Trennender Zaun unerwünscht

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Die Initiative Beethovenschule kämpft für die Erhaltung des Schulhofs als Einheit.

Offenbach - Schon Tage, bevor es losging, gab’s lange Gesichter. Groß war die Enttäuschung bei den Kindern, dass nicht alle dabei sein dürfen, dass nur ein kleiner Teil von ihnen in den Rohbau der Aula gelassen wird, um das extra einstudierte Schullied zum Richtfest für den Neubau der Beethovenschule zu singen. Von Matthias Dahmer

Die Brandschutzbestimmungen, sagt Ludger Essing vom Erbauer Hochtief gestern bei der offiziellen Zeremonie, hätten nicht mehr zugelassen. Ob man das nicht anders hätte regeln können, fragen sich einige Eltern zu Recht. Schön und großen Applaus wert ist es trotzdem, was die Schüler zur mit einem Rap gemixten Melodie der 9. Sinfonie des Namengebers ihrer Schule vortragen.

Zumal einige Textpassagen hoch aktuell sind und das aufgreifen, was die Schulgemeinde samt Anwohner mehr bewegt als die Freude über das knapp 22 Millionen Euro teure und höchstwahrscheinlich nach den Sommerferien nutzbare ÖPP-Projekt. Die Frage nämlich, was mit dem großen Schulhof passiert. Klar ist bislang: Ein ursprünglich von der Politik angedachter Verkauf des an die Wohngebäude der Weikertsblochstraße angrenzenden Geländes ist derzeit nicht angesagt. „Ich sehe niemanden, der das noch will“, bekräftigt denn auch Grünen-Fraktionschef und Bauausschuss-Vorsitzender Peter Schneider gestern am Rande des Richtfests. Unstrittig ist mittlerweile, dass dieses Areal sowohl den 450 Beethovenschülern als auch den übrigen Kindern im Musikerviertel zur Verfügung stehen sollte.

Nachmittags als Spielplatz nutzbar

Noch nicht entschieden dagegen ist, ob das großzügige Gelände durch einen Zaun mit großem Tor in zwei Teile getrennt wird. Die südliche Fläche mit Zugängen an Schubert- und Richard-Wagner-Straße wäre dann eine öffentliche, die vormittags von der Schule und nachmittags von den übrigen Kindern des mit Spielflächen nicht gerade gesegneten Viertels genutzt werden könnte. Schulgemeinde und Anwohner sprechen sich deshalb gegen die Trennzaun-Lösung aus. Sie favorisieren einen durchgängigen Pausenhof bis zur Bebauung der Weikertsblochstraße, setzen sich für ihren „alten Original-Schulhof“ ein, wie Rektor Konrad Ertinger in seiner Ansprache formuliert.

„Für den Erhalt des gesamten Grundstücks. Kein Trennzaun an der Beethovenschule!“, ist ein Flugblatt überschrieben, das mit Trillerpfeifen ausgestattete Mitglieder der Initiative Beethovenschule gestern Vormittag vor dem Rohbau verteilen. Ihren Protest haben sie zugleich auf Plakate und Bettlaken geschrieben, die an den Bauzäunen hängen.

Wollen keinen trennenden Zaun auf ihrem Schulhof und sangen beim Richtfest ihr fetziges Schullied: Kinder der Beethovenschule.

Günther Eufinger, Sprecher der Initiative, will es nicht in den Kopf, dass man die Absicht hatte, einen Teil der grünen Oase einer Wohnbebauung zu opfern. Der Verkauf des Areals, sagt er, hätte die finanziellen Probleme der Stadt auch nicht gelöst. Viel wichtiger sei ausreichender Freiraum für ohnehin unter Bewegungsmangel leidende Kinder. Gegen den trennenden Zaun spreche zudem die beabsichtigte Umstellung der Beethovenschule in eine Ganztagsschule, die einen erweiterten Flächenbedarf habe. Im übrigen könnten die umliegenden Horte sowie die Kinder aus der Nachbarschaft das Grundstück nutzen, Konflikte mit dem Ganztagbetrieb sehe man da nicht, so der Sprecher. Nicht zuletzt befürchtet die Initiative, ein trennender Zaun lasse bei möglicherweise geänderten politischen Mehrheiten die Option, das südliche Grundstück doch noch zu versilbern.

Boden muss auf Kriegsbomben untersucht werden

Der öffentliche Druck für die Erhaltung des Geländes als Einheit zeigt offenbar Wirkung: Die CDU hat sich via Pressemitteilung gegen den Trennzaun ausgesprochen, Grünen-Frakionschef Peter Schneider sieht bei dem Thema innerhalb der Regierungskoalition keinen Konflikt mehr, Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß spricht davon, das bekomme man „schon noch gebacken“.

Weiß bezieht sich dabei auch aufs Finanzielle. Etwa 130 .000 Euro müssen in jedem Fall für Bodenuntersuchungen ausgegeben werden, weil im Erdreich um die Schule weitere Kriegsbomben schlummern könnten. Wer eine von der Schule gewünschte und mehr als 300.000 Euro teure hügelige Kletterlandschaft bezahlt, ist noch offen. Da sind Spenden und eine schrittweise Umsetzung im Gespräch. Was die Pflege des Areals angeht, sieht Günther Eufinger keine zusätzliche Kosten. Bei einer Trennung wäre die Stadt für den südlichen Teil verantwortlich gewesen, so könne man den Auftrag an Hochtief erweitern.

Den Beginn des Neubaus der Beethovenschule, zu dem eine Zwei-Felder-Sporthalle gehört, markierte im Sommer 2010 der Abriss des alten Schulgebäudes. Grundsteinlegung fürs Neue war vor sechs Monaten. Seit die Arbeiten laufen, wird in Containern unterrichtet. In der neuen Schule werden auf knapp 8000 Quadratmetern auch eine Cafeteria und ein Stadtteilbüro untergebracht. Hochtief wird für den Betrieb der Immobilie verantwortlich sein, der ÖPP-Vertrag läuft über 22 Jahre.

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