„Melanie“ gräbt sich durch den Untergrund

Tunnelbau für Offenbacher Mainauslass

Mit einem getauften Bohrkopf soll beim Tunnelbau nicht mehr schiefgehen: Melanie Gessner, Leiterin der Abteilung Entwässerung beim Stadtservice der Stadtwerke Offenbach, erfüllt souverän ihre Pflicht als Taufpatin.
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Mit einem getauften Bohrkopf soll beim Tunnelbau nicht mehr schiefgehen: Melanie Gessner, Leiterin der Abteilung Entwässerung beim Stadtservice der Stadtwerke Offenbach, erfüllt souverän ihre Pflicht als Taufpatin.

Die Hauptarbeit im Gotthard-Basistunnel hat „Sissi“ erledigt. Den Tunnelvortrieb für die Verlängerung der Berliner U-Bahn-Linie 5 übernahm „Bärlinde“. Aktuell gräbt sich „Melanie“ durch den Offenbacher Untergrund. Sie bereitet den Kanal-Überlauf in den Main vor.

Offenbach – Der Alltag unter Tage ist seit Jahrhunderten für jene, die im Tageslicht verweilen, stets ein wenig bedrohlich und geheimnisvoll geblieben. Daher wird die Verehrung der Heiligen Barbara, die Schutzheilige der Bergleute, bei jedem Tunnelprojekt zelebriert. Mag es noch so klein erscheinen. So wurde auch in Offenbach vor dem Start der Bohrung für den Kanal zum Mainauslass in bergmännischer Tradition der Tunnel getauft. Damit soll das gesamte Projekt einen guten Verlauf nehmen. Da es den Tunnel noch nicht gibt, wurde in der riesigen Baugrube auf dem ehemaligen Clariant-Parkplatz an der Mainstraße stellvertretend dem mächtigen Bohrkopf die Sektflasche an die Außenhülle gedonnert.

Taufpatin war Melanie Gessner, Leiterin der Abteilung Entwässerung beim Stadtservice. Sie gibt die Arbeiten in Auftrag, finanziert werden sie über den Eigenbetrieb der Stadt. Ausgeführt werden sie von der Firma Sonntag Baugesellschaft, die als Gastgeberin zur Tunneltaufe, wegen Corona unter Ausschluss der Öffentlichkeit, eingeladen hatte. Mit dabei war Bürgermeister Peter Freier als zuständiger Dezernent. „Der Stadtservice und hier gerade das Team der Entwässerung unter Melanie Gessner ist gut aufgestellt und zeigt erneut, mit welcher Kompetenz und Professionalität auch hochkomplexe Aufgaben angegangen und erfolgreich wahrgenommen werden.“ Auch Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Walther kam zum offiziellen Akt: „Die Arbeit der Stadtwerke ist für die Bürgerinnen und Bürger oft nicht sichtbar, obwohl der Mainauslass aktuell eines unserer größten Projekte ist. Deshalb ist es gut, dass die Firma Sonntag den Auftakt der Bauarbeiten mit einem solchen Ereignis würdigt.“

Der Bohrkopf beim Herunterlassen in die Baugrube auf an der Mainstraße.

Mit dem Bergmannsgruß „Glückauf“, zerschmetterte sie dann souverän die Flasche am Bohrkopf, der künftig in ihrem Namen die Tunnel für die Kanalrohre mit mehr als zwei Metern Durchmesser freilegt. Die Arbeiter selbst legen Wert darauf, dass eine Figur der Heiligen Barbara dabei ist: „Man weiß ja nie, was einen unter der Erde alles erwartet.“ Im aktuellen Fall kann man dank umfangreicher Voruntersuchungen davon ausgehen, dass es auf der kürzeren Strecke von der Baugrube unter der Mainstraße und dem Maindamm hindurch und dem längeren Abschnitt bis hin zum Anschluss an den neuen Kanal in der Kettelerstraße keine unangenehmen Überraschungen gibt.

Der Bohrkopf hat gut 2,40 Meter Durchmesser, ist beinahe knapp fünf Meter lang und wiegt rund 35 Tonnen. Er wurde mit einem Kran in die acht Meter tiefe Baugrube gehievt. Von dort aus wühlt er sich in den nächsten Wochen mit dem Namenszug „Melanie“ und dem Stadtwerke-Logo durch den Untergrund. Taufpatin Gessner hatte sich etwas gesträubt und gerne auch einem anderen Namensgeber den Vortritt gelassen. Aber da hatte Bauleiter Maximilian Vogt streng interveniert: Die Tradition verlange eine Namenspatin. Und es dürfe auch keine aus der Historie Offenbachs sein, denn sie müsse tatsächlich selbst taufen. Überzeugt hatte Gessner dann schließlich der Ursprung ihres eigenen Vornamens: „Melanie war der Beiname der griechischen Erdgöttin Demeter – das passt ja tatsächlich ganz gut.

Bei aller Tradition erinnerte Gessner vor der Taufe daran, wofür der Tunnel in der wachsenden Stadt gebraucht wird: „Hier am Main wird einer der letzten Abschnitte des großen Sammelkanals Bieber- Nord gebaut, der seit 18 Jahren durch halb Offenbach auf einer Länge von 5,7 Kilometern neu verlegt wird. Auf Höhe der Baugrube am Main entsteht parallel ein Auslassbauwerk, durch das bei starkem Regen das Wasser direkt in den Fluss abläuft. Damit wird verhindert, dass es etwa in den Straßen hochdrückt.“ (mk)

Infos im Internet: t1p.de/of-kanal

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