U3-Betreuung in Offenbach

Krippe „Nimmersatt“: Rennstrecke für Bobbycars

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Auf U3-Betreuung haben ab August 2013 alle Kinder Rechtsanspruch. In der Innenstadt eröffnet nächsten Monat die Krippe „Nimmersatt“, die 30 Plätze für die ganz Kleinen bietet.

Offenbach - Gregor Plohl steht am Ende eines langen Wegs. Und zwar im wörtlichen wie auch übertragenen Sinne. Hinter ihm erstreckt sich ein 20 Meter langer Flur, die künftige „Bobbycar-Rennstrecke“, wie er lächelnd vorhersagt. Von Veronika Szeherova

Die Erfüllung seines jahrelang gehegten Wunsches nach einer Einrichtung für Kleinstkinder ist zum Greifen nah. Anfang August öffnet die neue Kinderkrippe „Nimmersatt“ an der Bieberer Straße 39. In den ersten Stock des ehemaligen Verdi-Hauses kehrt damit wieder Leben ein. Die neue Einrichtung bietet Platz für 30 Kinder von acht Wochen bis drei Jahren. Träger ist der Verein Smiling Faces. Diesen gründete Plohl Ende 2010 mit sechs Mitstreitern und dem erklärten Ziel, eine Kinderkrippe zu eröffnen. „Wir wollten es selbst in die Hand nehmen“, erklärt der 35-Jährige, der seit fünf Jahren als Erzieher arbeitet und zuletzt stellvertretender Leiter einer Kita in Raunheim war. „Die Strukturen in der Bildungssparte sind sehr starr, und sie leidet am meisten unter Sparzwang“, bedauert er. Nachdem er „einige Knaller“ erlebt habe, wuchs der Wunsch, es anders – individueller – zu machen. „Die Herausforderung hat uns als Pädagogen gereizt“, so Plohl.

Fast zwei Jahre und viele bürokratische Erfahrungen später räumt er ein: „Wir waren anfangs etwas blauäugig. Dass es sich doch so lange ziehen würde, haben wir nicht erwartet.“ Der Verein hat seine Idee in Frankfurt und Offenbach vorgestellt. Während Frankfurt keinerlei Interesse gezeigt habe, „wurden wir in Offenbach herzlich empfangen“. Trotzdem blieb beim ersten Anlauf, Fördermittel vom Topf der Kommune zu bekommen, kein Geld übrig für den Verein. „Im zweiten Anlauf im selben Jahr kamen wir dann zum Zuge, als einzige in Offenbach“, freut sich Plohl. Es galt nun, eine passende Immobilie zu finden und diese entsprechend auszustatten. Nach langer Suche und einer Absage klappte es schließlich im früheren Verdi-Haus unweit des Mathildenplatzes: „Wir mussten knallhart kalkulieren, denn die Fördergelder sind eng bemessen“, sagt der Pädagoge. Der Umbau habe 135.000 Euro gekostet, 118.000 Euro deckten die Fördermittel. „Zum Glück hat der Vermieter den Rest vorfinanziert“, ist er erleichtert.

Badezimmer mit Wasserspiellandschaft

Insgesamt sieben Räume, davon drei Gruppenräume, der größte 70 Quadratmeter, ein Badezimmer mit Wasserspiellandschaft und der besagte lange Flur bieten den Kindern Platz zum Spielen, Schlafen, Lernen. „Wir möchten nicht einfach nur betreuen, sondern fördern“, so die Devise. Ein kleiner Wermutstropfen ist die fehlende Außenanlage. „Zum Spielplatz am Main ist es aber nicht weit“, tröstet sich Plohl.

Elf Stellen entstehen bei „Nimmersatt“. Schon seit einem Jahr steht das Personal – darunter drei Kinderpflegerinnen, eine Kinderkrankenschwester, ein Koch und drei Hauswirtschaftskräfte. „Das Frühstück und Mittagessen bereiten wir vor Ort direkt zu, die Kinder können dabei mithelfen“, erzählt der Erzieher, der selbst vor drei Wochen Papa geworden ist. „Jetzt kam irgendwie alles auf einmal“, schmunzelt er.

Nun hofft Plohl, dass alles rechtzeitig zum offiziellen Eröffnungstermin am 3. August fertig wird. Der Umbau ist in der heißen Phase, danach kommen die Möbel. „Vom Pädagogischen her freue ich mich auf die neue Aufgabe, um die Wirtschaftlichkeit mache ich mir etwas Sorgen“, sagt der Offenbacher. „Grundsätzlich bin ich aber optimistisch, wir sind ein tolles Team.“ Langfristig plant er als kleines Standbein Fortbildungen von Fachkräften für Fachkräfte.

Familien haben Rechtsanspruch auf U3-Betreuung

320 Euro kostet dort ein Krippenplatz, Windeln und Pflegeprodukte inbegriffen. Die Öffnungszeiten sind täglich von 7.30 bis 16.30 Uhr. „Anmeldungen haben wir bisher nur für etwa die Hälfte der Plätze“, sagt Plohl. Vielleicht ändert das der Tag der offenen Tür am Samstag, 4. August, von 10 bis 15 Uhr.

Bedarf an U3-Plätzen besteht in Offenbach – den Rechtsanspruch hat ab August nächsten Jahres jedes Kind. Laut dem städtischen Jugendamtsleiter Hermann Dorenburg gibt es derzeit 1129 U3-Plätze, davon 444 Tagespflegeplätze. 1708 Plätze müssen es werden, um auf die von der Stadt angestrebten 35 Prozent Abdeckung zu kommen. „Diese Vorgabe werden wir erreichen, wenn es gelingt, alle geplanten Projekte umzusetzen“, sagt Dorenburg. „Wir bereiten derzeit eine Einrichtung an der Berliner Straße vor mit 26 Plätzen.“ Auch mehrere freie Träger würden neue Einrichtungen planen. „Trotzdem schaffen wir es lange nicht, den gesetzlichen Anspruch zu erfüllen“, sagt Dorenburg und ergänzt eher rhetorisch, „wenn er nicht doch noch geschoben wird oder die Fördergelder dafür mehr werden.“

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