Trauer und Mitgefühl im Netz

Zehntausende fordern Verdienstkreuz für Tuğçe

Offenbach - Eine junge Frau zeigt Zivilcourage und muss dafür sterben: Der Fall Tugce A. sorgt für Betroffenheit weit über die Region hinaus. Auch Prominente und Politiker äußern ihr Mitgefühl im Internet. Zehntausende fordern in einer Online-Petition das Bundesverdienstkreuz für Tuğçe.

In einer Internet-Petition fordern zehntausende Menschen nach dem Hirntod der Studentin Tugce A. das Bundesverdienstkreuz für die junge Frau. Bis jetzt (Stand 17.30 Uhr) haben mehr als 60.000 Menschen die Petition unterzeichnet. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat diesen Gedanken heute Nachmittag aufgegriffen und will Bundespräsident Joachim Gauck den Vorschlag unterbreiten. Nach Erkenntnissen der Polizei hatte Tugce versucht, einen Streit in einem Schnellrestaurant in Offenbach zu schlichten. Auch der Manager aus dem niederbayerischen Ergoldsbach, Dominik Brunner, war nach seinem tödlichen Einsatz als Streitschlichter in München vor fünf Jahren posthum mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte gestern Berichte über den Hirntod von Tugce A. bestätigt. Die Klinik habe mitgeteilt, dass die Ärzte am Mittwochmorgen den Hirntod bei der 22-Jährigen festgestellt hätten, sagte ein Sprecher der Behörde. Die Angehörigen der jungen Frau müssen nun entscheiden, ob und wann die Maschinen an ihrem Krankenbett abgeschaltet werden. Der hessische Landtagsabgeordnete Ismail Tipi teilte mit, dass die Eltern morgen die Geräte abschalten lassen wollen

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Ein 18-Jähriger soll die Lehramtsstudentin in den frühen Morgenstunden nach einem Streit auf einem Parkplatz vor dem Lokal mit einem Schlag niedergestreckt haben. Dabei fiel Tugce A. mit dem Kopf auf einen Stein und erlitt schwerste Verletzungen. Der 18-Jährige sitzt in U-Haft und schweigt. Familienangehörige und Freunde von Tugce hatten sich nach ersten Berichten über den Hirntod der jungen Frau am Krankenhaus versammelt und ihre Trauer geteilt. Tugce würde am morgigen Freitag ihren 23. Geburtstag feiern, Freunde rufen deswegen zu einer Mahnwache vor dem Klinikum morgen um 18 Uhr auf. Auf Facebook haben sie außerdem ein rührendes Video veröffentlicht, auf dem Tugce A. bei ihrer Abifeier ihr Lieblingslied auf dem Klavier spielt. Auch ein Sportverband reagierte auf die Nachricht vom Hirntod der 22-Jährigen: Der Kreisfußballausschuss Offenbach hat beschlossen, dass bei allen Senioren-Fußballspielen auf Kreisebene eine Schweigeminute gehalten wird.

Im Internet überschlagen sich derweil die Beileidsbekundungen für die Familie. Zahlreiche Menschen - darunter bekannte Prominente und Politiker -verleihen in Sozialen Netzwerken ihrem Mitgefühl Ausdruck und bekunden Respekt vor der Zivilcourage von Tugce A. Doch es gibt auch Aufrufe zu Selbstjustiz, einige fordern eine harte Bestrafung für den Täter, der Fall hat eine Debatte über den Umgang der Justiz mit Gewalttätern ausgelöst. Bilder des Täters werden im Internet weiterverbreitet, für besondere Empörung bei vielen Menschen sorgt die Tatsache, dass Bekannte und Freunde des Täters auf Facebook die 22-Jährige verhöhnen und ihr eine Schuld an der Auseinandersetzung geben.

Mahnwache für Tugce A.

Mahnwache für Tugce A.

Auch zahlreiche Prominente äußern auf Facebook ihr Mitgefühl, so schreibt der Offenbacher Rapper Haftbefehl: „Ein trauriger Tag - mein tiefstes Beileid an die Familie von Tugce!“ Fernseh-Moderator Daniel Aminati richtet sich auf Facebook mit persönlichen Worten an das Todesopfer: „Liebe Tugce, es tut mir so unfassbar leid, was dir widerfahren ist. Wenn ich mir dein Bild so anschaue, kann ich nur erahnen wer du gewesen sein musst. Sehr sympathisch, das Herz am rechten Fleck, eine Person, mit der man Pferde hätte stehlen können. Was ja auch deine Courage zeigt, die Du bewiesen hast, als du 2 Frauen zu Hilfe geeilt bist, die von mehreren Männern bedrängt wurden. Jetzt, 11 Tage später, erklären Dich die Ärzte nach der heftigen Prügelattacke eines 18-jährigen Schlägers für hirntot. Du bist gerade mal 22 Jahre jung und hattest bestimmt ein gutes Leben vor Dir, dessen bin ich mir sicher! Ich hoffe sehr, dass du deinem Peiniger verzeihen kannst und deine Seele so zur Ruhe kommt. Und irgendwann, da lernen wir uns an einem friedlichen Ort kennen.“ Und der bekannte Rapper Eko Fresh schreibt: „R.I.P. Tugce, Du bist meine Heldin!“

Sportkommentator Frank Buschmann fordert auf Twitter Konsequenzen: „Es ist unglaublich, Tugce A. wird ihren 23. Geburtstag nicht erleben, weil sie Zivilcourage gezeigt hat. Bitte mehr Gewaltprävention.“ CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der wie Tugce A. aus Gelnhausen kommt, verleiht seiner Wut auf seiner Homepage Ausdruck: „Das macht viele Menschen nicht nur bei uns in Gelnhausen, sondern in ganz Deutschland unsagbar traurig. Und jetzt ist die Zeit zu trauern. Andere reden schon über Schuld und die Frage, wie es dazu kam, dass der junge Mann zuschlug. Ich bin der Meinung, es kann überhaupt keine Erklärung oder gar Entschuldigung für eine solche Tat geben. Es ist aus meiner Sicht nahezu egal, was in dem Lokal genau geschehen ist. Brutal zuschlagen, so zuschlagen, dass jetzt eine junge Frau tot ist, zeigt, dass wir nach der Trauer dringend mal darüber reden müssen, was junge Leute zuhause oder anderenorts für Werte vermittelt, oder besser gesagt, nicht vermittelt bekommen, dass sie so etwas tun. Mich macht das nicht nur fassungslos, mich macht das neben all der Traurigkeit ehrlich gesagt auch wütend.“

Mahnwache für Zivilcourage und Nächstenliebe

(nb/dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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