen: „800 Quadratmeter, ebene Fläche, breite Schaufensterfront“, zählt Jürgen Amberger auf um sogleich zu konstatieren: „So etwas gibt es derzeit nicht.“ Hinzu kommt, das ist dem Report zu entnehmen, dass Hauseigentümer oftmals überhöhte Preisvorstellungen haben, die einer langfristigen Vermietung der Ladenflächen entgegenstehen.

Trotz bestehender und angekündigter Leerstände in der City ist der Leiter der Wirtschaftsförderung für 2016 zuversichtlich. So kommt im nächsten Jahr mit dem Auszug der Spielhalle Bewegung in die ansonsten seit Jahren verwaiste City-Passage. Mit dem Abbruch des Gebäude-Ensembles ist Ende 2016 zu rechnen, eine neue Nutzung ist in Sicht. Und wenn demnächst Saturn den Standort Frankfurter Straße räumt, wird der Eigentümer mit einem neuen Raumkonzept an den Markt gehen, das unter anderem einen neuen Eingang und einen anderen Zuschnitt der Flächen beinhaltet. Der Umbau, schätzt Amberger, wird zwei bis drei Monate dauern. Für Oberbürgermeister Schneider steht fest: „Die Innenstadt lebt und befindet sich in einem ständigen Veränderungsprozess.

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

Bei den Lager- und Produktionsflächen, wo ebenfalls zunehmend Kleinteiligkeit gefragt ist, sank der Leerstand von knapp 40.000 auf 16.718 Quadratmeter. Geschuldet ist das unter anderem der Vermarktung des fast 10.000 Quadratmeter großen ehemaligen Honda-Geländes an der Sprendlinger. Auch die neue Flüchtlingsunterkunft im Kaiserlei – der Mietvertrag mit dem Land läuft über zwei Jahre – mit ihren mehr als 4000 Quadratmetern wirkt sich positiv auf die Leerstandsquote aus. Negative Auswirkungen durch die neue Nutzung auf die Vermarktung des Kaiserlei befürchtet Horst Schneider nicht. Nach wie vor hat Offenbach mit insgesamt 933.000 Quadratmetern Gewerbegrundstücke ein enormes Flächenpotenzial. Das mit mehr als 300.000 Quadratmetern größte Areal ist das Clariant-Gelände. Die Altlasten-Sanierung dort, sagt Amberger, kann in diesem Jahr weitestgehend abgeschlossen werden. 2016 soll Dynamik in die Vermarktung kommen.

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