„Tue Gutes und sprich darüber“

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Hans-Jörg André, Inhaber vom Musikhaus André in Offenbach, Herbert Raab, Chef vom Gesundheitsdienstleister medpoint in Mühlheim, und der Geschäftsführer der Hansen-Werbetechnik in Dreieich, Erhard Sobeck (von links nach rechts), berichten über das gesellschaftliche Engagement ihrer Firmen.

Kultur und Sport sind Felder, auf denen sich Firmen traditionell engagieren - auch in Stadt und Kreis Offenbach. Der Geschäftsführer der Hansen-Werbetechnik GmbH in Dreieich, Erhard Sobeck, berichtet im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach, warum seine Firma Jugendliche unterstützt.

Herbert Raab, Unternehmer vom Gesundheitsdienstleister medpoint und dem Hösbacher Dental-Labor in Mühlheim, setzt sich in dem Gespräch nachdrücklich für ein neues Kickers-Stadion ein. Und Hans-Jörg André, Inhaber vom Musikhaus André, sagt, warum Frankfurter nach Offenbach kommen.

Herr André, in welchem Bereich ist ihre Firma tätig?

André: Naturgemäß geht es bei unserem Traditionsunternehmen um Musik. Es wurde 1774 in Offenbach gegründet und hat sich von Anfang an mit Musik beschäftigt. Und in dieser Tradition sehe ich mich auch als Inhaber in der siebten Generation. Alles, was in Offenbach mit Musik zu tun hat, interessiert mich. Und in bestimmten Projekten bin ich besonders engagiert. Dazu zählt die Jazzsession Offenbach. Das ist ein Bürgerprojekt, das sich das Ziel gesetzt hat, in Offenbach gute musikalische Aufführungen zu etablieren. Das ist verbunden mit einer Session. Das bedeutet, dass Musiker spontan miteinander spielen. Wir versuchen, örtliche Musiker, insbesondere den Nachwuchs in Verbindung zu bringen mit herausragenden Musikern. Das Konzert geht in die Session über.

Raab: Ich bin selbst Sänger und unterstütze mehrere Gesangsvereine zum Beispiel mit Notenmaterial. Heute habe ich nicht mehr die Zeit zum Singen. Ich engagiere mich aber als Konzertmoderator. Ich stelle dem Publikum die Beiträge vor. Kultur ist allerdings nicht nur Musik und Theater. Kultur ist für mich auch Unternehmenskultur, Kommunikationskultur.

Sobeck: Firmen stellen sich heutzutage nicht so separat dar. Die Mittelständler sind in der Region eingebunden. Wir haben uns dann gefragt, wo wollen wir uns engagieren? Da wir seit Jahren Jugendliche in mehreren Berufen ausbilden, sind wir zum Thema Jugend gekommen. Wir unterstützen beispielsweise beim deutschen Designer Club in Frankfurt als Fördermitglied die Ausbildungsarbeit. Wir unterstützen auch die Kunsttäter in Oberursel. Das ist ein Verein, der straffällig gewordenen Jugendlichen die Möglichkeit gibt, statt die Strafe im Gefängnis abzusitzen sich in einer Art sozialen Dienst zu engagieren. Über die Bildhauerei wird ihnen der Zugang zu Kreativität und Kunst und zu sich selbst eröffnet. Die Werke sind teils in Oberursel ausgestellt. Zum Beispiel der „Verdrehte“ aus Holz und der „Schlangendrache“.

Engagieren sich Ihre Firmen auch im Sport?

Raab: Wir sind ein Mittelständler und versuchen, unsere lokalen und regionalen Vereine zu unterstützen. Mir liegt seit Jahren der Budo-Club in Mühlheim am Herzen. Der Sportclub hilft Kindern mit Glasknochen. Er wird von uns nicht nur mit Geld, sondern auch mit Präsenz unterstützt. Wir sind bei den Wettkämpfen vertreten und ich selbst gehe zu Preisverleihungen. Wir helfen auch dem Verein „Rettet Kinder, rettet Leben“. Ich sehe mich als Mittelständler verpflichtet, diese Arbeit finanziell zu unterstützen.

