Verkaufsoffener Sonntag

Trotz Konkurrenz behauptet

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Hoch hinaus auf dem Aliceplatz: Während sich die Geschäfte über Umsatz freuten, vergnügten sich die Kinder am Bungee-Seil.

Offenbach - Schon auf Ebene zwei jede Menge Platz. Doch das täuscht. Parkhäuser sind vermutlich kein guter Indikator, für das, was in der Innenstadt los ist. Zumindest in Offenbach, zumindest gestern gegen 13 Uhr. Von Matthias Dahmer

Denn in den Geschäften im dekorativ mit silbernen Blumenkübeln markierten Karree, sprich der Offenbacher City, ist an diesem verkaufsoffenen Sonntag anlässlich des Handwerkermarkts alles andere als gähnende Leere zu registrieren, bilden sich so zwei, drei Stunden nach Beginn um 12 Uhr teilweise auch mal Schlangen an den Kassen.

Das ist keine Selbstverständlichkeit, ist die Konkurrenz angesichts ebenfalls geöffneter Läden etwa in Hanau oder Neu-Isenburg doch groß. Unterm Strich darf deshalb bilanziert werden: Offenbach hat sich trotz Verzichts auf ein aufwändiges Beiprogramm behauptet im Shopping-Haifischbecken der Region.

Traditionell gut: Der Andrang bei M.Schneider. Die Kundschaft stöbert, wird beraten und – ganz wichtig – sie kauft. So kann Geschäftsführer Stefan Becker am Ende des Tages auch resümieren: „Wir sind zufrieden.“ So ab 13 Uhr sei es losgegangen, die Kundenfrequenz bewege sich etwa auf Vorjahres-Niveau. Auch Becker weist auf die Konkurrenz-Veranstaltungen im Umland hin.

Nicht minder attraktiv

Stöbern beim Bücherflohmarkt von Thalia im KOMM.

Offenbar nicht minder attraktiv: das Angebot bei der Galeria Kaufhof. In der Damenabteilung, gleich an der Rolltreppe steigert ein Gläschen Sekt die Kauflaune, und wie fast überall hat der potenzielle Käufer mehr Zeit gestern, wirkt weniger gehetzt. Bester Beleg dafür: Auffällig viele Männer lassen sich von ihren Partnerinnen geduldig beraten beim Kauf von Anzug oder Outdoor-Jacke. „Das Haus ist voll“, freut sich am späteren Nachmittag Galeria- Abteilungsleiter Gunther Boy. Nach schleppendem Beginn sei davon auszugehen, dass sich die Umsätze wohl etwa in Höhe des Vorjahres bewegten.

Als Kundenmagnet erweist sich zudem das KOMM. Mit vollen Einkaufstaschen rasten die Besucher in den Cafés des Shopping-Centers, scharen sich große und kleine Eisenbahnfans um die im Untergeschoss aufgebaute Bahn. Erstaunlich gut frequentiert – gerade so, als hätte die städtische Bildungsoffensive schon gefruchtet – ist der Bücherflohmarkt von Thalia. Die Center-Leitung bilanziert kurz vor Torschluss: „Rappelvoll, an den Aufzügen stehen die Kunden Schlange, und auch im Parkhaus ist kaum noch was frei.“ Aber nicht nur die Platzhirche profitieren. Auch die Ketten mit dem billigeren Angebot, wie zum Beispiel New Yorker, der gegenüber von M.Schneider so etwas wie ein Kontrastprogramm zum Modehaus bietet, können sich nicht beklagen. So gesehen kann festgehalten werden, dass Offenbach mit einem erstaunlich breiten Angebot glänzt. Allein die Aussicht, dass WMF in der Großen Marktstraße im Frühjahr dicht macht, trübt etwas das Bild.

Bustauziehen beim verkaufsoffenen Sonntag in Hanau

Bustauziehen beim verkaufsoffenen Sonntag

Um den rechtlichen Vorgaben eines verkaufsoffenen Sonntags zu genügen, hat sich die Stadt einen umherziehenden Handwerkermarkt geangelt. Dem entsprechend fehlt dessen Verwurzelung in Offenbach. Die Resonanz der flanierenden Besucher auf die wenigen Stände ist eher verhalten, vor allem Kinder bewegen ihre Eltern zu einem Stopp bei Schmied oder Holzschnitzer aus Rumänien. Immerhin: An den zum Markt gehörenden Essens-Ständen läuft es besser, lediglich das „Bowle-Paradies“ leidet irgendwie unter der Jahreszeit.

Jenseits des Karrees ist die Kundschaft schon sichtbar ausgedünnt. Auf dem nur wenige Schritte entfernten Wilhelmsplatz verbreitet das vom Wind verwehte Laub sonntägliche Tristesse. Eine Einbindung des Areals in den Shopping-Sonntag wäre vielleicht eine Überlegung wert. Vielleicht kommt sie ja mit dem umgestalteten Marktplatz...

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