Ende des Ärgers nicht in Sicht

Trödelmarkt am Ringcenter nervt die Anwohner

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Wer echte Flohmarkt-Atmosphäre sucht, ist auf dem sonntäglichen Basar am Ringcenter falsch.

Offenbach - Einmal im Monat steht Hülja Eltioli auf dem Flohmarkt am Ringcenter und verkauft Badehandtücher. Für drei, sieben und neun Euro das Stück. Die Geschäfte laufen unterschiedlich. Was weniger an der Kundenzahl liegt, denn gut besucht ist der Markt immer. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Genauso konstant und umsatzunabhängig ist der Zufriedenheitsgrad der Obertshausener Händlerin: „Es ist doch einfach schön hier, wie auf einem richtigen Basar!“ Diese Meinung teilt sie höchstwahrscheinlich mit tausenden Käufern, die regelmäßig in dem überwiegend aus Neuwaren des Niedrigpreissegments bestehenden Sortiment des Markts ihre Schnäppchen holen. Flohmarktartikel? Fehlanzeige. „Nur eine Reihe da hinten ist richtiger Trödel, der Rest Neuware“, so Eltioli. Womit der Reiz eines Bummels sich für eine andere Klientel erübrigt, die nämlich, die einen Flohmarkt nicht wegen billigen Neu-Ramsches, sondern wegen schöner alter Gebrauchtsachen besucht – und den Basar alles andere als schön findet.

Der Trödelmarkt sorgt regelmäßig für ein Verkehrschaos rund ums Ringcenter.

Genau diese Offenbacher grenzen mit ihren Wohnhäusern im Musikerviertel an den Ringcenter-Parkplatz. Ohne vom Markt zu profitieren, bekommt sie allmonatlich die volle Breitseite des „Center-Basars“ ab: Staus, Verkehrschaos, Lärm, zugeparkte Wohnstraßen und Grünstreifen. Vorgärten und Gehsteige werden als Müllhalden benutzt, ab und an auch als Toilette. Manchmal finden sogar gerade erst erstandene Artikel auf dem Pflaster ihre vorerst letzte Bestimmung, ehe entnervte Anwohner oder die Stadtreinigung sie schließlich in die Tonne befördern.

Flohmarkt nur für Frauen

Seit drei Flohmarkt-Jahren stinkt es den Bürgern gewaltig. Ein Dutzend von ihnen nutzten am Sonntagnachmittag die Gelegenheit der Reihe „Fraktion vor Ort“, um mit Sozialdemokraten des Stadtparlaments über eine Beseitigung dieser und anderer Missstände zu diskutieren. Anna Kristina Tanev und Martin Wilhelm haben zu diesem Zweck ein rot-weißes SPD-Zelt im Garten der Carl-Maria-von-Weber-Straße 2 aufgebaut. Es gibt Kaffee, Tee und Kuchen. Ohne Schönfärberei geht es gleich zur Sache. „Die Absperrschranken helfen nicht. Die Leute fahren trotzdem in die Straße! Warum steht keiner daneben und kontrolliert die Autos?“ - „Zur Stoßzeit von elf bis 15 Uhr kann man nicht mal zum Kuchenholen wegfahren. Man kriegt einfach keinen Parkplatz mehr!“ – „Wie oft darf das Ringcenter das eigentlich machen? Gibt’s da keine Vorschrift?“

Absperrungen in den Nebenstraße werden von vielen motorisierten Besuchern des Markts ignoriert.

Fragen, die Ordnungsdezernent Felix Schwenke nicht ad hoc beantworten kann. Doch das Wut-Rauslassen zeigt zumindest Wirkung. Der Stadtrat versichert: „Jetzt haben mich Ihre Nöte wirklich erreicht. Ich werde dafür sorgen, dass der mit dem Markt beauftragte Sicherheitsdienst mehr und länger kontrolliert.“ Auch eine Überprüfung des Bebauungsplans verspricht er. Darin stehen Vorschriften, ob und wie oft das Ringcenter seinen Parkplatz für solche Zwecke vermieten darf. Dass sein Handeln nicht rechtens ist, sei aber sehr unwahrscheinlich: „Dann wäre das Ordnungsamt schon eingeschritten“, so Schwenke.

Flohmarkt in Hausen: Trödelverkauf seit 31 Jahren

Eigentlich gab es ja zu Beginn der Markt-Ära eine Ortsbegehung mit dem Geschäftsführer des Centers, dem Betreiber der Weiß-Märkte und Martin Wilhelm als Vertreter der Politik, die genau diese Probleme verhindern sollte. Leider hat das nicht gefruchtet. „Beispielsweise sollte neben jeder Absperrschranke ein Mitarbeiter stehen, was nicht umgesetzt wurde“, so Wilhelm. Er will sich um ein neues Treffen bemühen. Die Bürger selbst müssen unterdessen nicht tatenlos zusehen. Schwenke regt an, doch Unterschriften zu sammeln, „damit es nicht heißt, dies seien nur die Meckereien einzelner Querulanten“.

Die drei weiteren Probleme nahmen im Zelt weit weniger Platz ein, zu emotionsgeladen war das Flohmarkt-Thema. Es ging um die Einbahnstraßenöffnung für Fahrräder, fehlende Mülleimer an der Beethovenschule und mehr Geschwindigkeitskontrollen in den 30er-Zonen. Beim letzten Punkt gibt es sofort eine klare Zusage von Anna Kristina Tanev: „Das wird umgesetzt!“

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