Da wir in der Zahntechnik tätig sind, engagieren wir uns zum Beispiel auch beim TV Steinheim in der Handballabteilung und in anderen Abteilungen von Handballern. Sie bekommen von uns den Mundschutz, denn Zähne wachsen nicht nach, und zwar in ihren Vereinsfarben und mit ihren Initialen. Wir sind zudem Business-Partner bei TV Großwallstadt. Dort sind wir speziell für die Jugendförderung aktiv.

Es ist zwar ein heißes Kapitel, dass in Offenbach zu sagen, wir sind aber auch bei Eintracht Frankfurt engagiert. Da muss man allerdings leidensfähig sein. Wir verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen. Und: Ich komme aus Pirmasens. Der dortige Verein FK Pirmasens leidet wie viele Fußballoberligavereine. Die werden aber auch heute noch von mir unterstützt, weil mich manche Menschen als Jugendspieler unterstützt haben.

Sobeck: Wir wollen im Sport, gerade wenn alle aussteigen, ein Zeichen setzen. Nicht jeder, der mit seinem Rad unterwegs ist, ist ein Dopingsünder. Bei dem Rennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ am 1. Mai sind wir offizieller Werbetechnik-Partner. So haben wir dazu beigetragen, dass das Rennen überhaupt weiter existiert. Und mit dem Velociped-Club Frankfurt haben wir eine eigene Jugendmannschaft in der Bundesliga, die U19 - für unter 19-Jährige. Da geben wir jungen Menschen die Chance, im Team Erfahrungen zu sammeln. Die fahren in der Woche hunderte bis tausende Kilometer bei Wind und Wetter, um sich als Persönlichkeiten zu entwickeln und erfolgreich zu sein.

Werden die Mitarbeiter bei Ihren Aktivitäten eingebunden?

Raab: Hinter allen Sozialengagements steht die ganze Truppe. Nicht nur die Mitarbeiter-Teams müssen dahinter stehen, auch die Familien. Der Mittelstand wird von den Familien geprägt.

Sobeck: Wir leben das von unten nach oben. Wenn die Mitarbeiter nicht integriert sind, kann ich nicht erwarten, dass sie in ihrer Freizeit für das Unternehmen tätig sind und es repräsentieren. Wir lassen auch die Auszubildenden Projekte leiten und umsetzen, damit sie Kontakt zu den Menschen aufbauen können.

André: Unsere Mitarbeiter sind immer dabei. Manche Veranstaltung findet ja direkt bei uns statt. Wir veranstalten zum Beispiel ein Hofkonzert, um die Kultur und die Wirtschaft zu verbinden. Solche Projekte funktionieren bei unserer Unternehmensgröße nur mit Hilfe der Mitarbeiter.

Warum greifen Ihre Firmen Sportvereinen und Veranstaltern von Konzerten unter die Arme?

Raab: Das ist ein gesellschaftspolitisches Engagement. Natürlich können wir Mittelständler uns nur engagieren, wenn die Unternehmenskultur und die Ergebnisse stimmen. Wichtig ist das strategische Marketing. Die Frage ist, wie binde ich alle ein, um Erfolg zu haben.

Spielt die Wirkung in der Öffentlichkeit eine Rolle?

Raab: Sie spielt eine große Rolle. Bei unseren Messen beispielsweise wird der Bedarf im Gesundheitsmarkt geweckt. Der zweite Gesundheitsmarkt beispielsweise für Zahnersatz befindet sich außerhalb der gesetzlichen Krankenkassen. Also muss man die Menschen darauf aufmerksam machen. Tue Gutes und sprich darüber. Wichtig sind die Informationen.

Herr Sobeck, warum engagieren Sie sich?

