Trockengelegte Wasserpraxis

„Wer hilft den Alten und Kranken?“

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Die trockengelegte Wasserpraxis in Offenbach wirft Fragen auf.

Offenbach - Seit Donnerstag ist die frühere Wasserpraxis von Bettina van Nüss nicht mehr nur sinnbildlich trockengelegt. Von Fabian El Cheikh

„Auch das Wasser im Becken wurde jetzt abgelassen“, erfuhr die Betreiberin vom Sana-Klinikum, das nicht bereit ist, notwendige Investitionen in Höhe von angeblich rund einer halben Million Euro für eine Wiederaufnahme des Betriebs zu leisten (wir berichteten).

Die Betreiberin des Bewegungsbades will sich nicht damit abfinden und stellt Fragen, die die einst Verantwortlichen des seinerzeit unter städtischer Regie geführten Krankenhauses wohl kaum hören möchten: „Wie kann es sein, dass für 1,5 Millionen Euro aus Steuergeldern ein Becken gebaut wurde, dass nun brach liegt? Wie kam es dazu, dass nach dem Bau die erforderliche Betriebsgenehmigung offenbar nie erteilt wurde? Und warum wird nun niemand in Regress dafür genommen?“

Dezernent verweist auf Verträge

Fragen, auf die auch die heute Verantwortlichen im Rathaus keine Antworten geben. Der zuständige Dezernent Peter Schneider verweist auf Verträge, die die frühere Klinik GmbH mit Mediclin geschlossen habe, seinerzeit noch unter dem umstrittenen Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt. Die Firma Mediclin (im Besitz des Sana-Mitbewerbers Asklepios) hatte sich nach dem Klinik-Verkauf an Sana Ende August aus Offenbach zurückgezogen.

Nach nicht bestätigten Angaben hatte der Betreiber der Reha-Klinik auf den Bau des Schwimmbeckens gedrängt, es selbst aber nie genutzt und zu Beginn des Jahres an van Nüss vermietet. Bis heute juristisch nicht aufgearbeitet sind auch Vorgänge und Vereinbarungen zwischen Schmidt und Mediclin im Zusammenhang mit der verteuerten Restaurierung der von ihr anschließend genutzten alten Klinikräume (5,2 statt 3,2 Millionen Euro).

Tägliche Wasserproben

Grund der zum Ende September verfügten Stilllegung der Wasserpraxis waren hygienische und gesundheitliche Bedenken. Seit Jahresbeginn habe die Stadt nur auf Betreiben Schneiders hin den Betrieb der Praxis vorübergehend geduldet – unter der Voraussetzung, dass täglich Wasserproben genommen wurden. Schneider betonte noch einmal, dass die vorhandenen Filter- und Entlüftungsanlagen nur für bis zu zehn Patienten am Tage ausgelegt seien. „Darüber hat mich nie jemand in Kenntnis gesetzt“, entgegnet van Nüss. Sie hieß zuletzt bis zu 500 Patienten wöchentlich willkommen, hatte eigenen Angaben zufolge Verträge mit Krankenkassen und sogar Ärzte des Klinikums hätten ihre Patienten zur Wasser-Reha schicken wollen.

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Inzwischen haben sich auch einige SPD-Ortsvereine in die Angelegenheit eingeschaltet: Sie rufen den Magistrat und die SPD-Fraktion auf, alle Möglichkeiten zu prüfen, um eine Lösung zu finden. „Sind Alternativen, etwa im Marienbad, geprüft worden?“, fragen Olav Müller, Harry Neß und Jens Walter. Eine Rückkehr ins Kettelerkrankenhaus, wie auch van Nüss zu hoffen wagte, ist nicht möglich. Das dortige Becken stehe wegen Umbaus nicht mehr zur Verfügung, hieß es gestern auf Anfrage.

Den Zuspruch, den die Biebererin inzwischen von allen Seiten erhält, motiviert sie, dennoch nicht aufzugeben: „Ich hoffe immer noch, mit Sana ins Gespräch zu kommen, vielleicht findet sich ja eine Lösung, dass sich beide Seiten die Kosten teilen.“ Zu ihrem Bedauern habe sie aber noch immer keine Einsicht in das von Sana beauftragte Gutachten zur Sanierung der Technikanlagen bekommen. Verbitterung klingt mit, wenn sie sagt: „Ich habe 15 Jahre lang so vielen Menschen geholfen und jetzt lässt man mich hängen, obwohl es doch letztlich um die Kinder, Alten und Kranken geht.“

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