Neue Flora im Rumpenheimer Schlosspark muss mit zunehmender Hitze klarkommen

Offenbach: Trompetenbaum soll Ahorn folgen

Rumpenheim Schlosspark Zarenlinde
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Der Weg zur Zarenlinde (Hintergrund) ist mittlerweile angelegt und gut genutzt. Sven Rosenkranz (Stadtplanung), Albrecht Schaal und Barbara Vogt (Büro Grün³, von links) betonen, dass der Teil des Schlossparks zur „Naturschutzecke“ werden soll.

Wie geht’s weiter mit dem Schlosspark in Rumpenheim, der seine Ursprünge im 17. Jahrhundert hat? Antworten dazu sind mannigfach skizziert und festgehalten worden. Belegt: Francke-Plan, Eberth-Plan, Jordan-Plan. Dienlich ist der Sache keinesfalls, dass Interessen des Natur- und Artenschutzes mit teils denen kollidieren, die den Charakter des Parks als „denkmalgeschützten englischen Landschaftspark“ erhalten wollen. Jetzt kommen noch drei trockene Sommer hintereinander dazu... Über Zustand und Entwicklung des Schlossparks informieren Verwaltung und das beauftragte Büro Grün³.

Drei Varianten zur Bewässerung 

Bei der Bewässerung der vorgesehenen Neupflanzungen im Schlosspark könnte der Main das notwendige Nass liefern. Im Rathaus möchte man sich aktuell darauf nicht festlegen, zumal das Wasser- und Schifffahrtsamt in Aschaffenburg stets ein Wort mitzureden hat. Ein Ingenieurbüro prüft daher drei Varianten: Nutzung von Regenwasser des Schlosses (rund 2300m² Dachfläche) mittels einer Zisterne, Anzapfen eines Brunnens in der Breite Straße, um Grundwasser zu ziehen oder Nutzung des Mainwassers. Unabhängig davon ist eine Wasserringleitung unter dem Hauptwegenetz des Parks geplant. Diese wird rund 1000 Meter lang sein und hat ein Dutzend Entnahmestellen in Form von Unterflurhydranten.

Offenbach - Der informative Rundgang lockt am Dienstagnachmittag gut zwei Dutzend Rumpenheimer in den Park. Die Fachleute erläutern das sogenannte Gehölzentwicklungskonzept, das über zehn Jahre greifen soll. Was in der Vergangenheit eher langsam vorangegangen ist und von der lokalen Bürgerinitiative stets kritisiert wurde, könnte jetzt etwas schneller gehen: Den Charakter des Schlossparks stärker betonen.

Ein Viertel des Baumbestandes musste gefällt werden

Die gefühlte Tempoverschärfung liegt im Wassermangel begründet. Seit 2018 musste etwa ein Viertel des Baumbestandes gefällt werden. Dabei hat die fehlende Artenvielfalt erheblichen Anteil: Der Anteil der Ahornbäume beträgt gut 60 Prozent; etwa 80 Prozent der Fällungen betraf Ahornarten, die aufgrund der anhaltenden Trockenheit anfällig für Rußrindenkrankheit wurden und abgestorben sind. Aber auch die im Schlosspark vorkommenden Buchen, Ulmen und Eiben sind betroffen.

Die Schwierigkeit für die Grünplanung fasst Stadtrat Paul-Gerhard Weiß so zusammen: „Wir brauchen einen Baumbestand, der zum historischen Park passt und der Hitze trotzen kann.“ Das ist eine Aufgabe des beauftragten Büros Grün³. Albrecht Schaal und Barbara Vogt erhalten fürs mündlich Vorgetragene viel Zustimmung der Teilnehmer: Krautpflanzen, Strauchflächen, wenige, einzelne Bäume, dabei allerdings deutlich mehr Arten: Trompetenbaum und Maulbeerbaum, Heckenkirsche und Pfaffenhütchen.

Offenbach rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro

Dabei müssen sich alle an neues Vokabular gewöhnen: Die früher oft beschworenen Sichtachsen (Vogt: „Klingt zu statisch.“) sind heute Sichtöffnungen oder Sichtbezüge, hinzu gekommen sind Aufhügelungen und Abgrabungen. Die Planer haben zwölf Quartiere benannt, die sie nach und nach in Angriff nehmen möchten. Im ersten Schritt (in den kommenden drei Jahren) vorgesehen sind der Bereich an der Platanen-Reihe (östlicher Seitenflügel des Schlosses) und der sogenannte Hohlweg. Geschätzte Kosten für den gesamten Park: ungefähr 1,5 Millionen Euro.

Dabei stets im Fokus, neben der angestrebten Artenvielfalt: Denkmalpflegerische (historische Parkanlage) und naturschutzrechtliche (Landschaftsschutzgebiet) Belange sind zu berücksichtigen. Was seit jeher mit Konfliktpotenzial einhergeht, möchten die Planer jetzt in einem Parkteil konzentrieren – rings um die Zarenlinde am südöstlichen Ende des Parks, die seit gut einem Jahr über einen neuen Rundweg zu erreichen ist. „Das ist unsere Naturschutzecke“, sagt Landschaftsarchitekt Albrecht Schaal. Bedeutet: In diesem etwas abgeschirmten Parkteil kann Totholz liegen bleiben. Da ist einer jener Punkte, die in der Vergangenheit oft zum Disput geführt und sich eher nachteilig auf die Fauna ausgewirkt haben.

Im Schlosspark fehlt es auch an Totholz

Um das Vorkommen von Tierarten sowie Biotopsstrukturen auf den neuesten Stand zu bringen, erfolgt bis Ende des Jahres eine Artenschutzuntersuchung durch die Planungsgesellschaft Natur und Umwelt (PGNU). Eine der Erkenntnisse bislang: Die Anzahl und das Artenspektrum an Totholzkäfern (etwa Stachel- oder Blatthornkäfern), die für gesunde Ökosysteme von großer Bedeutung sind, sind eher gering. „Zurückzuführen ist dies auf den geringen Bestand an langfristig verbleibendem Totholz im Schlosspark“, sagt Biologe Andreas Malinger. Und gerade im Sommer gebe es so gut wie keine blühenden Pflanzen, die Insekten und damit Fledermäusen und Vögeln Nahrung bieten könnten.

Von Martin Kuhn

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