Für die Treuen gibt’s den Oskar

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Wie immer ein Fest für Leib und Geist...

Offenbach - „Daran erkennt man, wer in Offenbach die Macht hat: die Vereine, nicht der Oberbürgermeister!“ Horst Schneiders flapsige Feststellung zum Vorpreschen eines EOSC-Vertreters, der sich den Pokal gleich selbst vom Gabentisch nimmt, passt zum 25. Mainuferfest. Von Silke Gelhausen-Schüßler

123 Vereine sind wieder vertreten. Das Viertel von Schloss- bis Speyerstraße, von Mainuferpromenade bis Kirchgasse ist von Samstagmittag bis Sonntagabend wieder fest in den Händen der Ehrenamtlichen. Auch die Bühne im Büsinghof, wo HR-Moderator Roman Janik durchs Programm führt, und der Lilipark, wo der Jazzverein wieder für viele Stunden Musik gesorgt hat.

OB Schneider lobt zur Eröffnung: „Offenbach ist ohne Beispiel in der Republik. Egal was ist, Bürger und Vereine sind da, wenn das Mainuferfest ansteht.“ Als Anerkennung verteilt er „Offenbacher Oskars“ an 29 Vereine, die von Anfang an dabei sind. Einen kriegt auch Matthias Müller. Der Leiter des Amts für Öffentlichkeitsarbeit hat das Fest ins Leben gerufen.

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Mainuferfest zum 25. Mal

Einer, der Müller damals geholfen hat, ist Carlo Enders vom TSC Maingold Casino. Er ist seit 1952 Mitglied im Tanzsportclub und war 44 Jahre Vorsitzender. Ein Produkt der Maingold-Übungseinheiten ist Programmpunkt auf der Bühne, die Hip-Hop-Gruppe „Miracle Generation“. Besondere Ehre für die zehn Tänzerinnen: Demnächst zeigen sie zur Eröffnung der Frauen-Fußball-WM auf einem Main-Ponton ihr Können.

Wie immer ein Fest für Leib und Geist...

Ruhiger geht es naturgemäß bei der Vereinigten Schachgesellschaft von 1880 zu. Sie ist - wie alle Schachvereine - seit jeher stark vom männlichen Geschlecht dominiert, gerade einmal fünf bis zehn Prozent der Turnierspielerinnen sind weiblich, „So ähnlich sieht es auch bei uns aus“, weiß Vorsitzender Ulf Neumann. Da es auch nur wenig Jugend gibt, bietet das Fest zum 25. Mal eine gute Gelegenheit, einen der ältesten Königsspiel-Clubs Deutschlands publik zu machen, damit er nicht irgendwann einmal ein „Verein alter Männer“ wird. Unter dem Pavillon sind elf Spielbretter mit gutem Altersdurchschnitt belegt, Frauen sucht man allerdings vergeblich.

Ebenfalls von jeher eine Domäne der starken Männer: die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW), deren Offenbacher Ableger stets für die Infrastruktur des Fests sorgt, hunderte Meter Strom- und Wasserleitungen verlegt. Gleich neun Unermüdliche bekommen den „Oskar“. Einer von ihnen ist Rainer Möller. Er verrichtet seit 36 Jahren seinen ehrenamtlichen Dienst. 18 Jahre leitete er den angegliederten Helferverein: „Wir arbeiten alle ehrenamtlich und viel im Hintergrund, was der Bürger gar nicht so mitbekommt. Im Jahr haben wir schätzungsweise zwei bis zehn ungeplante und zehn geplante Einsätze.“

Zwischen frittierten Schwarzmeer-Sardinen

Der „Oskar“ am Stand des türkischen Freundschaftsvereins besteht seine erste Belastungsprobe. Zwischen frittierten Schwarzmeer-Sardinen, Samowar und Gözleme trotzt er allen Widrigkeiten. Es duftet verführerisch, die vielen Helfer um Vorsitzende Sebahat Kalin sind unermüdlich im Einsatz gegen hungrigen Mägen. Die Gemeinschaft besteht seit 1983 und ist damit einer der ältesten Migrantenvereine. Kalin wohnt seit ihrem fünften Lebensjahr in Offenbach. Das Programm des nur 50 Mitglieder starken Vereins kann sich sehen lassen: sechsmal die Woche „Schüler-Power“ (Nachhilfe, Hausaufgabenbetreuung), jeden Freitag Treffen, regelmäßiges Mitwirken an Mainuferfest, Fest der Nationen und Interkultureller Woche.

Bedingt durchs unbeständige Wetter werden etwas weniger Besucher als im Vorjahr geschätzt. Das tut der Erfolgsgeschichte des Mainuferfests aber keinerlei Abbruch.

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