Eigentümer beziehen Stellung, Leser bieten Hilfe an

Treppen-Ärger bei Demenzkrankem: Mobile Stufen eine Lösung?

+
Stufen des Anstoßes: Die Erdgeschosswohnung von Dieter H. (links) hat wegen des abschüssigen Geländes eine Treppe zum Garten. Für Nachbarn ist der Weg kürzer (rechts).

Offenbach - Ein Streit in Bieber bewegt Offenbach: Wie berichtet, müssen die Stufen am Balkon des demenzkranken Dieter H. weg, weil sich die Nachbarn an ihnen stören. Seit Erscheinen des Artikels haben sich etliche Leser bei der Redaktion gemeldet. Von Sarah Neder 

Und die Treppen-Gegner verdeutlichen ihre Position. Über fünf metallene Stiegen gelangt Dieter H. von seiner Eigentumswohnung in den Gemeinschaftsgarten. Fünf Schritte statt fünfzig, die der Demenzkranke aus Bieber mindestens ohne die Treppe bräuchte. Der Umweg ist für den 73-Jährigen gefährlich: Er führt einmal ums Haus, an einer Straße vorbei. Doch er ist für Dieter H. bald die einzige Möglichkeit, ins Grüne zu gehen. Denn die Treppe am Balkon muss weg. Laut Gerichtsentscheid soll sie bis Donnerstag, 21. April, abgebaut sein. Der Grund für die juristische Auseinandersetzung ist ein Beschluss der Eigentümergemeinschaft. Die stört sich an den Stufen, sie seien zu groß, passten nicht zur Optik des Hauses.

Die Treppen-Gegner fühlen sich von unserem Bericht in der vergangenen Woche missverstanden und wollen ihre Position noch einmal verdeutlichen. In einer schriftlichen Erklärung des Verwaltungsbeirats der Immobilie heißt es: „Die Eigentümerin der betroffenen Wohnung hätte sich vorher darüber informieren müssen, dass man nicht einfach, ohne die Eigentümergemeinschaft zu fragen, das äußere Bild einer Wohnanlage verändern darf.“ Außerdem nehmen die Eigentümer zur Notwendigkeit des Gartenzugangs für den Alzheimerpatienten Stellung: „Da er ja gut zu Fuß ist, halt nur nicht mehr alleine und ohne Beaufsichtigung sein kann, ist es ja wohl zumutbar die paar Schritte aus der Parterre-Wohnung in den Garten zu gehen, in Begleitung einer Betreuungsperson, die er ja sowieso braucht.“ Dieter H.s Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, betont, dass sie im Vorhinein nicht über die Rechtslage in einer solchen Eigentümergemeinschaft informiert worden sei. Die Hausverwaltung habe ihr per Mail genehmigt, dass sie eine Treppe anbauen darf. Ohne Kommentar zur Größe.

Nach abgeschmetterter Klage am Offenbacher Amts- und Frankfurter Landesgericht will sich die Frau des Demenzkranken nicht mehr wehren. „Ich werde die Treppe auf jeden Fall abbauen lassen“, sagt sie resigniert. „Da muss man doch noch irgend etwas machen können“, fordert Leserin Barbara Loch-Braun am Telefon. Die Rumpenheimerin möchte Dieter H.s Partnerin ermutigen, nicht aufzugeben. „Vielleicht lässt sich ja eine Unterschriftenaktion starten?“, überlegt sie.

Alzheimer - die Krankheit des Vergessens  

Lesen Sie dazu auch:

Hilfreiche Treppe für Demenzkranken muss weg

Anrufe, Online-Kommentare, Leserbriefe: Die Geschichte um Dieter H. und seinen Gartenzugang bewegt. Viele haben Mitgefühl mit dem Demenzkranken und seiner Frau. Nicht nur in Bieber, sondern in Offenbach. Und sogar im Kreis. Ob per Mail oder via Internet-Kommentaren: Viele stärken der Frau des 73-Jährigen den Rücken. So schreibt eine Leserin: „Ich habe sehr viel Achtung vor dieser Frau H. die eigentlich nur das Leben ihres dementen Mannes etwas erleichtern wollte.“ Die meisten Zuschriften kritisieren jedoch die Beweggründe der Nachbarn, die die Optik der Treppe störe. In Kommentaren im Internet oder in Form von Leserbriefen, drücken viele ihr Unverständnis aus. „Schämen sich die Eigentümer nicht für ihren Grund, den sie da angeben?“ oder „ Ich finde das unfassbar! Was ist das denn für eine Eigentümergemeinschaft?“ heißt es da zum Beispiel.

Zwei Leser bieten sogar konkrete Hilfe an. Etwa Alexander Krippner, der in Langen eine Garten- und Landschaftsbaufirma betreibt. Seine Offerte: „Wenn sich jemand bereit erklären würde, das Material zu stellen, würde meine Firma kostenlos eine Neue Treppe, passend zur Optik des Hauses aufbauen – also Arbeitsstunden und Personal kostenlos stellen“. Ingenieur Michael Schneider bietet an, sich die Gegebenheiten anzusehen und eventuell eine mobile Lösung zu finden. „Wenn man die Treppe abends einklappt, können die Nachbarn nichts sagen“, betont der Fachmann und schiebt hinterher: „Mit etwas gutem Willen, lässt sich da bestimmt was machen.“

Kommentare