Trockenheit und enorme Hitze haben Schäden an der Offenbacher Flora hinterlassen

Da wächst kein Gras mehr...

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Die Grünfläche im Büsingpark ist arg mitgenommen von der Trockenheit.

Offenbach - Es ist ein Bild des Jammers: Viele Rasenflächen in Offenbach sind durch die langanhaltende Hitze und Dürre ausgetrocknet. Auch wenn es die vergangenen Tage reichlich geregnet hat, sind im August bis Mittwoch lediglich 23 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen. Von Rebecca Röhrich 

Normal wären 65 Liter. „In Südhessen ist der Boden so trocken wie seit 50 Jahren nicht“, twitterte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am 10. August. Und ein Blick auf die Grünflächen der Stadt bestätigt die Aussage: An vielen Stellen, beispielsweise im Büsingpark, liegt die nackte Erde brach. Von der Wiese sind nur noch traurige Büschel übrig geblieben. Lediglich dort, wo die Bäume steten Schatten gespendet haben, präsentiert sich die Wiese noch in saftigem Grün. Die lange Hitzeperiode hat den Grünflächen der Stadt ordentlich zugesetzt. Sigrid Pietsch von Referat Stadtgrün sieht den „savannenähnlichen“ Zustand der Wiesen mit Sorge. „Da könnte die ein oder andere Grasnarbe zerstört sein“, sagt sie. Sie geht davon aus, dass dieser Sommer einige Trockenheitsschäden hinterlassen wird. Mehr noch als den Parks setzt die Hitze den zahlreichen Grünstreifen in der Stadt zu. Diese liegen in der Regel zwischen zwei asphaltierten Straßen. Dieser Umstand sorge für noch stärkere Erwärmung, erklärt Oliver Gaksch, Sprecher des Stadtdienstleisters ESO. Besonders gebeutelt habe es den Grünstreifen an der Bieberer Straße Ecke Rhönstraße. Da müsse eventuell etwas getan werden. Allzugroße Sorgen solle man sich aber nicht machen, meint Gaksch, viele Pflanzen regenerierten sich von alleine – auch die Rasenflächen in den Parks. Sigrid Pietsch bestätigt, dass jetzt erst mal abgewartet werden müsse.

Auch die Bäume leiden unter der Hitze. Viele fangen bereits jetzt an, ihre Blätter abzuwerfen mit dem Ergebnis, dass – zumindest optisch – so mancher Park ein wenig herbstlich wirkt. „Das kommt vom Hitze- und Wasserstress“, verrät Wetterdienst-Sprecher Gerhard Lux. Die Kombination aus großer Hitze und wenig Wasser führe dazu, dass die Bäume ihr Blattwerk nicht mehr vollständig versorgen könnten und sich deshalb einiger Blätter vor der Zeit entledigten. Im Stadtwald seien viele Setzlinge durch die Dürre eingegangen, berichtet Lux. Gerade Pflanzen deren Wurzeln noch nicht tief in den Boden reichten, wie eben junge Bäume, hätten keine Chance, derart lange Trockenperioden zu überleben. Gegossen wird vonseiten der Stadt nicht. Das wäre zu aufwendig und werde auch in anderen Städten nicht gemacht, meint ESO-Pressesprecher Gaksch.

Nicht auf enorme Trockenheit ausgerichtet

Mit nassen Gaben geholfen werden musste allerdings den alten Kastanien am Wilhelmsplatz. Kastanien und Ahornbäume sind – als Bäume, die gemäßigtes Klima schätzen – nicht auf enorme Trockenheit ausgerichtet. Das ist mit ein Grund, warum die Stadt Offenbach bereits seit einigen Jahren den Baumbestand auf die klimatischen Veränderungen abstimmt. „Wir pflanzen vermehrt Bäume aus dem mediterranen Raum“, berichtet Sigrid Pietsch. Die hielten längere Trockenphasen besser aus als heimische Bäume. So werden bei der Maindeich-Sanierung am Isenburger Schloss neun unterschiedliche Arten angepflanzt. Neben den heimischen Feldahornen und Roteichen werden dort unter anderem die Elsbeere und der japanische Schnurbaum künftig Schatten spenden. Dieser „Artenmix“ soll auch die Gefahr mindern, dass Schädlinge ganze Baumgruppen zerstören. „Die Insekten sind meist nur auf eine Baumart spezialisiert“, erklärt Pietsch. Denn der Klimawandel bringt es auch mit sich, dass vermehrt neue Schädlinge in der Region auftreten. Es kann also sein, dass sich in den nächsten Jahren das Stadtbild insofern verändert, als dass ungewohntes Laub die Alleen und Straßen säumt. „Es wird künftig weniger Kastanien und Ahornbäume geben“, bestätigt Pietsch. „Aber auch keine Palmen“, fügt sie lachend hinzu.

Tief "Christian" wirkt: Auf Sonne und Hitze folgen Gewitter   

Ob heimisch oder Neuzugang: Die Pflanzen der Stadt benötigen dringend Wasser. Der Regen, der in den vergangenen Tagen bis zum Wiedereinzug des Sommers fiel, hat noch lange nicht ausgereicht, um das Defizit des Sommers und vor allem des Frühlings auszugleichen. Da sind sich die Experten einig. „Schön wäre Dauerregen in der Nacht und Sonnenschein am Tag,“ sagt Oliver Gaksch scherzhaft. Es sei doch schade, wenn wir in den letzten Zügen der Sommerferien auf Freibadwetter verzichten müssten.

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