Vierter Tag im Ticker

Tugce-Prozess: „Komm doch her, Du kleiner Hurensohn!“

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Darmstadt/Offenbach - Am vierten Prozesstag um den Tod der jungen Studentin Tugce Albayrak sollen die Freunde des Angeklagten Sanel M. aussagen. Wir berichten im Ticker über die Ereignisse vor Gericht:

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Vier von insgesamt zehn angesetzten Prozesstagen sind nun absolviert. Die weiteren geplanten Termine: der 22., 27. und 29. Mai sowie der 3., 12. und 15. Juni.

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Weiteres interessantes Detail einer Zeugenaussage: Nach mehreren Gläsern Whiskey und einigen Kurzen sei Sanel M. „richtig besoffen“ gewesen. „Wir haben uns die Birne weggehauen“, sagt ein Zeuge. Aber laufen hätten sie trotzdem noch können.

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Der 18 Jahre alte Sanel M. machte bei der Aussage seiner Freunde einen äußerlich ruhigen Eindruck.

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Der Vorsitzende Richter Jens Aßling schien bei manch einem Zeugen aus dem Umfeld von Sanel M. fast die Geduld zu verlieren: „Sie machen es einem auch wirklich ausgesprochen schwierig“, meinte der Aßling zu einem Zeugen, der nicht konkret werden wollte. „Muss ich Ihnen denn alles aus der Nase ziehen?“

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Die weiteren Freunde von Sanel M. wurden ebenfalls angehört. Sie beriefen sich jedoch öfter auf Erinnerungslücken. Auch auf Nachfragen vor allem von Kammer, Staatsanwaltschaft und Nebenklage machten sie zudem widersprüchliche Angaben.

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Im Laufe das Tages sollen noch drei weitere Kumpel des Angeklagten gehört werden.

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Der erste Zeuge sagte aus, dass Sanel M. vor der tödlichen Eskalation des Streits zwischen den zwei Gruppen bereits am Auto gewesen und dann nach Beleidigungen aus Tugces Clique noch einmal umgedreht sei. Es sei ihm gelungen, seinen Freund, der „ordentlich getrunken“ habe, ein paar Mal zurückzuhalten.

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Sanel M. soll mit den Worten „Komm doch her, Du kleiner Hurensohn!“ provoziert worden sein. Der Angeklagte habe Tugce daraufhin mit der rechten Hand auf die linke Kopfseite geschlagen. Tugce sei direkt umgekippt. Er habe angenommen, sie sei ohnmächtig. „Ich habe nicht gedacht, dass es eine so schwere Kopfverletzung ist“, sagte der Schüler vor Gericht. „Es war ein Schlag mit der flachen Hand, da konnte nicht viel passiert sein.“

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Ein Freund von Sanel M. hat ausgesagt, die damals 22-jährige Tugce habe ihren Angreifer kurz vor dem Schlag beleidigt. Sie sei auf dem Parkplatz eines McDonalds-Restaurants in Offenbach, zwei, drei Meter schnell auf Sanel M. zugelaufen, sagte der 18 Jahre alte Zeuge vor dem Landgericht Darmstadt.

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Bilder zum Tugce-Prozess in Darmstadt

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Der Darmstädter Prozess um den gewaltsamen Tod der Studentin Tugce konzentriert sich weiter auf die Vernehmung von Zeugen. Für heute sind ab 9 Uhr vier Freunde des Angeklagten Sanel M. geladen. Erwartet wird am vierten Verhandlungstag des Landgerichts auch der junge Mann, der noch versucht haben soll, den Angeklagten vor dem tödlichen Schlag zurückzuhalten.

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Der 18 Jahre alte Sanel M. ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Er hatte zum Prozessauftakt eingeräumt, auf dem Parkplatz neben einem Schnellrestaurant in Offenbach der 22-Jährigen im November vergangenen Jahres einen heftigen Schlag ins Gesicht versetzt zu haben. Tugce stürzte, zog sich erhebliche Kopfverletzungen zu und fiel ins Koma, aus dem sie nicht mehr erwachte.

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Freundinnen von Tugce sind bereits vernommen worden, Begleiter von Sanel M. auch. Alle berichteten von Beleidigungen. Die Freundinnen sagten, die Gruppe des Angeklagten hätte damit angefangen, ein Begleiter des 18-Jährigen behauptete das Gegenteil. Das Gericht hat insgesamt 60 Zeugen geladen. Das Urteil fällt voraussichtlich im Juni.

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dpa

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