Recht auf Betreuung in einer Kita

Das mühsame Krabbeln

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Jüngere und ältere Gäste erlebten die offizielle Einweihung in St. Josef mit Generalvikar Dietmar Giebelmann und Pfarrer Michael Kunze.

Offenbach - Da hat die hessische Staatssekretärin Petra Müller-Klepper eine etwas andere Sichtweise: „Hessen ist damit auf einem guten Weg, der wachsenden Nachfrage nach Betreuungsmöglichkeiten für die Altersgruppe der unter Dreijährigen gerecht zu werden“, bekundete sie zum Start ins Kindergartenjahr. Von Martin Kuhn

Der Versorgungsgrad bei der U3-Betreuung liege hessenweit bei 30,5 Prozent. Wobei der Kampf um die knappen Gelder weiter geht: Städte fordern mehr finanzielle Unterstützung.

Bei den nackten Zahlen kann Offenbach sogar eine kleine Schippe drauflegen. „Wir sind aktuell bei 31 Prozent“, sagt Hermann Dorenburg. Der Jugendamtsleiter betont, dass es nahezu im Wochentakt neue Erhebungen gibt: „Da fließt immer wieder etwas zu...“ Das zeigt: Jedes – im Vergleich zu den kommunalen – kleine Projekt ist bedeutsam. Eins hat die Gemeinde St. Josef unlängst eingeweiht. 20 Plätze für Jungen und Mädchen unter drei Jahren bietet ab sofort die Einrichtung, die seit 1953 neben der Kirche St. Josef besteht.

Ein neues Betätigungsfeld

Die katholische Gemeinde freute sich zur Eröffnung über hohen Besuch: Generalvikar Dietmar Giebelmann segnete im Beisein der Kinder aus den einzelnen Gruppen die neuen Räume. Er verteilte im Anschluss noch das eine oder andere Stück Kuchen – die schmeckten den Kindern besonders gut. Für die Kita, deren Leiterin Ilse Jochum und ihr gesamtes Team eröffnet sich damit ein neues Betätigungsfeld.

Ihnen dankten Pfarrer Michael Kunze und Sigrid Isser, stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats: „Sie mussten in den letzten Wochen während der Umbauphase viele zusätzliche Stunden arbeiten.“ Eine Arbeit, die sich gelohnt hat. Für etwa 300.000 Euro sind auf einer Wiese, die bislang für Pfarrfeste und Fußballpartien genutzt wurde, etwa 500 Quadratmeter zusätzlich für 20 Krabbelkinder entstanden. So nimmt die katholische Kita in zwei Gruppen jeweils zehn Kinder ab einem Jahr auf. Gruppen-, Schlaf- und Bewegungsräume sind obligatorisch, ein sogenannter Töpfchenraum ist bei einem solchen Projekt unumgänglich. Zudem vorgesehen sind drei zusätzliche Hort-Räume.

Eltern von Kleinkindern müssen sich gedulden

Wer auf den Geschmack gekommen ist, den muss Sigrid Isser vertrösten: „Natürlich sind die Plätze seit der Planung vergeben und seit der Inbetriebnahme am 15. August bereits belegt und mit Leben erfüllt.“ Eltern von Kleinkindern müssen sich also gedulden.

Angekündigte Projekte und Vorhaben gibt es in Offenbach einige. Aktueller Stand: Bis Sommer 2013 wird es in der Stadt weitere 233 U3-Plätze geben. „Teils sind konkrete Anträge gestellt, teils laufen die Verhandlungen“, berichtet Dorenburg. Der Verwaltung kommt eine entscheidende Rolle zu: Sie beantragt und leitet Investitionszuschüsse weiter.

35 Prozent aller unter Dreijährigen in Offenbach versorgt

Allerlei Rechenspiele sind notwendig, um zu erkunden, ob die von der Bundesregierung angestrebten 35 Prozent aller unter Dreijährigen in Offenbach versorgt sind. „Diese Quote entspricht einer Empfehlung der Bundesregierung. Und da kommen wir hin“, heißt es im Rathaus.

Eine Zahl dazu: Zum Stichtag 31. Dezember 2011 gab es in Offenbach 3755 Kinder bis drei Jahre. Für die 35-Prozent-Quote braucht es etwas mehr als 1300 Plätze. Das sieht gut aus. Laut Beschluss der Stadtverordneten ist die Hürde jedoch höher gelegt: 45 Prozent. „Das halten viele Fachleute für einen realen Wert, gerade in Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet“, so der Jugendamtsleiter.

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