Trost gegen Trauer ums Frei-Sortiment

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Kleider-Freis Traditionshaus ist zum kleinteiligeren Geschäftshaus geworden.

Offenbach - Es gibt diese bei ungezählten Anlässen abgenutzte, aber allemal tröstliche Floskel vom Ende, dem ein Anfang innewohnt. Sie kann auch mit Blick auf das Ende, das sich an der Ecke Bieberer Straße/Waldstraße ankündigt, nützlich sein. Von Marcus Reinsch

Die ursprünglich nur für die Dauer des anfangs auf ein Jahr kalkulierten Umbaus seines Offenbacher Stammhauses ins Standort-Exil des Heusenstammer Gewerbegebiets umgesiedelte Institution „Kleider-Frei“ mit ihrem breiten Bekleidungssortiment wird zwar nicht wiederkommen. Das hat sich von einer vorsichtigen Andeutung längst zur Gewissheit entwickelt. In die Wehmut über den Abgang eines der letzten großen Traditionsgeschäfte in der Offenbacher Innenstadt darf sich aber Optimismus mischen, dass die Wiederbelebung der Top-Immobilie der Familien Frei und Keck zwischen Wilhelmsplatz und Fußgängerzone nun tatsächlich kurz bevorsteht.

Die für den rund 9 Millionen Euro teuren Komplett-Umbau zuständige Projektgesellschaft GMO („Geschäftshaus Marktplatz Offenbach“) peilt den 13. Oktober, einen Donnerstag, für die Einweihung an. Das wird quasi der offizielle Festakt. Einige der neuen Mieter werden dann allerdings bereits eröffnet haben. Nach Thomas Kecks Informationen könnte Depot, die Wohnausstattungs-Kette der Gries Deco Company, schon am 25. August die Türen einer rund 850 Quadratmeter Verkaufsfläche großen Filiale im Erdgeschoss und im ersten Stock aufschließen.

Ebenfalls für Mitte/Ende August wird der Startschuss für eine Personalberatungsgesellschaft für möglich gehalten und spätestens für September der für eine Zahnärztin im noch zu etwa einem Viertel unvermieteten Büro- und Praxenteil des Komplexes. Im Oktober wollen dann noch Keck selbst und einige Partner auf ebenfalls 850 Quadratmetern mit einer Dependance des Sport- und Freizeitausstatters Intersport folgen - ab März ergänzt durch ein noch nicht spruchreifes zusätzliches Angebot.

Keinesfalls zu vergessen eine große Filiale des schon gegenüber dem Rathaus mit einem Geschäft sehr erfolgreichen Edel-Friseurs Peter Caligari, dem Offenbacher Statthalter des Promi-Figaros KP Ochs. Im Ex-Frei soll’s ein „Color-Salon“ mit puristischer und hochwertiger Ausstattung werden, in dem, wie Caligari sagt, „Talente“ Kundenwünsche zu bezahlbaren Preisen erfüllen. Also junge Kreative, die entweder kurz vor Ende ihrer Ausbildung bei Caligari und in der Frankfurter KP-Ochs-Schule stehen oder in den ersten Gesellenjahren sind. „Das Konzept ist auf jeden Fall seinen Preis wert“, verspricht der Meister.

Platz im neuen Geschäftshaus bleibt dann noch für eine kleinere Filiale des Herrenbekleiders Brax. Der Umbau der nicht mehr unter dem in Offenbach zur Marke gewordenen Namen „Frei“ firmierenden Immobilie selbst wird nach Kecks Einschätzung noch sechs bis sieben Wochen in Anspruch nehmen. Im Außenbereich des nun elegant gerundeten Gebäudes stehen noch Pflasterarbeiten aus, im Innern noch einige technische Gewerke. Vor allem aber sei es die auch für erfahrene Baufirmen anspruchsvolle Fassade gewesen, die für Verzögerungen gesorgt habe, sagt der Geschäftsmann.

Bewegung in der innerstädtischen Ladenlandschaft deutet sich derweil auch am östlichen Ende der Frankfurter Straße an. Dort will das renommierte Schuhhaus Dielmann im Spätsommer oder Herbst in die von ihm erst im Januar verlassene Immobilie zurückkehren - nach grundlegender Renovierung des Domizils und, das lässt sich aus einem kürzlich eingereichten Bauantrag schließen, einem Umbau. Zugemacht hatte das in Darmstadt ansässige Unternehmen seine etablierte Offenbacher Filiale vor einem halben Jahr, weil sich seine Vorstellungen in Sachen Mietpreis offenbar nicht mit denen der Gebäudeverwaltung auf einen gemeinsamen Nenner bringen ließen. Das scheint sich geändert zu haben. Geschäftsführer Thomas Dielmann selbst war bisher nicht für Details erreichbar.

Nur wenige Meter weiter bereitet sich die Schmuckboutique „Carusel“ langsam auf ihren Umzug vor. Sie will die sogenannte Walter-Passage hinter dem Telekom-Shop verlassen und künftig am Marktplatz zwischen Schwanen-Apotheke und Bäcker Heberer gelegenen Geschäft mit einem erweiterten Angebot einer höheren Kundenfrequenz begegnen. Der Laden ist momentan zwar noch als Wahlkampfrepräsentanz für den CDU-Oberbürgermeisterkandidaten Peter Freier vermietet. Aber das erledigt sich ja ab 4. September.

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