Anwalt äußert sich erstmals öffentlich

Tugce-Schläger Sanel M. „tut es leid“

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Offenbach - Der Anwalt von Sanel M. hat sich erstmals öffentlich zu der Straftat seines Mandanten gegen Tugce Albayrak geäußert. Dem Offenbacher Jugendlichen soll die Tat demnach leid tun. Stephan Kuhn findet zudem, es gebe gute Gründe Sanel M. auf freien Fuß zu setzen.

Anfang Februar wird im Fall Tugce Albayrak wohl Anklage gegen den mutmaßlichen Täter Sanel M. erhoben. Das bestätigte der Offenbacher Staatsanwalt Axel Kreutz unserer Zeitung. Da es sich um ein Jugendstrafverfahren und um einen Fall mit besonders großem öffentlichen Interesse handelt, wird mit Vorrang ermittelt. Verhandelt wird voraussichtlich vor dem Landgericht in Darmstadt.

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Sanel M., der Verdächtige in dem Fall, sitzt in einem Gefängnis in Wiesbaden. Bislang ist gegen den 18-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt worden. Die tödliche Verletzung ist nach ersten Ermittlungen durch den Aufprall von Tugces Kopf auf den Asphalt verursacht worden. Es wird wohl nach Jugendstrafrecht verhandelt. Seit gestern liegt der Staatsanwaltschaft in Offenbach der offizielle Obduktionsbericht schriftlich vor. Auch der Anwalt des Mandanten hat sich nun erstmals öffentlich zu der Straftat geäußert. „Es tut ihm leid“, sagte Stephan Kuhn der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagsausgabe). Sanel M. soll den Tod von Tugce niemals gewollt haben, hat sich kurz nach der Tat sogar schriftlich bei den Eltern entschuldigt. Zudem gab er gegenüber Ermittlern an, die Studentin geohrfeigt zu haben, nachdem er beleidigt wurde. 

„Lebensmittelpunkt in Offenbach“

Wie bereits berichtet, hat sein Anwalt auch eine Entlassung aus der Untersuchungshaft beantragt. In der nächsten Woche, am 4. Februar, soll ein Haftprüfungstermin am Amtsgericht Offenbach stattfinden. Generell wird bei Haftprüfungsterminen nach drei Punkten geschaut: Besteht dringender Tatverdacht? Liegen Haftgründe vor wie Verdunkelungs-, Wiederholungs- oder Fluchtgefahr? Drittes Kriterium ist - besonders bei Jugendlichen - die Verhältnismäßigkeit. Der Haftbefehl kann komplett aufgehoben oder unter Auflagen außer Vollzug gesetzt werden. Anwalt Stephan Kuhn findet, es gebe gute Gründe Sanel M. auf freien Fuß zu setzen. Er glaubt nicht, dass der polizeibekannte Jugendliche das Land verlassen würde. „Unser Mandant hat seinen Lebensmittelpunkt in Offenbach. Dort leben und arbeiten seine Eltern, dort sind seine beiden jüngeren Geschwister und seine Freunde, dort hat er sein bisheriges Leben verbracht“, sagte der Anwalt.

Sollte Sanel M. nächste Woche freigelassen werden, wird die Polizei wohl für den Schutz des jungen Mannes sorgen müssen. Er hat nach der Tat und dem Tod von Tugce Drohungen erhalten, bis hin zum Mord.

Bewegender Abschied von Tugce A.

Die Studentin Tugce Albayrak aus Gelnhausen war vor etwa zwei Monaten vor einem McDonalds in Offenbach niedergeschlagen und lebensgefährlich verletzt worden. Knapp zwei Wochen später wurden die lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet. Tugce soll vor der Prügelattacke zwei minderjährigen Schülerinnen zu Hilfe gekommen sein. Sie sollen in der Toilette von dem Beschuldigten und seiner Clique bedrängt worden sein.

dr/psh

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