Über Gefälle zum Stadtkanal

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Kein Castor, nur ein bemannter Bohrkopf: Im Bieberer Feld wird seit 2009 unterirdisch eine neue Abwasser-Verbindung  zwischen Bieber und dem städtischen kanalnetz hergestellt.

Offenbach ‐ Als das Trumm über der Grube schwebt und vom Kran in diese hinabgelassen wird, liegt der Scherz nahe: Das ist ein Castor-Behälter, die verbuddeln dort Atommüll... Von Thomas Kirstein

Dabei ist bekannt, dass im Bieberer Feld zwischen dem gleichnamigen Berg und der Käsmühle nicht endgelagert, sondern gebohrt wird. Bei dem Gerät, das dort versenkt wird, handelt sich um einen bemannten Bohrkopf, der unterirdisch den Platz für einen neuen Kanal mit zwei Metern Innendurchmesser bereitet.

Kein Castor, nur ein bemannter Bohrkopf: Im Bieberer Feld wird seit 2009 unterirdisch eine neue Abwasser-Verbindung zwischen Bieber und dem städtischen kanalnetz hergestellt.

Eine der größten Kanalbaumaßnahmen Offenbachs der jüngsten Zeit ist in nun in ihrem dritten und letzten Bauabschnitt. Der verschlingt 3,3 von insgesamt acht Millionen Euro, die es sich der Stadtdienstleister ESO kostet lässt, das Abwasser der Stadtteile Bieber und Waldhof flüssiger und weniger umständlich als bisher ins Offenbacher Kanalnetz zu bringen. Derzeit wird es über eine Druckrohrleitung zum Schneckenberg gepumpt und gelangt in Höhe der EVO-Türme in die städtische Kanalisation. Künftig soll es nicht mehr über eine Steigung, sondern über ein Gefälle ins Netz geleitet werden.

Für den 2009 begonnenen Neubau sind keine umfangreicheren sichtbaren Erdbewegungen als die für die Einlassgruben notwendig. Von dort aus arbeitet sich der mit einer Person besetzte überdimensionale Bohrer wie ein Maulwurf voran - in sechs Metern Tiefe. Angetrieben wird er von externen Schwunggeneratoren.

Die letzten Rohre kurz vor Weihnachten verlegt

Pro Tag entstehen so knapp 20 Meter Tunnel. Anschließend werden die aus Glasfaser bestehenden Kanalrohre stückweise eingebaut und maschinell nachgeschoben. Insgesamt passiert das auf 1.472 Metern, davon misst der aktuelle Abschnitt einen halben Kilometer. Die letzten Rohre sollen kurz vor Weihnachten verlegt sein, bis alle Anschlüsse und technischen Vorrichtungen installiert sind, wird es September 2011. Schon vorher lassen nur noch Schachtdeckel erahnen, dass hier eine größere Baumaßnahme stattfand.

Autofahrer, die die Strecke durch den Lohwald als Zufahrt zum Baugebiet An den Eichen oder als Schleichweg in Richtung Mühlheimer Straße nutzen, müssen in den nächsten Wochen mit Behinderungen rechnen, weil der Kanalbau hin und wieder die Sperrung einer Spur erfordert.

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