Auch im Winter schadet Fütterung

Trügerische Vogel-Idylle

Offenbach ‐ Es schnattert und gurrt von allen Seiten. Majestätisch ziehen Höckerschwäne ihre Kreise, die Nilgänse und Stockenten watscheln über den verschneiten Boden, während Lachmöwen geschickt durch die Lüfte jagen. Das Mainufer an der Carl-Ulrich-Brücke lässt die Herzen von Vogelfreunden höher schlagen und die Nähe der Stadt vergessen. Von Veronika Szeherova

Kein Wunder, dass diese Naturidylle die Menschen anlockt. Auch im Winter sind dort viele Familien mit Kindern, und die meisten von ihnen füttern die Vögel. „Es ist doch toll, hier so nahen Kontakt zu den Tieren aufzubauen“, meint Sonja Simonovic. Die Mutter einer 19 Monate alten Tochter genießt, dass sie mit ihrem Kind etwas unternehmen kann, das beiden Spaß macht. „Sonst kann man ja im Winter nicht viel machen, und der Kleinen fällt zuhause die Decke auf den Kopf.

Doch so schön die Fütterung der halbzahmen Wasservögel auch ist: Sie ist verboten. Und das nicht ohne Grund, erklärt Biologe Dr. Klaus Richarz, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte: „Die Vögel können gar nicht so viel Futter aufnehmen, wie ins Wasser gelangt. Dadurch verschlechtert sich die Wasserqualität auch im Winter dramatisch.“ Nicht gern gesehene Tiere wie Ratten würden so gleich mitgefüttert.

Durch das einfache Herankommen an Futter überleben auch solche Wasservögel den Winter, die sonst von der Natur wegen Schwäche oder Krankheit ausgesondert würden“, erklärt der Experte.

So komme es zu einer künstlichen, ungewollten Überpopulation, die für die Tiere Stress bedeute. Vor allem bei den Kämpfen ums Revier und um einen Paarungspartner. „Wenn sich mehrere paarungsbereite Erpel auf eine Ente stürzen, kann es passieren, dass sie dabei ertrinkt“, so Richarz. „Eine indirekte Folge von Überfütterung und leider falsch verstandener Tierliebe.

Rubriklistenbild: © Britsch

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