Tschüss Grundschule!

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Der Wechsel auf eine weiterführende Schule ist für Kinder ein einschneidendes Erlebnis. Um es ihnen leichter zu machen, sollten Eltern Schulen, die in Frage kommen, vorher gemeinsam mit dem Kind besichtigen.

Offenbach - Neue Fächer, neue Mitschüler und neue Anforderungen: Egal, ob Mädchen und Jungen nach der Grundschule auf das Gymnasium, die Real-, Haupt- oder Gesamtschule gehen – mit dem Übergang in die fünfte Klasse ändert sich plötzlich alles.

Wenn die Grundschule endet, stehen viele Eltern vor der Frage, welche weiterführende Schule die richtige für ihr Kind ist. Ganz einfach ist es nicht. Der Abschied von der Grundschule ist für alle Beteiligten ein einschneidendes Ereignis. Viele Kinder finden sich nach den Sommerferien an einer riesigen Schule voller älterer Kinder wieder. Und Eltern schießen bei der Einschulung ihrer Kinder viele andere Gedanken durch den Kopf: Wird mein Kind einen guten Abschluss machen? Was, wenn es in der Schule nicht mithalten kann? Wird mein Kind an der weiterführenden Schule glücklich? Fragen über Fragen, die meist nicht eindeutig zu beantworten sind, sondern von vielen verschiedenen Faktoren abhängen.

Selbstverständlich wollen alle Mütter und Väter für ihr Kind den bestmöglichen Bildungsweg wählen. In den meisten Fällen sind sich Eltern und Lehrkräfte auch einig, und die Entscheidung für eine bestimmte Schulart ist kein großes Problem: Das Arbeitsverhalten eines Kindes, seine Noten und Leistungen sowie die Einschätzung der Eltern und Lehrkräfte ergeben ein einheitliches Bild.

Wer entscheidet, wo ein Kind am besten aufgehoben ist?

Vor der Anmeldung ist es ratsam, die Schule gemeinsam mit dem Kind persönlich in Augenschein zu nehmen. Die meisten Schulen bieten entsprechende Informationsveranstaltungen wie einen „Tag der offenen Tür“ an. Hier können Klassenräume, technische Ausstattung der Lehrräume, Zustand und Sauberkeit der Gebäude und - wenn an einem „richtigen Schultag“ veranstaltet - auch Lehrer und künftige mögliche Mitschüler in Augenschein genommen werden. Doch Vorsicht! Geht man nur nach der Selbstdarstellung der Schulen am Informationsabend, wartet auf die Kinder überall das Paradies. Pädagogik-Professorin Katrin Höhmann wurde nach Tipps gefragt, worauf Eltern achten sollten, wie sie noch mehr über die Schule erfahren können. Die Informationsveranstaltungen der Schulen sind ihrer Meinung nach eine gute Gelegenheit, um die richtigen Fragen zu stellen. Zum Beispiel, wie viel Prozent der Fünftklässler noch in der zehnten Klasse ankommen. „Wenn an der Schule in diesem Zeitraum die Hälfte der Schüler abgegangen ist, leistungsschwächere Kinder also nicht mitgenommen und eingebunden wurden, zeigt dies die Haltung der Schule: Bei einem falschen Elite-Gedanke siebt sie lieber aus, statt zu fördern“, so Höhmann. Und welche Fragen können Eltern noch stellen, um hinter die Fassade zu blicken? Der Rat der Pädagogin: „Lassen Sie sich schildern, was für konkrete Förderangebote es für schwächere Schüler gibt. Ob sich Lehrer über einzelne Kinder austauschen, vielleicht sogar Teams eine Klasse betreuen.“

Diethelm Sannwald vom Beratungszentrums-Mitte beim Diakonischen Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau empfiehlt Eltern, erst einmal anzuerkennen, dass so ein Schulwechsel eine Herausforderung darstellt. Zumal wenn das Kind vielleicht auf eine Schule wechselt, wo es niemanden oder kaum jemanden kennt. Der Leiter der Beratungsstelle in Dietzenbach: „Dann können Kinder unter Umständen nicht gleich durchstarten, sondern brauchen Zeit und Verständnis von Seiten ihrer Eltern, bis sie sich in die neue Situation eingefunden haben. Es klingt banal, ist dafür aber nicht weniger richtig und wichtig: Reden hilft. Wenn das Kind von der Schule heimkommt und jemand da ist, der sich dafür interessiert, wie der Tag war, ohne das Kind auszufragen, der freundlich Anteil nimmt auch an schwierigen Gefühlslagen, dann ist das enorm hilfreich und entlastend für ein Kind.“

Schulanfänger 2013 in Offenbach

Schulanfänger 2013 in Offenbach

Weniger hilfreich ist nach Angaben von Sannwald eine elterliche Haltung nach dem Motto „so, jetzt ist Schluss mit lustig, nun beginnt der Ernst des Lebens!“ Das verursache Stress – und zwar bei allen Beteiligten: „Besser ist es, wenn es auch auf der weiterführenden Schule lustig bleiben darf, denn wenn man Spass hat, lernt man besser. Das ist wissenschaftlich erwiesen.“

(psh)

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