„Treten Sie unsere Schule nicht mit Füßen“

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Oberbürgermeister Horst Schneider und Stadtkämmerer Michael Beseler wurden nicht gerade herzlich vor dem Sitzungssaal begrüßt.

Offenbach ‐ Oft wünschen sich die Stadtverordneten etwas mehr Aufmerksamkeit. Kommen dann einmal mehr Besucher als gewöhnlich ins Parlament, ist es auch nicht allen recht. Gestern etwa. Da gerät für die Fraktionen der Gang in den Sitzungssaal des Rathauses geradezu zum Spießrutenlauf. Von Martin Kuhn und Matthias Dahmer

Gut 100 Schüler und Lehrer der Käthe-Kollwitz-Schule äußern am Nachmittag lautstark und massiv ihren Unmut, weil’s mit der notwendigen Sanierung ihrer Schule am Fuße des Buchhügels nicht vorangeht. Ob die gestrigen Sprechchöre und Transparente was bewirken, ist eher unwahrscheinlich. Die lokalen Volksvertreter sind da sozusagen abgehärtet - sie kennen das Prozedere beispielsweise von der Beethovenschule. Und dort wartet die Schulgemeinde bekanntlich weiterhin auf einen Neubau.

Dabei haben sich die Berufsschüler einiges einfallen lassen, um die Aufmerksamkeit der Stadtverordneten zu wecken: „Treten Sie unsere Schule nicht mit Füßen“, stand etwa auf einer Tapete, die ähnlich einem roten Teppich ausgerollt waren. Und natürlich tappen die Parteigänger in diese bildliche Falle... Zudem halten die Schüler, einige in Schutzanzüge gekleidet, Plakate hoch: „Wir wollen Bildung, ihr fördert Krebs.“ „Millionen für die Rüstung, für uns den Asbest.“ Mit im Gepäck haben sie eine verschimmelte Abdeckplatte aus einer Schultoilette, die sie den Politikern präsentieren.

Der Missstand ist hinlänglich bekannt, kocht aber seit dieser Woche wieder hoch. Vereinfacht: Die Stadt möchte keine teure ÖPP-Sanierung, weil die Anbieter gleichzeitig eine Asbest-Entsorgung vornehmen möchte. Lieber setzt man auf eine eher traditionelle Vorgehensweise: Versiegelung der belasteten Bauteile. Eine Lehrerin erinnert vor dem Sitzungssaal daran, dass das alles keine neue Sache ist: „Vor 23 Jahren hatten wir das alles schon einmal. Jetzt gehe ich bald in Pension. Und geändert hat sich immer noch nichts.“

Derweil unterstützt der DGB die Forderung nach einer schnellen und umfassenden Sanierung. Vorsitzender Frank Herrmann fordert: „Es ist unverantwortlich die Beschäftigten und Schüler dem Gesundheitsrisiko durch veraltete Asbestzementplatten auszusetzen. Hier muss die Stadt schnell handeln.

Die Gesundheitsrisiken durch austretende Asbestpartikel seien hinlänglich bekannt. Eine Sanierung der Schule mit Verbleib der Asbestzementplatten ist aus Sicht des DGB keine Lösung. „Eine Zeitbombe. So lange die Platten nicht fachgerecht entfernt sind wird ein gefährliches Spiel mit Beschäftigten und Schülern gespielt.“ Neben der Gesundheit gehe es auch um die Qualität von Lernbedingungen. Herrmann: „Wer gute Lernergebnisse erzielen will, muss auch den Rahmen für erfolgreiches Lernen schaffen. Dazu gehören dann auch die Räume.“

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