Sobeck: Wir leben alle in einer Gesellschaft. Es hilft natürlich allen, wenn man qualitatives Engagement lebt, wenn man sich und seinem Unternehmen ein Profil gibt. Sie haben es so schön gesagt, Herr Raab: Tue Gutes und sprich darüber oder lass' andere darüber sprechen. Es ist hilfreich, wenn Unternehmen in unserer immer raueren wirtschaftlichen Welt etwas zurückgeben können. Wir reden immer über Sponsoring in der Formel 1. Ich glaube, Mittelständler sorgen dafür, dass das Vereinsleben überhaupt noch existiert. Allerdings sollten wir nicht vergessen, dass es Menschen in unserer Gesellschaft schlechter geht als vielen Vereinen. Ich finde es traurig, dass wir in Deutschland eine so hohe Kinderarmut haben, es kann auch nicht sein, dass Eltern und Freiwillige in ihrer Freizeit, in öffentlichen Gebäuden und Schulen renovieren.

Kultur und Sport kommen in Deutschland offenbar ohne Hilfe der Wirtschaft nicht aus. Ein Armutszeugnis?

Raab: Ich empfinde es nicht als Armutszeugnis. Die Gesellschaft ist doch gefordert. Ich bin der Meinung, wir dürfen nicht immer nach dem Staat rufen. Wir müssen uns alle stärker engagieren.

André: Nein, im Gegenteil. Es ist doch schön, wenn man mitmachen darf als Wirtschaftsunternehmen. Das hat positive Effekte. Kommunalgesteuerte Sachen gehen manchmal in ganz extreme Richtungen, die dann nur ein kleines Publikum finden. Da kann die Beteiligung von Unternehmen gut ergänzen.

In welchen Bereichen müssen nach ihrer Ansicht Stadt und Kreis Offenbach bei den Themen Kultur und Sport mehr tun?

André: Ich bin mit der Entwicklung in Offenbach eigentlich sehr zufrieden. Es geht auf jeden Fall aufwärts. Wir haben wieder ein sinfonisches Orchester. Das Capitol wird wieder bespielt. Wir haben sogar Theateraufführungen. Das gab es seit meiner Jugendzeit nicht mehr. Die positive Entwicklung muss natürlich fortgesetzt werden. Ich finde es zum Beispiel nicht gut, dass es im Haus der Stadtgeschichte noch keine Dauerausstellung zu Mozart gibt, die ist allerdings in Planung. Ich spüre einen Kulturhunger der Menschen in Offenbach, die sagen, die Stadt hat doch was zu bieten.

Raab: Wir brauchen ein ordentliches neues Stadion für die Offenbacher Kickers. Das ist auch ein Mittelstandsthema. Beim Bau kommen die hiesigen Handwerksbetriebe zum Zug. Mit einem neuen Stadion könnten wir auch Events nach Offenbach holen. Das Stadion soll nicht nur von den Fußballern, sondern von allen Gesellschaftsschichten genutzt werden. Dafür müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Teamgeist, Leistungsbereitschaft, Freude am Erfolg - gerade der Sport wird mit solchen Begriffen in Verbindung gebracht. Ist Ihr Engagement für den Sport auch mit ideellen Zielen verbunden?

Sobeck: Tugenden, die mit dem Sport verbunden werden, lassen sich auch mit dem Unternehmertum darstellen. Ein Radsportteam ist nur so gut wie der einzelne und der einzelne ist nur so gut wie die Gruppe. Es muss ein Trainer da sein. Man muss sich an einem Vorgesetzten orientieren. Diese ideellen Ziele im Sport haben sehr viel mit dem zu tun, was es auch in Unternehmen gibt.

Raab: Natürlich ist Idealismus die Basis. Wir in unserer Gesellschaft müssen weg von der Ansicht, dass Eigennutz vor Gemeinnutz kommt. Ethik und Moral müssen wieder gelebt werden. Im Mittelstand geht es nicht ohne Idealismus.

André: Die Initiativen, die ich begleite, haben ideelle Ziele. Der Anspruch ist, Jugendlichen zu helfen, gute Musik nach Offenbach zu holen, Gastronomie für musikalische Darstellungen zu öffnen. Es ist auch gelungen, durch die Jazzsession Offenbach regelmäßig viele Frankfurter nach Offenbach zu holen. Im Umkehrschluss gibt es auch Vorteile. Kunden kaufen bei mir ein und nicht im Internet. Und sie sagen, ich finde es toll, dass sie sich in der Region für die Musik engagieren.

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